Asienspiele
Afghanische Sportler erleben emotionalen Auftritt

Sportlich gesehen nahm der erste Auftritt einer Fußballmannschaft aus Afghanistan auf internationaler Bühne seit 18 Jahren einen unheilvollen Ausgang. Mit drei Niederlagen und 0:32 Toren gingen die Schützlinge von Trainer Mir Ali Asghar bei den 14. Asienspielen in der südkoreanischen Hafenstadt Busan hoffnungslos unter.

HB/dpa BUSAN. Das 0:10 im Auftaktspiel gegen den Iran und die 0:11-Schlappen jeweils gegen Katar und Libanon waren für das afghanische Team jedoch kein allzu heftiger Schock. Kaum Vorbereitungszeit auf die Wettkämpfe und eine ermüdende Fünf-Tages-Anreise nach Südkorea, während der sie auf dem Flughafen in Karachi übernachten mussten, hinterließen bei den Spielern ihre Spuren. Erst wenige Tage vor Beginn des Fußballturniers bei den Asienspielen wurden die afghanischen Fußballer überhaupt erst davon informiert, dass sie teilnehmen können, weil die Mongolei ihre Teilnahme zurückgezogen hatte. Der Kader der Nationalmannschaft wurde rasch aus einigen Mannschaften zusammengestellt.

Doch wie für die Fußballauswahl ist für alle 42 Athleten der Mannschaft aus dem kriegsgeschädigten Land allein schon die Teilnahme an der kontinentalen "Olympiade" ein großer Erfolg. Und ein Ereignis mit hohem Symbolwert dazu. "Unsere Teilnahme ist eher zeremoniell", sagt der Delegationsleiter Majid Mansury. "Wir zeigen damit: Wir sind noch da, wir sind noch am Leben!"

Für die afghanischen Sportler, die im Boxen, Ringen, Taekwondo, Judo, Radfahren und Fußball an den Start gingen, ist die Teilnahme an der Asiade ein emotionales Ereignis. Seinen Sieg in der ersten Turnierrunde feierte der Ringer Mir Dad gleich mit mehreren Saltos.

Die Beschreibung der schlechten Trainingsbedingungen für die Sportler in der Heimat verband Mansury mit einem Appell an die internationale Gemeinschaft für eine größere Hilfsbereitschaft. Ein Jahr nach dem Krieg in dem westasiatischen Land, der das Ende des islamischen Taliban-Regimes besiegelte, kommt der Wiederaufbau nicht wie erhofft voran.

"Wir brauchen die Hilfe aus dem Ausland", sagt Mansury. Nur 5 % der Aufbauhilfe gingen bisher in die Infrastruktur. "Und der Sport kommt ohnehin zuletzt." Das größte Hindernis für eine gründliche Vorbereitung auf internationale Wettbewerbe sei der Mangel an Trainingsstätten. Viele Einrichtungen seien in einem erbärmlichen Zustand. Mansury: "Noch wenige Monate zuvor wurden Menschen im Stadion aufgehängt."

Das Liga-System im Fußball beginnt im verarmten Afghanistan erst wieder langsam. Dankbar sind die Afghanen für jede direkte Unterstützung für den Sport. So wie aus Japan, das einen Assistenztrainer zur Verfügung gestellt hatte. Für die Teilnahme an den Asienspielen überwies der Fußball-Weltverband FIFA 40 000 Dollar.

Die afghanischen Fußballer traten schon am Sonntag wieder die Heimreise an. Doch die Hoffnungen, dass das Land bei den Spielen auch noch sportlich gut abschneidet, sind noch nicht aufgegeben. Große Erwartungen werden in die sieben Taekwondo-Kämpfer gesetzt, die in dieser Woche antreten.

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