Asiens Volkswirtschaften haben alle Krisen überstanden
Drache China verhilft Tigern zum Sprung

So schnell, wie sich in Asien die wirtschaftlichen Parameter ändern, können die Prognosen kaum angepasst werden. Litten China und Südostasien in der ersten Jahreshälfte noch unter Deflation, Irak-Krieg, Sars, Terrorängsten und schwankenden Ölpreisen, so zeigten in der zweiten Hälfte alle Indikatoren nur noch steil nach oben. Gleich mehrfach musste die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) ihre Wachstumsvorhersagen korrigieren. 6,1 % für das laufende Jahr lautet das jüngste Resumee der Bank, 2004 sollen es 6,4 % werden.

HB DÜSSELDORF. Den Statistikbehörden in den einzelnen Staaten ergeht es nicht besser. In China hat die Konjunktur eine kaum geahnte Steh-Auf-Dynamik entwickelt. Investitionen, Exporte und Konsum erholten sich so schnell, dass der Minister an der Spitze der staatlichen Entwicklungs- und Plankommission, Ma Kai, zuletzt kaum noch ein Risiko einging, als er für das laufende Jahr ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 8,5 % vorhersagte. Dennoch erwartet Peking keine ungebremste Fortsetzung der Volldampf- Konjunktur. Die offizielle Vorhersage für 2004 lautet 7 %. Der Grund: Die Notenbank hat die Kreditbremse betätigt, denn die ausstehenden Darlehen der chinesischen Geschäftsbanken haben sich im laufenden Jahr um 300 Mrd. $ aufgebläht.

Nun ist die Führungsriege in Sorge vor einer Überhitzung, aber auch auf der Hut vor einer erneuten Zunahme der faulen Kredite. Im kommenden Jahr wird sie daher ein Feuerwerk neuer Reformen abbrennen, darunter eine Kapitalinjektion für die angeschlagenen Banken, eine Blaupause für die strategische Entwicklung des Autosektors und eine stärkere Öffnung der Börsen.

Das marode Finanzsystem plagt nach wie vor auch den Nachbarn Japan. Unter Bankenminister Heizo Takenaka macht die Regierung den Großbanken des Landes zwar mächtig Dampf, die faulen Kredite endlich nachhaltig abzubauen. Kurzfristig dürfte dies aber die Unternehmenspleiten hoch halten und die Konsumneigung dämpfen. Doch die Großunternehmen investieren nach ihrer Sanierung wieder. Zudem wirken die Exporte nach China sowie in die USA als Konjunkturstütze. Die Erholung ist aber ein Rennen gegen die Zeit. Nur wenn das Wachstum so lange vorhält, bis die Inflation zurückkehrt, wird sich die Erholung nachhaltig entwickeln. Angesichts anhaltender Strukturprobleme sind die Aussichten nicht überwältigend. Nach einem Wachstum von über 2 % in diesem Jahr rechnet die OECD für die beiden kommenden Jahre nur mit einem Plus von jeweils 1,8 %.

Ganz anders die Tigerstaaten. Im Windschatten China setzen sie zu einem neuen Sprung an, allen voran Thailand. Mit einem BIP-Plus von 6 % oder mehr ist Thailand hinter China Ostasiens Wachstumsstar Nummer zwei. Bis auf 8 % schrauben die Analysten ihre Prognose für 2004. Nicht ohne Grund. Touristen strömen wieder in die Region, die Konsumnachfrage steigt deutlich, und China saugt Rohstoffe und Waren an. Das dämpft Sorgen über einen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber der Volksrepublik. ADB-Präsident Tadao Chino gewinnt dem Trend viel Positives ab: "Asiens Volkswirtschaften dürften weniger verwundbar gegenüber Konjunkturschwankungen in den Industrieländern sein, je mehr der regionale Handel anzieht."

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