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ASEM besorgt über US-Konjunktur

Die Konjunkturabschwächung in den USA und die Schwäche der japanischen Wirtschaft sind für die Finanzminister aus 25 europäischen und asiatischen Staaten die beiden größten Risiken für die Weltwirtschaft.

dpa KOBE/BERLIN. In Europa erscheine das Wachstum allerdings "so robust, dass eine Trendumkehr hier nicht zu befürchten ist", sagte Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) am Sonntag zum Abschluss des ASEM-Finanzministertreffens im japanischen Kobe. Das Wachstum in Europa werde sich allerdings verlangsamen.

Der gegenüber dem $ erstarkte Euro werde die Konjunktur nicht einbrechen lassen, meinte Eichel im Bremer "Kurier am Sonntag". Das wirtschaftliche Schicksal Deutschlands liege im europäischen Binnenmarkt - und der werde durch einen starken Euro gefestigt. Die Märkte "erkennen nun an, dass der Euro gegenüber dem $ lange Zeit unterbewertet" worden sei. Eichel ist überzeugt, dass es Europa gelingen kann, in die Bresche der nachlassenden US-Konjunktur zu springen. In Deutschland werde die Steuerreform, die Bürger und Unternehmen bis zum Jahr 2005 um 95 Mrd. DM entlasten, ein wichtiger Beitrag für ein starkes Wirtschaftswachstum.

Auch der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), Anton Börner, erwartet nicht, "dass wir in den nächsten Monaten in eine kritische Phase schlittern, auch wenn die US-Wirtschaft nachlässt. Amerika wird nicht zusammenbrechen", sagte Börner der "Welt am Sonntag". Für die Exporte sieht er keine Risiken. Die Wirtschaft in den USA habe nur eine Verschnaufpause eingelegt.

In ihrer Abschlusserklärung betonten die ASEM-Finanzminister, sie wollten die eigenen Volkswirtschaften robuster machen und "die Anfälligkeiten gegen äußere Schocks" reduzieren. Japan solle seine Strukturreformen im Finanz- und Unternehmenssektor fortsetzen, um die Wirtschaft zu einer sich selbst tragenden Erholung zu führen. Die japanische Volkswirtschaft sei für ein nachhaltiges Wachstum in Asien wichtig.

Minister Eichel sagte zur Entwicklung in den USA, Washington sei sich der Gefahr eines Abschwungs bewusst. Die ASEM-Minister hätten begrüßt, dass dort gegen eine "harte Landung" angesteuert werde. Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Horst Köhler, sieht daher keinen Grund, sich mit "Weltuntergangs-Szenarien" zu befassen. Falls notwendig hätten die USA "weiter Bewegungsfreiheit in der Geld- und Finanzpolitik". Europa und Japan könnten "und sollten mehr tun, um langfristiges Wachstum zu sichern und somit das Vertrauen der Investoren in die globale Wirtschaft zu stärken", sagte Köhler.

Die Finanzminister beschlossen eine stärkere regionale Zusammenarbeit in Wirtschaft und Finanz. In der Frage der Wechselkursregime gibt es ihrer Auffassung nach keine allgemein gültige Lösung. "Je nach Rahmenbedingung des einzelnen Landes ist ein Spektrum möglicher Wechselkursarrangements denkbar", sagte Eichel. Man sei sich einig, das jedes Regime von einer soliden Wirtschafts- und Finanzpolitik begleitet werden müsse. Bei der Stärkung des internationalen Finanzsystems bestehe weiter Reformbedarf.

Die Minister forderten außerdem so bald wie möglich eine neue Welthandelsrunde. Dies könne ebenfalls einen großen Beitrag zum Weltwirtschaftswachstum leisten. Zur ASEM-Gruppe gehören die 15 EU- Staaten sowie zehn asiatische Staaten, darunter Japan und China.

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