Asien spielt wieder mit
Sommerflaute: Zu Schnäppchenpreisen zuschlagen

Sommerzeit bedeutet oft Aktienflaute. Anleger sollten die Gelegenheit nutzen und zu Schnäppchenpreisen einsteigen. Analysten sehen gute Gewinnchancen in Asien und in Europa, raten in den USA aber zur Vorsicht.

Sell in may and go away" lautet eine alte Börsenregel. Doch wer sich seit Ende Mai zurückgezogen hat und nicht weiter auf Chancen an der Börse lauert, dürfte sich damit keinen guten Dienst erweisen. Experten sehen gerade jetzt gute Einstiegsmöglichkeiten. Das gilt vor allem für Asien. Dabei beziehen sich Analysten und Fondsmanager oft nur auf Japan - viele Fonds haben dort ihren Schwerpunkt -, obwohl weitere Märkte dort teils sogar bessere Chancen bieten.

Hauptgrund für den Japan-Optimismus: Es gibt in Tokio viele zyklische Titel - und immer mehr Anzeichen deuten auf eine Erholung der Weltwirtschaft hin. So verweist Metzler Asset Management beispielsweise auf die Belebung des Welthandels und auf niedrige Lagerbestände der Unternehmen.

Da bei dem MSCI-Subindex-Japan rund 58 Prozent konjunktursensible Titel enthalten sind, dürfte der japanische Markt stärker von einem Konjunkturaufschwung profitieren als der amerikanische und der europäische, erklärt Roland Ziegler, Stratege bei der BHF-Bank. In den MSCI-Subindizes der Regionen USA und Europa lägen diese Anteile bei 40 Prozent beziehungsweise 27 Prozent: "Japan ist also eine Wette auf die Konjunktur", zieht Ziegler Bilanz und rät trotz bereits gut gelaufener Aktien und dem allgemein bemängelten Reformstau in Japan zu Neuengagements.

Gegenwärtig lohnt auch das Investieren in Europa, findet Ziegler. Der Stratege, der für Japan auf Sicht von zwölf Monaten ein Kurspotenzial bis zu 20 Prozent sieht, erwartet in Europa immerhin einen Zuwachs bis zu 15 Prozent. Positiv gestimmt für die Region sind auch Stefan Keitel, Leiter Investmentmanagement der Credit Suisse Deutschland AG, und Murdo Murchison, Manager des Templeton Growth Fund in Nassau. Der Grund dafür ist in erster Linie das gegenüber den USA niedrigere Bewertungsniveau.

"Außerdem haben sich die europäischen Unternehmen in den letzten Jahren verstärkt restrukturiert und sind im Wettbewerb nun gut positioniert", sagt DWS-Fondsmanager Klaus Kaldemorgen. Als Beispiele für erfolgreiche Umstrukturierungen in Deutschland nennt er BASF, Daimler und Siemens. Daneben führt Steffen Mitschka, Sprecher Anlage-Strategie Privatkunden bei der Deutschen Bank, "das Nachlassen der negativen Gewinnrevisionen" als Pluspunkt an.

Starker Euro hat positive Wirkung

Positiv für den europäischen Aktienmarkt ist auch der von vielen Beobachtern erwartete weitere Anstieg des Euros gegenüber dem Dollar. Dagegen wird beim Yen eine Abschwächung gegenüber dem Dollar und bei der amerikanischen Währung eine fortgesetzte Talfahrt gegenüber dem Euro erwartet. Oliver Fischer von der FondsConsult Research AG betont daher, dass Käufer des Fonds "WM Aktien Global US-$", den die Münchener empfehlen, ein Währungsrisiko bezüglich des Dollars eingehen. Ein Yen-Risiko liege allerdings nicht vor.

Die erwartete weitere Abschwächung des Dollars ist einer der Gründe, warum mehrere Analysten und Fondsmanager bei US-Aktien vorsichtig sind und ihre Bestände derzeit zugunsten von Asien und Europa verringern. Murchison weist auf die hohen Bewertungen bei einzelnen Titeln hin, vor allem in den Sektoren Technologie und Telekommunikation. Was Kaldemorgen misstrauisch macht: "Die Konsumenten in den USA sind zuversichtlicher, als es die wirtschaftliche Situation eigentlich erlaubt", sagt der Fondsmanager in Anspielung auf die Entlassungswelle bei vielen Unternehmen, insbesondere im Technologiesektor. Bei Enttäuschungen dürfte daher die Gefahr von Rückschlägen steigen.

Hoher Anteil an Europa-Papieren empfohlen

Gegenwärtig empfehlen Analysten den Investoren bisweilen einen hohen Anteil an Europa-Papieren für ihre Depots: Keitel zum Beispiel rät als Orientierungsgröße, rund 60 Prozent in Europa zu investieren. 30 Prozent des Geldes könnten Anleger dann in US-Titel und zehn Prozent in asiatische Aktien stecken.

Will man die Aktienpositionen aber ähnlich wie beim MSCI World aufteilen, ergibt sich - auch bei positiver Sicht der asiatischen und europäischen Region - automatisch ein höherer US-Anteil: Denn in dem Index machen amerikanische Titel rund 55 Prozent aus. So meint Gerald Böhme, Fondsmanager bei Metzler Asset Management, mit seiner Depotempfehlung für US-Aktien von 55 Prozent keine Übergewichtung, während die von ihm veranschlagten 10 Prozent für Japan und rund 35 Prozent für Europa eine leichte Übergewichtung gegenüber dem Marktbarometer bedeuten.

Böhme ist einer der wenigen, die die Börse in den USA im Vergleich zu den Aktienmärkten in Europa und Japan optimistisch sehen. An der Wall Street sei noch erhebliches Gewinnerholungspotenzial vorhanden, sagt der Fondsmanager. "Und dabei hat der Markt die guten makroökonomischen Daten bislang noch gar nicht gespielt", stellt er fest. Dafür sei die Stimmung der Börsianer noch zu schlecht, die "Marktpsyche" habe bislang noch einem Anstieg der Kurse im Wege gestanden.

Trotz der wahrscheinlich bevorstehenden Sommerflaute gibt es alles in allem also gute Nachrichten für Aktienanleger: Wer jetzt zu Schnäppchenpreisen zuschlägt, hat gegen Ende des Jahres vermutlich einen erheblich dickeren Geldbeutel.

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