Asiengeschäft durch SARS beeinträchtigt
Linde-Chef deutet schwaches Quartal an

Pessimistische Aussagen von Linde-Chef Wolfgang Reitzle zum Verlauf des ersten Quartals haben den Aktienkurs des Industriegase- und Gabelstaplerkonzerns am Montag stark belastet. Die Titel verloren zeitweise knapp acht Prozent und führten damit die Verliererliste im Deutschen Aktienindex (Dax) an.

Reuters FRANKFURT. "Das Interview ist als kleine Gewinnwarnung zu verstehen", sagte ein Aktienhändler einer Frankfurter Großbank. Linde-Chef Reitzle hatte der "Financial Times Deutschland" (FTD) (Montagausgabe) gesagt, der für den Wiesbadener Konzern wichtige deutsche Markt springe nicht an und das erste Quartal sei nicht berauschend verlaufen. Zudem hatte Reitzle am Wochenende eine strategische Weichenstellung in den nächsten zwei bis drei Jahren angekündigt, bei der sich Linde auch auf ein Geschäftsfeld ausrichten könnte.

Die Linde-Aktien verloren in einem schwächeren Gesamtmarkt bis zum Nachmittag 7,6 Prozent auf 30,93 Euro. Nach Ansicht von Börsianer werden die Linde-Papiere auch in den nächsten Tagen weiter unter Druck stehen. "Wo sollen in diesem Konjunkturumfeld die Impulse auch herkommen?", sagte ein anderer Händler.

Deutscher Markt springt nicht an

"Wir sehen, dass unser wichtigster Markt Deutschland überhaupt nicht anspringt, sondern weiter nachlässt", hatte Reitzle der "FTD" gesagt. Das Asiengeschäft, vor allem bei den Gabelstaplern, sei durch die Lungenkrankheit SARS beeinträchtigt. "Das erste Quartal verlief nicht berauschend", sagte der Konzernchef. Zwar stehe nach wie vor das Ziel, in diesem Jahr einen spürbar höheren operativen Gewinn zu erzielen als 2002. "Nach dem Verlauf des ersten Quartals ist dieses Ziel jetzt aber erheblich schwieriger zu erreichen."

Analysten rechnen für das erste Quartal mit einem minimalen Anstieg des operativen Gewinns (Ebita) auf 130 Mill. Euro nach 129 Mill. Euro im Vorjahresquartal. Beim Umsatz wird ein leichter Rückgang zum Vorjahr erwartet. Linde will am Donnerstag die Geschäftszahlen für das erste Quartal bekannt geben.

Die Wiesbadener hatten Ende März bereits zum ersten Quartal mitgeteilt, dass sich die Wachstumsaussichten für die deutsche und europäische Wirtschaft seit Jahresbeginn weiter eingetrübt haben. Auch Linde, die rund 75 Prozent ihres Umsatzes in Europa erwirtschaftet, habe sich von der Konjunkturflaute nicht abkoppeln können, hieß es damals. So habe der Umsatz in den ersten beiden Monaten mit 1,2 Mrd. Euro leicht unter Vorjahr gelegen. Das Gasegeschäft habe sich weiter positiv entwickelt.

Mögliche Konzentration auf ein Geschäftsfeld

Unterdessen kündigte Reitzle am Wochenende eine strategische Weichenstellung in den nächsten zwei bis drei Jahren an, bei der sich der Konzern auf ein Geschäftsfeld konzentrieren könnte. "Die Optionen sind vielfältig", sagte Reitzle der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Eine solch weit reichende Entscheidung wolle er aber nicht übers Knie brechen. Linde könne so weitermachen wie bisher und sich auf die Profitabilität konzentrieren oder sich als Gaskonzern aufstellen und die Bereiche Gabelstapler, Fördersysteme und Kältetechnik abgeben, sagte der seit Jahresbeginn amtierende Linde-Chef. "Wir könnten uns aber genauso gut als Anlagenbauer positionieren." Dann würde die Gassparte veräußert und Linde könnte mit mindestens 8 Mrd. Euro Erlösen auf Einkaufstour gehen. "Es gibt sehr viele unterbewertete Ingenieurunternehmen, die wir dann mit dem Geld kaufen könnten. Das kann auch sehr reizvoll sein."

"Das wird kurzfristig Geld kosten, könnte langfristig aber positiv sein", kommentierte ein Marktteilnehmer die Strategieüberlegungen. Beim Bankhaus Merck Finck hieß es dazu, die Aussagen von Reitzle seien sehr allgemein gehalten. Sie sollten aber zeigen, dass Linde für alle strategischen Optionen offen sei, "was in den kommenden zwei bis drei Jahren noch zu beweisen sein wird".

Über die Hälfte des Jahresumsatzes von 8,7 Milliarden Euro macht Linde mit der Sparte Industriegase und Engineering, ein Drittel mit der Gabelstaplersparte Material Handling und rund zehn Prozent mit der Kältetechnik. Diese Sparte will Linde bis Ende 2003 ausgliedern. Dabei sind die Optionen Weiterführung des Geschäfts, Eingang von Kooperationen oder auch ein möglicher Verkauf offen.

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