Asbest-Reserven ungenügend
ABB schockt mit Gewinnwarnung

Der Elektrotechnikkonzern ABB senkt die Ertragsprognosen für das laufende Geschäftsjahr und überprüft auch seine mittelfristigen Gewinnziele. Zudem erklärte der Konzern am Montag, die Rückstellungen für die Asbest-Klagen in den USA dürften nicht ausreichen.

Reuters ZÜRICH. Damit bestätigte der Konzern Befürchtungen im Hinblick auf die Ertragslage und auch auf die Asbest-Probleme, die Aktienanalysten schon seit geraumer Zeit hegten. Am kommenden Donnerstag will ABB den Zwischenbericht für neun Monate vorlegen.

ABB teilte weiter mit, dass aufgrund der anhaltenden Marktschwäche und der niedriger als erwartet ausgefallenen Einsparungen die Ertragsziele nicht aufrecht erhalten werden könnten. Die Anzeichen einer konjunkturellen Erholung in der ersten Jahreshälfte hätten sich nicht bestätigt. Angesichts des schwierigen Umfeldes sei die Kostenbasis des Unternehmens immer noch zu hoch. Am Donnerstag will ABB auch Einzelheiten zu weiteren Kostensenkungsmassnahmen nennen. Es handle es sich aber eher um Feinanpassungen als um ein umfassendes Restrukturierungsprogramm, sagte Konzernchef Jürgen Dormann auf einer Telefonkonferenz.

Im Rahmen des letzten Kostensenkungsprogrammes baute ABB 12 000 Stellen ab und hat jetzt noch rund 150 000 Stellen. In Teilbereichen schloss Dormann auch weitere Abschreibungen nicht aus.

Angesichts der vorherrschenden Unsicherheiten über die Stärke und den Zeitrahmen eines wirtschaftlichen Aufschwungs gebe ABB keine neuen Ertragsprognosen bekannt.

Bisher wollte ABB 2002 bei einem stabilen Umsatz eine Ebit-Marge von vier bis 5 % zent erreichen nach 3,4 % im Halbjahr. Noch im September hatte Dormann, der damals auch noch die Funktion des CEO von Jörgen Centerman übernommen hatte, erklärt, ABB sei auf Kurs, die Ziele zu erreichen.

Zum Umsatz sagte Dormann nun, er rechne im Vergleich zum Vorjahr mit einem Wert auf Vorjahreshöhe oder leicht darunter. ABB erzielte 2001 bei einem Umsatz von 23,7 Mrd. $ einen Ebit von 279 Mill. $ und wies in Zusammenhang mit Sonderabschreibungen einen Nettoverlust von 691 Mill. $ aus.

Dormann erklärte weiter, ABB habe eine schwierige Zeit vor sich. Er erwartete keinen Aufschwung im Markt vor dem dritten Quartal 2003. Zudem sagte Dormann: "Eine Erholung alleine wird unsere Probleme nicht lösen." Die längerfristigen Ertragsausichten würden überprüft. Bisher hatte ABB bis 2005 bei einem durchschnittlichen jährlichen Umsatzwachstum von sechs Prozent eine Verbesserung der Ebit-Marge auf neun bis zehn Prozent angepeilt.

Zudem teilte ABB mit, dass die vorgesehenen Rückstellungen für Asbest-Klagen in den USA in Zusammenhang mit der Tochtergesellschaft Combustion Engineering (CE) nicht ausreichen dürften. "Da die Höhe der endgültigen Kosten für die Regelung der Asbest-Klagen noch unsicher ist, werden die bestehenden Reserven nicht erhöht, sie entsprechen aber auch nicht mehr der Einschätzung der für CE zu erwartenden Kosten bei einer Weiterführung der gegenwärtigen und zukünftigen Klagen gemäss der bisherigen Vergleichsstrategie," so ABB. ABB habe noch Reserven von 780 Mill. $ für die Asbestfälle. Die Differenz zu den zuletzt genannten Rückstellungen von 940 Mill. $ sei im dritten Quartal an die Kläger ausbezahlt worden.

ABB prüfe verschiedene Optionen, darunter auch Gläubigerschutz für CE gemäss Chapter 11 des US-Konkursrechts. ABB vertrete den Standpunkt, dass die Asbest-Forderungen nur gegenüber CE und nicht gegenüber anderen Unternehmenseinheiten geltend gemacht werden können. ABB hatte die Firma, die asbesthaltige Materialien für die Isolierung von Kesseln verwendet hatte, 1990 übernommmen. Zwischen 1990 und 2001 bezahlte CE den Angaben zufolge 865 Mill. $ an Kläger.

Im bisherigen Jahresverlauf hatten die ABB-Aktien rund zwei Drittel an Wert verloren. Neben der schleppenden Konjunktur und der Asbest-Problematik litt ABB auch unter einer hohen Verschuldung. ABB erklärte nun, der Konzern wolle die Verschuldung bis zum Jahresende weiterhin um 1,5 Mrd. $ abbauen.

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