Arzneihersteller trennen sich von Tochterfirmen
Pharmakonzerne werfen Ballast ab

Während die Börse über neue Pharmafusionen spekuliert, steuern die großen Arzneihersteller eher in Richtung Verkleinerung: Sie trennen sich von ihren zum Teil großen Konsumgütertöchtern, um ihre Finanzkraft zu stärken. Selbst Randgeschäfte im Kernbereich Pharma geraten immer häufiger auf die Verkaufsliste.

FRANKFURT/M. Abspecken und volle Konzentration auf Pharma - diesen Trend forcieren derzeit die führenden Arzneihersteller. Sie stoßen zunehmend Randgeschäfte wie die Herstellung von Nahrungsmitteln oder Konsumgütern ab. Jüngstes Beispiel: die US-Konzerne Pfizer und Merck & Co. Pharma-Weltmarktführer Pfizer kündigte den Verkauf der Süßwaren-Tochter Adams und des Rasierklingen-Herstellers Wilkinson an, Merck & Co. will in dieser Woche ihre Tochter Medco an die Börse bringen.

Vor wenigen Monaten hatte bereits die Schweizer Novartis AG ihre Trennung vom Nahrungsgeschäft angekündigt und damit Topmarken wie die Fitnessgetränke Ovomaltine und Isostar zum Verkauf gestellt. Hintergrund der Strategie: Pharmakonzerne wollen ihre ganze Kraft für die kostspielige Entwicklung und Vermarkung neuer Medikamente verwenden.

Analysten schätzen, dass Pfizer für seine beiden Konsumgütersparten einen Preis von 5 bis 6 Mrd. $ erzielen kann. Dieses Geld will der US-Konzern auch zum Rückkauf eigener Aktien nutzen. Zeitgleich mit den Verkaufsplänen kündigte das Pfizer-Management ein Rückkauf-Programm im Rekordvolumen von 10 Mrd. $ an.

Pfizer kann sich eine solche Aktion leisten, weil der Konzern im Gegensatz zu etlichen Konkurrenten derzeit weder mit Wachstumsschwäche noch mit Ertragsproblemen kämpft. Ungünstiger ist etwa die Lage beim Branchendritten Merck & Co., der von Patentabläufen und enttäuschenden Umsätzen bei Neuentwicklungen gebremst wird. Der Erlös aus dem Börsengang von Medco dürfte daher vor allem zum Ausbau der Forschung und des Produktangebots genutzt werden.

Medco steuert fast zwei Drittel zum Merck-Gesamtumsatz bei, aber nur 3 % Prozent zum Gewinn. Das Unternehmen gilt als Marktführer unter den so genannten Pharmacy-Benefit-Managern, einer Mischform aus Großhandel und Einkaufsgenossenschaft für Medikamente. Weil das Börsenklima für Pharmawerte zuletzt deutlich abkühlte, musste der US-Konzern die Preisspanne für Medco am vergangenen Donnerstag allerdings reduzieren. Merck will zunächst ein Fünftel des Medco-Kapitals an die Börse bringen, die restlichen Anteile sollen als Sachdividende an die eigenen Aktionäre verteilt werden.

Auf die gleiche Weise will sich der US-Konzern Pharmacia von seiner rund 80 %-igen Beteiligung am Agrochemiekonzern Monsanto trennen. In Europa plant die Schweizer Roche Holding AG den Verkauf ihrer Vitaminsparte. Aventis will sich aus dem Geschäft mit Blutplasma-Produkten zurückziehen und dieses in ein Joint Venture mit der Bayer AG einbringen, die vor wenigen Wochen bereits Aventis Crop Science übernommen hat. Der Leverkusener Konzern plant seinerseits den Verkauf verschiedener Chemieaktivitäten. Die Darmstädter Merck KGaA bereitet den Börsengang ihrer Laborhandelsgruppe VWR vor.

Der Trend zur Fokussierung ist für die Pharmabranche keineswegs neu. Bereits die Fusionswelle der späten 90er-Jahre wurde von Dutzenden von Teilverkäufen begleitet. Dies geschah damals vor allem auf Drängen des Kapitalmarktes. Heute liegen die Gründe eher in trüben Perspektiven im Arzneimittelgeschäft. "Je stärker der Druck, gute Ergebnisse zu liefern, desto eher wird überlegt, ob man etwas verkaufen kann", sagt Pharma-Analyst Andreas Schmidt von Merrill Lynch.

Zu den potenziellen Verkaufsobjekten gehören neben den Konsumgütergeschäften auch rezeptfreie Medikamente und Tiermedizin. Sogar das Pharmageschäft selbst gerät auf den Prüfstand. Große Konzerne stoßen bereits verstärkt umsatz- oder wachstumsschwache Medikamente ab. Der US-Konzern Eli Lilly etwa hat vor wenigen Tagen die europäischen Rechte an drei kleineren Krebsmedikamenten an den Generikahersteller Stada verkauft. Konkurrent Wyeth veräußerte eine Reihe von patentfreien Medikamenten an Baxter, Bayer verkaufte ihr Geschäft mit Nachahmer-Produkten (Generika). Schon vor einem Jahr trennte sich Aventis vom ebenfalls patentfreien Herzmittel Cardizem.

Der Vorteil für die verkaufenden Konzerne liegt nicht nur in den Einnahmen durch die Verkäufe. Auch erscheinen die eigenen Wachstumsraten in einem besseren Licht, wenn sie die schwachen Altprodukte aus dem Zahlenwerk herausnehmen können.

Quelle: Handelsblatt

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