Asclepion-Übernahme wird zum „Huckepack-Börsengang“
Zeiss setzt mit Augenheilkunde auf den Neuen Markt

Für die traditionsreiche Carl-Zeiss-Gruppe bricht nach der Verschmelzung ihrer Augenheilkundesparte mit dem Laserspezialisten Asclepion ein neues Zeitalter an. Erstmals in der 150-jährigen Firmengeschichte wagt sich ein Unternehmensbereich an die Börse.

FRANKFURT/M. Das behütete Dasein als Unternehmen im Stiftungsbesitz hat ein Ende: Der Traditionskonzern Carl Zeiss bringt sein Augenheilkunde-Geschäft an die Börse. Ausgerechnet am skandalumwitterte Neue Markt soll die profitabel arbeitende Carl Zeiss AG, die gut die Hälfte ihres 230-Millionen-Euro Umsatzes in den USA erwirtschaftet, ihre Heimat finden. "Wenn wir damit helfen, das Image des Neuen Marktes zu verbessern, ist das ganz in unserem Sinne", sagt der designierte Aufsichtsratschef Michael Kaschke.

Im Gegensatz zu einigen anderen Branchen, die am Neuen Markt vertreten sind, verbucht die Medizintechnik trotz der Konjunkturflaute noch immer beeindruckende Wachstumsraten. Kaschke zufolge wächst der Markt für Augenheilkunde jährlich mit 20 bis 30 % jährlich. Der Aktienmarkt teilt diese Zuversicht für die Branche offenbar: Der im selben Geschäftsfeld tätigen Nestlé-Tochter Alcon konnte Ende März an der New Yorker Börse 2,3 Milliarden Dollar einsammeln. Auch Monate nach dem größten Börsengang, den die USA in diesem flauen Aktienjahr gesehen haben, notiert die Alcon-Aktie noch über dem Emissionspreis.

Das Risiko, das eine Neuplatzierung von Aktien in diesen Zeiten birgt, hat die deutsche Konkurrentin durch den Zusammenschluss mit dem bereits börsennotierten Laserspezialisten Asclepion Meditec abgefedert. "Das ist aber mehr als nur ein Huckepack-Börsengang", betont Kaschke. Die Technologie des Jenaer Unternehmens ergänzt die Carl-Zeiss-Systeme insbesondere im Bereich der Behandlung von Fehlsichtigkeit. Auch wenn es in Deutschland noch immer eher die Ausnahme ist, dass sich Brillenträger einer Laseroperation unterziehen, um von der Sehhilfe unabhängig zu sein, sei dies weltweit ein wichtiger Wachstumsmarkt, sagt Kaschke. Zudem bringe Asclepion auch Know-how für die in den meisten Ländern von den Krankenkassen erstatteten Behandlung von Grauem und Grünem Star und altersbedingter Netzhauterkrankungen mit. Die eigene Entwicklung dieser Technologie wäre Zeiss nach Einschätzung Kaschkes zwar möglich gewesen, hätte jedoch enorme Mittel gebunden.

Den jetzt eröffneten Zugang zum Finanzmarkt wird Carl Zeiss schon bald nutzen, um sich auf dem Wege einer Kapitalerhöhung die notwendigen Mittel für geplante Investitionen zu beschaffen. So soll auf der Basis der Asclepion-Technologie eine neue Lasergeneration entwickelt und der Einstieg in neue Anwendungsbereiche, beispielsweise im kosmetischen Sektor angegangen werden. Ein wichtiges Entwicklungsthema sei auch die engere Verknüpfung von Diagnose und Therapie von Augenkrankheiten. "Dadurch sinken die Behandlungskosten erheblich, weil Doppelarbeit vermieden wird", erklärt Kaschke. Angesichts der Kostenexplosion im Gesundheitswesen sei das ein schlagendes Verkaufsargument für medizintechnische Systeme, insbesondere wenn sie aus den Budgets der Krankenhäuser finanziert werden. Ähnliches gilt für die IT-gestützte Vernetzung der Systeme. die ebenfalls auf der Liste der geplanten Projekte steht: "Das soll allerdings nicht nur Kliniken, sondern auch größeren Augenarztpraxen helfen, effizienter zu arbeiten und damit höhere Margen zu erzielen."

Bei der Deutschen Börse, die nicht nur am Neuen Markt gerne einen hohen Streubesitzanteil sieht, rennt Carl Zeiss mit dem Plänen für eine großvolumige Kapitalerhöhung offene Türen ein. Derzeit liegen 76 % der Anteile bei Carl Zeiss und weitere 8 % der Deutschen Effecten und Wechsel-Beteiligungsgesellschaft (DEWB). Zunächst wird jedoch den freien Asclepion-Aktionären ein Angebot unterbreitet, das sich am Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate orientieren wird.

Quelle: Handelsblatt

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