Artikelreihe: Optionen und Optionsscheine
Anleger bevorzugen Index-Warrants

G erade in Zeiten stark schwankender Aktienkurse interessieren sich Investoren besonders für Optionen und Optionsscheine. Denn Anleger können damit auch an fallenden oder sich seitwärts bewegenden Kursen Geld verdienen.

FRANKFURT/M. Ruhig und konzentriert sitzt Krishna Parameswaran vor seinen sechs Monitoren im Handelsraum der Citibank. Seine Aufmerksamkeit gilt Excel-Tabellen. Die rechte Hand dirigiert eine Computermaus. Nur das häufige Klicken mit dem Kugelschreiber in der linken verrät seine Anspannung. "Ich kontrolliere für Sally die Volatilitäten", beschreibt der Optionsscheinhändler seine Arbeit im Fachjargon. Sally ist die Kollegin links neben ihm. Sie verkauft Optionsscheine auf den Dax. Krishna sorgt dafür, dass die Preise für die Scheine richtig kalkuliert sind. Dafür hat er unter anderem die Volatilitäten (Glossar) im Blick, da sie neben Basispreis oder der Restlaufzeit mit für den Preis eines Optionsscheins verantwortlich sind.

Über 30 Händler arbeiten im Handelsraum der Citibank, dem deutschen Marktführer für Optionsscheine. Diese gibt es auf Indizes, einzelne Aktien, Währungen oder Zinsen. Anders als bei Optionen müssen die Ausgeber von Optionsscheinen permanent Kurse für ihre Produkte stellen. Optionen sind standardisiert, hier stellen Banken und Makler Kurse auf Anfrage.

Aber nicht nur für Emittenten, auch für Privatanleger sind Optionsscheine, auch Warrants genannt, ein spannendes Geschäft. Diese Futures bieten Investoren die Chance, ihre persönliche Meinung über künftige Kursentwicklungen direkt in eine auf sie zugeschnittene Anlagestrategie umzusetzen und auch dann Geld zu verdienen, wenn die Aktienkurse fallen oder sich seitwärts bewegen. Wer sich einen Kaufoptionsschein (Call) kauft, wettet auf steigende Aktienkurse. Verkaufsoptionsscheine (Put) profitieren dagegen von fallenden Aktienkursen. Zudem können schon mit geringem Kapitaleinsatz große Gewinne erzielt werden - allerdings ist auch der Totalverlust möglich. Deshalb lassen sich Banken von Kunden, die Optionsscheine kaufen wollen, die so genannte Termingeschäftsfähigkeit unterschreiben.

Mit Scheinen auf Indizes das Risiko streuen

"90 bis 95 % unserer Kunden sind Privatanleger", sagt Dirk Heß von der Citibank. Sein Haus biete 3 500 Scheine an, am Gesamtmarkt seien etwa 23 000 im Umlauf. Am gefragtesten seien derzeit Optionsscheine auf Indizes - vor allem auf den Dax. Dann kämen Warrants auf deutsche und amerikanische Blue Chips, beschreibt Heß die Trends auf dem Optionsscheinmarkt. Über die Hälfte des Umsatzes mit Warrants erziele die Citibank inzwischen mit Index-Scheinen. Den Trend zum Indexmarkt in den vergangenen Monaten bestätigt auch Erik Liesenberg, der für das Optionsscheingeschäft bei Goldman Sachs verantwortlich ist. Der Grund: Mit Scheinen auf Indizes sind die Anleger nicht so stark von den Bewegungen einzelner Werte abhängig, sie streuen ihr Risiko. Das sei mit Blick auf die Berichtssaison der Firmen verständlich, gebe es doch bei Einzelwerten auf Grund überraschend guter oder schlechter Quartalszahlen kurzfristig sprunghafte Kursentwicklungen.

Allerdings hängt auch das Geschäft mit Optionsscheinen durch, wenn es am Aktienmarkt mal nicht so läuft. Experten sprechen derzeit übereinstimmend von zurückgegangenen Umsätzen. "Wir haben nur noch 50 bis 60 % des Vorjahresniveaus", berichtet Heß. Die durchschnittliche Auftragsgröße liege derzeit eher unter 5 000 DM, normal seien 5 000 bis 10 000 DM."Anleger kaufen Optionsscheine verstärkt in einem Bullenmarktumfeld", erklärt dazu Liesenberg. Das hat laut Dieter Gallmann, verantwortlich für das Warrantsgeschäft bei Credit Lyonnais, vor allem psychologische Gründe. Schließlich könne mit Optionsscheinen theoretisch in jeder Marktsituation Geld verdient werden. Nur spekulierten die Anleger eben lieber, wenn sie mit steigenden Kursen rechneten. Sollten die Aktienmärkte - wie von vielen erwartet - im zweiten Halbjahr nachhaltig drehen, dürfte auch der Handel mit Optionsscheinen wieder profitieren. "Dann laufen vielleicht auch Scheine auf einzelne Aktien wieder stärker, ohne dass das zu Lasten der Index-Warrants geht", hofft Yann Stoffel von Societe Generale. Die Anleger wüssten über Optionsscheine zunehmend besser Bescheid. Sobald die Aktienkurse anzögen, seien die Warrants-Käufer sofort wieder am Ball, meint auch Gallmann.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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