Asien und Osteuropa gelten als niedrig bewertet
Schwellenländer – die neuen Favoriten

Die goldene Börsenära der achtziger und neunziger Jahre ist vorbei. An den etablierten Aktien- und Anleihemärkten macht die anhaltende Baisse das Geldverdienen schwer. Experten schätzen, dass in den kommenden Jahren vor allem die Börsen der aufstrebenden Volkswirtschaften ordentliche Wertzuwächse sehen werden.

FRANKFURT/M. Die Börsen der aufstrebenden Volkswirtschaften in Osteuropa und Asien dürften den Anlegern in den nächsten Jahren größere Gewinne bescheren, als die Handelsplätze der hoch entwickelten Industrieländer. Die geringsten Erträge werden risikoarme Investitionen am Geldmarkt, in Anleihen und in Immobilien abwerfen. Davon sind zumindest Experten von Investmentgesellschaften überzeugt.

Geht es nach ihnen, dann entwickeln sich die so genannten Emerging Markets zu den neuen Anlagefavoriten. Dafür spricht nicht nur stärkeres Wirtschaftswachstum als in den Industrieländern und niedrigere Produktionskosten, sondern auch große Fortschritte in der Unternehmensführung und die niedrigen Bewertung der Schwellenländer-Aktien.

Der Trendwechsel deutet sich bereits an. In den vergangenen sechs Monaten kamen Inhaber breit anlegender Emerging-Markets-Aktienfonds mit einem durchschnittlichen Minus von nur 8,2 % im Vergleich zu anderen Aktienfondsgruppen mit einem blauen Auge davon. In den vergangenen zehn Jahren dagegen hatten sie mit + 4,5 % p.a. noch unterdurchschnittliche Erträge erzielt. Zudem sind die Aktienkurse etwa in Korea, Indonesien oder Russland trotz der jüngsten Hausse noch weit von ihren historischen Höchstständen entfernt.

Die beste Entwicklung

Gary Dugan ist deshalb überzeugt, dass die Emerging Markets in den kommenden drei Jahren die beste Entwicklung aufweisen werden: "Ich erwarte jährliche Gewinne von zehn bis 15 %", sagt der Leiter des Aktien-Strategieteams bei JP Morgan Fleming Asset Management in London. Die Spanne für die Börsen der Industrieländer schätzt er auf 5 bis 10 %.

James Williams, der Chefstratege von Baring Asset Management, rechnet ebenfalls damit, dass die aufstrebenden Börsen das Feld anführen werden. Abzüglich der Inflation erwartet er Wertgewinne von 10 bis 11 %, in den Industrieländern nur 6 %.

Ganz gleich, wie sich die Aktienmärkte der Industrieländer entwickeln: Auch Tod Rodwell sieht die Börsen der Schwellenländer in jedem Fall vorne. "Dort sind mindestens 10 Prozentpunkte mehr zu holen", glaubt der Investmentmanager für Emerging Markets bei Pictet Asset Management. Anlegern mit einem internationalen Wertpapierportfolio empfiehlt der Experte deshalb, 10 % des Anlagekapitals in den aufstrebenden Volkswirtschaften anzulegen.

Optimismus versprüht auch Mark Mobius, angesehener Experte in Sachen Schwellenländer von Franklin Templeton Investments: "Jetzt ist ein günstiger Zeitpunkt zum Einstieg". Er argumentiert unter anderem mit dem erwarteten höheren Wirtschaftswachstum im Vergleich zu den Industrieländern. "Zudem haben sich die Bilanzierungspraktiken in diesen Ländern dramatisch verbessert", ergänzt er. Seit dem Enron-Skandal schlage dieser Faktor immer deutlicher zu Gunsten der Emerging Markets zu Buche. Williams von Baring geht noch weiter: "Wir wissen aus Umfragen, dass die britischen institutionellen Anleger den Bilanzen der asiatischen Firmen inzwischen mehr trauen als denen der US-Unternehmen."

Kostenvorteile

Laut Rodwell von Pictet dürften sich längerfristig auch die Kostenvorteile in den Rohstoffindustrien bemerkbar machen: "In Indonesien etwa wird der Papierrohstoff viel billiger hergestellt als in den Industrieländern. Eine Tonne Stahl wird in Osteuropa oder Lateinamerika zu 150 $ produziert, in USA dagegen zu 250 $". Beim Kurs/Gewinn-Verhältnis sieht er die aufstrebenden Börsen ebenfalls im Vorteil: 12 bis 15 im Vergleich zu Werten über 20 im Falle der etablierten Aktienmärkte. Quelle: Handelsblatt

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