Asis droht mit weiteren Selbstmordanschlägen
Massive Luftangriffe auf Bagdad

Mehrere Explosionswellen haben in der Nacht zum Montag Bagdad und seine Außenbezirke erschüttert. Mindestens eine Rakete schlug nach Angaben einer Korrespondentin der Nachrichtenagentur AFP in den Palast der Republik von Präsident Saddam Hussein ein. Auch aus Nordirak und der südirakischen Stadt Basra wurden Bombardements gemeldet.

vwd BAGDAD. Der stellvertretende irakische Regierungschef Tarik Asis drohte den US-geführten Truppen mit weiteren Selbstmordanschlägen. US-Generalstabschef Richard Myers meldete im US-Fernsehsender CNN die Zerstörung eines Lagers in Nordirak, in dem El-Kaida-Mitglieder trainiert haben sollen.

Über dem Präsidentenpalast am Ufer des Tigris stieg nach dem Einschlag einer Rakete kurz nach Mitternacht eine Rauchwolke auf. Zuvor waren acht laute Explosionen außerhalb der Stadt zu hören. Die meisten Luftangriffe der US-geführten Streitkräfte galten den Außenbezirken von Bagdad, wo irakische Eliteeinheiten vermutet werden. Die irakische Armee betätigte ihre Luftabwehr.

Bei den Luftangriffen auf Bagdad schlug auch ein Geschoss in dem Wohngebiet El Karrada ein. Es traf nach Angaben eines AFP-Reporters eine Straße. Verletzt wurde offenbar niemand. Der Sender El Arabija zeigte Bilder von zwei Großbränden. 25 km südöstlich von Basra wurde am Abend die Region um Abu el Chassib bombardiert, wie El Dschasira berichtete.

US-Hubschrauber abgestürzt

Beim sechsten Hubschrauberunglück der US-Armee in Irak binnen einer Woche starben am Sonntagabend drei US-Marineinfanteristen. Ein viertes Besatzungsmitglied des Transporthubschraubers UH-1 Huey wurde laut Pentagon verletzt. Der Hubschrauber sei im Süden Iraks abgestürzt. Es handele sich vermutlich um einen Unfall. Ein britischer Soldat wurde bei Kämpfen auf der Halbinsel Fau nahe Basra getötet. Mehrere weitere Soldaten seien verletzt worden, teilte das Verteidigungsministerium in London mit.

Die Zahl der im Irak-Krieg ums Leben gekommenen britischen Soldaten stieg damit auf 24. Auf US-Seite starben 41 Soldaten. Die irakischen Behörden verweisen auf mehrere hundert getöteten Zivilisten, zu getöteten irakischen Soldaten machen sie keine Angaben. In Nordirak nahmen die US-geführten Streitkräfte die dritte Nacht in Folge irakische Stellungen unter Beschuss. Die Luftangriffe waren laut einer AFP-Korrespondentin in der von Kurden kontrollierten Stadt Kalak rund 40 Kilometer östlich von Mossul zu hören.

Camp von Ansar el Islam bombardiert

Das Camp der radikalislamischen Kurdengruppe Ansar el Islam sei mehrere Tage lang bombardiert worden, bevor es von US-Soldaten und kurdischen Verbündeten betreten worden sei, sagte Myers. Einige Verteidiger des Lagers, vermutlich Mitglieder von El Kaida, seien bei den Angriffen getötet, andere gefangen genommen worden. US-Außenminister Colin Powell hatte die Existenz des Lagers vergangenen Monat als Beweis für die angeblichen geheimen Verbindungen zwischen der Regierung in Bagdad und dem Terrornetzwerk von Osama bin Laden aufgeführt. Diese Verbindung wird von Experten jedoch angezweifelt.

Asis sagte dem US-Fernsehsender ABC, Menschen, die von einer Invasion bedroht seien, hätten das Recht, sich "mit allen Mitteln" zu verteidigen. Selbstmordanschläge gehörten dazu. Der irakische General Hasem El Rawi sagte, mehr als 4000 Freiwillige seien aus allen arabischen Ländern eingetroffen, um in die Fußstapfen eines irakischen Offiziers zu treten, der beim ersten Selbstmordanschlag auf alliierte Truppen am Samstag in der Nähe von Nadschaf eine Autobombe gezündet und vier US-Soldaten mit in den Tod gerissen hatte. Auch die radikale Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad schickte nach eigenen Angaben Selbstmordattentäter nach Irak.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) klagte über ein "zunehmendes Gefühl der Ohnmacht" angesichts des humanitären Leides der irakischen Bevölkerung. Rot-Kreuz-Mitarbeiter hätten Schwierigkeiten, zu Städten wie Nadschaf, Nassirijah und Kerbela durchzukommen, erklärte die Hilfsorganisation in Genf. Weil die meisten Telefonverbindungen nicht mehr funktionierten, sei es sehr schwierig, an Informationen über die Lage vor Ort zu kommen.

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