Assauer: „Wie verlorene Meisterschaft“
Schalkes „Eurofighter" sind längst Geschichte

Ebbe Sand schämte sich in Grund und Boden - Rudi Assauer fühlte sich nach der höchsten Europacup-Heimniederlage der bald 100-jährigen Clubgeschichte ähnlich elend und traurig wie nach dem knapp verpassten deutschen Meistertitel 2001. "Es ist eine große, große Enttäuschung. Ein betrüblicher Tag, vergleichbar mit der verlorenen Meisterschaft", sagte der Manager des FC Schalke 04 und gewährte nach der 1:4-Blamage gegen Wisla Krakau am Dienstagabend einen Einblick in seinen aufgewühlten Gemütszustand. "Das Ausscheiden ist bitter, weil ich damit nicht gerechnet habe."

HB/dpa GELSENKIRCHEN. Harsche Kritik übte er an Einstellung und Disziplin der Profis nach der Pleite in der dritte Runde des Uefa-Cups: "Ein Großteil macht die Drecksarbeit. Aber einige sind nicht gewillt, anderen zu helfen", schimpfte Assauer, der nicht nur Jörg Böhme meinte. Im Gegensatz zu Trainer Frank Neubarth führt er den bedenklichen Zustand des Kaders nicht allein auf Verletzungen und Müdigkeit zurück. Die mangelnde Hilfsbereitschaft sei der Unterschied zur Elf, die 1997 den "Pott" holte: "Damals waren wir ein Team. Aber die Eurofighter sind weg."

Dazu passt, dass Marco van Hoogdalem dem ausgelaugten Team Leblosigkeit attestiert: "Wir sprechen zu wenig. Alle sind negativ und machen sich gegenseitig runter auf dem Platz." Assauer betonte, dass er dem Trainer keine Schuld gibt. "Es liegt an der Truppe." Nur wenige von ihnen stellten sich dem "Warum", hatten auf die Fragen aber keine Erklärung für die Schmach. "Wir haben eine Vorführung bekommen", gestand der von seinen Vorderleuten mehrfach im Stich gelassene Torhüter Frank Rost. Und Sand gestand: "Dass wir gegen eine polnische Mannschaft verlieren, ist einfach peinlich."

Dass auch der fleißige, aber formschwache Dänen-Stürmer seinen Beitrag zum Heimdebakel leistete, hielt Assauer dem ausgepowerten Musterprofi vor Augen. "Wenn Ebbe sagt, es sei peinlich, muss ich sagen, er kann ihn rein machen. Hätten er, Agali oder Poulsen getroffen, dann wäre es nach dem 1:2 nochmal spannend geworden", bemängelte Assauer wie schon nach dem 1:1 im Hinspiel die katastrophale Chancenverwertung.

Das Eckenverhältnis von 19:3 drückt aus, dass die "Knappen" den starken Polen keineswegs unterlegen waren. Dennoch musste Neubarth ("Die Niederlage tut sehr weh") konstatieren: "Die Spieler von Krakau waren spritziger, schneller, beweglicher. Sowohl vom Kopf her als auch vom Körperlichen." "Wir wussten, dass sie müde sind", sagte Wisla-Trainer Henryk Kasperczak, der seine ausgeruhte Elf - in Polen ist seit zehn Tagen Winterpause - in einem Trainingslager vorbereitete. Der siebenmalige polnische Meister konterte optimal: Das 1:0 von Maciej Zurawski (40.) konnte Tomasz Hajto (42.) ausgleichen, doch nach dem 1:2 durch Kalu Uche (50.) war das Schicksal besiegelt.

"Der ist gerade so groß wie ein Jockey beim Galopp, macht aber ein Kopfballtor", beklagte Assauer die Stellungsfehler der Abwehrrecken. Nachdem Neubarth Mitte der 2. Hälfte drei frische Offensivkräfte (Agali, Wilmots, Hanke) gebracht hatte, schlugen Zurawski (85.) und Kamil Kosowski (90.) eiskalt zu und bescherten Schalke vier Mal mehr Gegentreffer als in den zuvor 13 Uefa-Cup-Heimspielen seit 1996.

Nach dem Aus innerhalb von sechs Tagen in beiden Cup-Wettbewerben, in denen man eigentlich überwintern wollte, bleibt nur noch der Kampf in der Liga um die Plätze hinter Spitzenreiter Bayern München. Ausreden gelten nicht mehr. Das stellte Assauer vier Tage vor dem Gipfel in München klar: "Die Mannschaft hat im nächsten halben Jahr nicht mehr die Entschuldigung, überspielt zu sein."

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