ASM Brescia will in diesem Sommer an die Börse gehen
Italienische Stadtwerke heizen IPO-Klima auf

Der Gesetzgeber will es so: Stadtwerke, die am Jahresende nicht an der Börse gelistet sind, müssen ihr Vermögen den Kommunen zurückgeben. Das könnte in Italien für einen Emissionsboom sorgen.

MAILAND. Das Klima für Neuemissionen (IPO) in Italien verbessert sich zunehmend. Das liegt nicht nur an den zwei prominenten Börsengängen, die mit dem Luxuskonzern Prada und der Immobilienfirma Pirelli Real Estates in diesen Sommer stattfinden werden. Vielmehr dürften sich nach Ansicht von Investmentbankern in den kommenden Monaten die zahlreichen privatisierten Stadtwerke des Landes zu einem wahren Motor der Börsensaison entwickeln. "Dafür gibt es einen gesetzlichen Grund", erläutert Alberto Varisco, der Chef des Bereiches Corporate Finance von Intesa Bci. "Stadtwerke, die noch nicht börsennotiert sind, müssen Ende des Jahres ihre Vermögenswerte den Kommunen rückübertragen - der Anreiz ist also sehr groß, den Börsengang zu wagen."

Insgesamt gibt es in Italien gut 700 solcher Unternehmen. Von ihnen kommen rund 10 bis 20 für einen Börsengang in Frage - vier sind bereits an der Borsa Italiana notiert: AEM aus Mailand, Acea aus Rom, AEM aus Turin und Acegas aus Triest. Beim drittgrößten Stadtwerk des Landes, der ASM im norditalienischen Brescia laufen in diesen Wochen die letzten Vorbereitungen für den Börsengang. Aus Bankkreisen ist zu erfahren, dass rund 30 % des Kapitals platziert werden sollen. Dabei dürften dem Versorger nach Analystenschätzungen rund 200 Mill. ? zufließen. 60 % der Aktien sollen an Kleinanleger gehen, 40 % an örtliche Unternehmer, die einen harten Investorenkern bilden wollen. Beraten lässt sich das Management der ASM von Lazard, während Mediobanca und Intesa Bci als Konsortialführer benannt worden sind.

ASM schreibt wie das Gros der italienischen Stadtwerke sehr hohe Gewinne. Im letzten Jahr erreichte das Unternehmen bei einem Umsatz von 740 Mill. ? ein Ergebnis von 95 Mill. ?. Die Margen können sich im internationalen Vergleich sehen lassen. Mit einer Nettoumsatzrendite von 13 % ist das Unternehmen einer der profitabelsten Versorger des Landes. Zum Vergleich: Der Ex-Monopolist Enel ist im ersten Quartal nur auf knapp 4 % gekommen. "Wir haben eine sehr ausgewogene Multi-Utility-Strategie," sagt der Präsident von ASM Brescia, Renzo Capra im Gespräch mit dem Handelsblatt. "Bereits frühzeitig sind wir neben dem Strom und der Fernwärme auch in das Geschäft mit Wasser, Gas, der Entsorgung und Dienstleistungen eingestiegen".

Dabei hat ASM zweifellos von der Dynamik Brescias profitiert, die heute zu den fünf reichsten Städten Italiens zählt. Neben diesem externen Effekt haben sich aber auch die großen Investitionen in den letzten Jahren ausgezahlt. So ist Brescia heute die einzige Stadt des Landes, die nach skandinavischem Vorbild den gesamten Hausmüll mit Hilfe einer Verbrennungsanlage zu Fernwärme und zur Stromerzeugung nutzt. Nach Expertenmeinung ist dies nicht nur aus Umweltüberlegungen, sondern auch aus betriebswirtschaftlichen Erwägungen ein sinnvolles Modell.

Konkret in der Planungsphase für den Börsengang befinden sich neben ASM Brescia auch die Stadtwerke von Parma, Modena, Bologna und Monza. Weitere werden folgen. Analysten glauben, dass es sich für defensive Privatanleger um attraktive Titel handeln wird. Gleichzeitig weisen sie auf Schwächen in der Corporate Governance hin, die typisch seien für öffentliche Unternehmen. Vollständige Transparenz sei nicht in jedem Falle gewährleistet, teils seien Strategien aus politischen Gründen schwer nachvollziehbar, heißt es aus Analystenkreisen. Und schließlich: Alle werden nur Minderheitsanteile auf den Markt werfen, wodurch die Papiere keine Übernahmephantasien entwickeln können.

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