ASP: Computernutzer kaufen sich ihre Software nicht mehr selbst, sondern mieten sie über das Internet
Miet mich - die Idee ist nicht neu

Die Vermietung von Software, ASP genannt, findet in Deutschland wenig Freunde. Doch die Technologie hat viele Vorteile - wenn auch nicht auf der Kostenseite.

DÜSSELDORF. Stahltüren, fahles Neonlicht - hier soll sie zu Hause sein, die Zukunft der IT-Welt: alte Bunkerschächte ein paar Kilometer außerhalb der norwegischen Hafenstadt Bergen, vollgestopft mit Computern. Das Gelände ist abgeschottet wie eine Kaserne, Fachleute sprechen von einer "Server-Farm". "Die Anlage ist sogar atombombensicher", sagt Jörg Junge, Produktmanager beim Softwarehersteller Nextra.

Das Tochterunternehmen der norwegischen Telefongesellschaft Telenor verwaltet dort für andere Unternehmen die - oft vertraulichen - Computerdaten. Web-Hosting heißt das in der Fachsprache. "In der Anlage sind aber auch die Softwarepakete hinterlegt, die unsere Kunden über das Internet mieten können", sagt Junge.

Das Zauberwort für diese Dienstleistung lautet Application Service Providing (ASP). Das bedeutet: Computernutzer kaufen sich ihre Software nicht mehr selbst, sondern mieten sie über das Internet. Zum Beispiel Bürosoftware von Microsoft und Sun Microsystems: Auf der Internet-Seite Aspon, hinter der die Deutsche Telekom AG steht, kann man solche Programme mieten. Je nach Umfang des Programmpakets kostet das zwischen 30 und 80 DM für ein halbes Jahr.

In Deutschland ist die Freiburger Classware GmbH einer der ASP-Pioniere. Das 1996 gegründete Unternehmen betreibt seit drei Jahren das Internet- Angebot Reisekosten.de und vermietet darüber Programme, mit denen Unternehmen Reisekosten-Abrechnung erledigen können. "Gesetzesänderungen wie zum Beispiel die neuen Auslands-Pauschalen vom Jahresbeginn, werden von uns automatisch umgesetzt", erklärt Classware-Geschäftsführer Thomas Holzer. "Alle Kunden können ohne komplizierte Updates auf die Neuerungen zugreifen."

Classware bietet zudem mehr als die nackte Software: Auf Wunsch verwalten die Freiburger für ihre Auftraggeber zudem die Daten und erledigen die kompletten Reisekostenabrechnungen. Kostenpunkt: 3 pro Mitarbeiter und Monat.

Die Idee, Software zu vermieten, statt zu verkaufen, ist nicht neu: Schon 1997 hatte die visionäre Vorstellung eines Internet-Computers für Furore gesorgt. Oracle-Chef Larry Ellison hatte damals die Idee, einen PC ganz ohne Festplatte zu bauen. Der Rechner sollte sich sämtliche Programme aus dem Netz laden und die Daten des Benutzers dort ablegen. Das Versprechen damals: Die Netz-Computer sollten deutlich billiger sein als normale PCs.

Zwar hat sich diese Idee nicht durchgesetzt hat. Dennoch nutzen inzwischen 80 % der US-Unternehmen ASP in der einen oder anderen Form, so die Unternehmensberatung Mummert + Partner.

Ganz anders sieht es hier zu Lande aus: "In Deutschland gibt es generell Vorbehalte gegenüber Internet-Dienstleistungen." Für neun von zehn deutschen Firmen sind ASP-Lösungen kein Thema, schätzt Mummert + Partner. Steffen Binder, Geschäftsführer von Forrester Deutschland, ist noch vorsichtiger: Weniger als 5 % aller Unternehmen würden in Deutschland derzeit ASP nutzen.

Langsam aber sicher kommt jedoch auch hier der Markt in Bewegung: "Wir haben Anfang 2000 eine Studie gemacht, da mussten wir noch händeringend nach ASP-Anbietern suchen", erzählt Binder. Am Jahresende untersuchte Forrester erneut den Markt - und zählte 79 Unternehmen, darunter Konzerne wie die Deutsche Telekom, SAP und Siemens.

In diesem und im kommenden Jahr werde das Geschäft weiter zunehmen, die Zahl der ASP-Anbieter steigen. "Wir rechnen etwa mit einer Zeit von 18 bis 24 Monaten, bis der deutsche Markt richtig funktioniert", sagt Binder. "Das heißt: Ende 2001 wird der Boom auf der Kundenseite einsetzen." In vielen Unternehmen gebe es schon Testläufe für Softwarepakete. 2005 soll das Marktvolumen im deutschsprachigen Raum bereits bei 5,8 Mrd. liegen.

Im Idealfall kann ASP für die Anwender bequemer sein als der Softwarekauf. Sie brauchen sich nicht mehr selbst um neue Programmversionen zu kümmern, der Vermieter bringt die Software von sich aus auf den neuesten Stand. Zudem verwalten Profis die Daten des Kunden, schützen sie vor fremdem Zugriff und kümmern sich um Sicherheitskopien. Nextra zum Beispiel macht stündlich eine Schnellsicherung der Daten und zusätzlich jeden Abend eine komplette Kopie aller Dateien der Kunden.

Ob das Mieten von Software auch billiger ist als das Kaufen, ist dagegen schwer zu sagen. Ein Beispiel: Die Software Javias, mit der Unternehmen betriebliche Prozesse steuern können, kostet nach Angaben von Forrester beim Kauf für 20 Benutzerplätze rund 77 000 DM. Die ASP-Lösung kostet im Laufe von drei Jahren gut doppelt so viel: Die monatlichen Gebühren von 3 750 DM läppern sich auf 135 000 DM. Berücksichtigt man allerdings die Kosten für Hardware, neue Versionen und Wartung, die innerhalb von drei Jahren 110 000 DM betragen und beim Mieten der Software entfallen, kann der ASP-Kunde 52 000 DM sparen.

"Programme wie das Microsoft-Office-Paket werden nicht der große Markt sein", glaubt Binder. Hochspezialisierte Softwarepakete für Unternehmen seien die Zukunft: "Das ist auch und vor allem für kleine und mittlere Unternehmen interessant, die keine eigene IT-Abteilung haben."

Im Mutterland der Software-Vermietung, den USA, stellen kleine und mittelgroße Firmen 70 % der ASP-Nutzer. Im deutschsprachigen Raum wollen sich 44 % der von Forrester befragten ASP-Anbieter auf diese Klientel ausrichten. Bleibt die Frage, ob die sich das leisten können: Nextra kalkuliert die ASP-Kosten pro Arbeitsplatz und Monat auf 350 Mark - da dürfte so manchem Startup schwindelig werden.

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