Assekuranz forciert das Beratungsgeschäft
Wettlauf um betriebliche Altersvorsorge

Jedes Unternehmen mit auch nur einem Angestellten muss ab 2002 eine betriebliche Altersvorsorge anbieten. Das spornt vor allem die großen Versicherer an, diesen Wachstumsmarkt anzugehen. Allianz, Gerling und Ergo haben dafür eigens neue Gesellschaften gegründet.

HB DÜSSELDORF. Auch die Banken sind aktiv: Die Hypo-Vereinsbank etwa startete die Pension-Consult, ein Beratungsunternehmen für die betriebliche Altersvorsorge. Die bayerische Großbank hat auch den prestigeträchtigen Auftrag bekommen, den Pensionsfonds für die Chemiebranche zu managen.

Doch die Versicherer sind nach wie vor führend im Markt der betrieblichen Altersvorsorge. Daher hoffen sie auf das größte Stück vom Kuchen, wenn nächstes Jahr der zweite Teil der Rentenreform in Kraft tritt. Gefördert vom Staat sollen Private und Unternehmen Lücken in der staatlichen Absicherung schließen.

Mit ihren neuen Beratungstöchtern treten die Versicherer in Konkurrenz zu unzähligen, klassischen Beratungsgesellschaften, die den Unternehmen bei der Kalkulation der Betriebsrenten helfen. Für Paulgerd Kolvenbach, der der neuen Ergo People & Pensions GmbH vorsteht, ist das jedoch keine echte Konkurrenz: "Die Domäne der Berater ist die Passivseite. Jetzt muss aber die Aktivseite einbezogen werden." Gemeint ist Folgendes: Die Unternehmen stellen sich bis 2005 auf internationale Bilanzierungsregeln ein. Bis dahin wollen viele ihre Pensionsrückstellungen (Passivseite) aus der Bilanz haben, weil sie mit Kapital (Aktivseite) unterlegt werden müssen. Rückstellungen für Betriebsrenten sind eine deutsche Spezialität. Sie stehen mit geschätzten 300 Mrd. DM. in den Büchern. Die Betriebe müssen sich also mit dem Thema Kapitalanlage beschäftigen.

"Die traditionellen Beratungsgesellschaften machen bisher kaum Investment-Beratung", bestätigt auch Peter König von Morgan Stanley Dean Witter. Daher sieht er hier für Banken und Versicherer gute Chancen. Allfinanzanbieter dürften nicht minder profitieren.

Dresdner und Allianz gründen denn auch eine gemeinsame Allianz Dresdner Pension Consult GmbH und die dazu passende Allianz Dresdner Pensionsfonds AG. Marktführer Allianz Leben hat angekündigt, dass er seinen Marktanteil von derzeit 10 Prozent auf 15 Prozent ausbauen möchte.

Eine andere Strategie verfolgt die zweitgrößte Versicherungsgruppe Ergo und die mit ihr kooperierende Hypo-Vereinsbank. Sie gründen jeweils eigene Pensionsfonds. Ergo, Tochter der Münchener Rück, startet gleich mehrere solcher Fonds für die eigenen Marken, also Hamburg-Mannheimer und Victoria. Beide Töchter sind traditionell in der betrieblichen Altersvorsorge engagiert. Die Karsruher Lebensversicherung (ebenfalls Tochter der Münchener Rück) will auch eine eigene Pensionsfonds AG gründen. Ob sie dabei auf der Verwaltungsebene mit Ergo kooperieren werde, "wird zurzeit überlegt", meint Karlsruher-Chef Bernhard Schareck. Auch seine Gesellschaft ist schon seit langem in der betrieblichen Altersvorsorge tätig.

Andere, vor allem kleinere Lebensversicherer, haben dagegen kaum nennenswertes Firmengeschäft. Ihnen fehlt häufig der Zugang, den die Großen in der Vergangenheit vor allem über ihre Kontakte aus der Industrieversicherung (Allianz, Gerling, Axa) oder zu den Gewerkschaften (Volksfürsorge) aufgebaut haben.

Eine Ausnahme bildet der HDI. Er gehört zu den großen Industrieversicherern und rangiert in der betrieblichen Altersvorsorge dennoch mit weniger als 1 Prozent Marktanteil nicht unter den Top-Ten. Das liegt daran, dass der HDI seine Lebensversicherung erst spät aufgebaut hat. Bis 1991 kooperierte er mit der Hannoversche Lebensversicherung, die daher etwa ein Drittel ihres Geschäfts mit betrieblicher Altersvorsorge macht.

Die umgekehrte Ausnahme bilden die Ergo-Versicherer: Sie spielen in der Industrieversicherung keine nennenswerte Rolle, belegen in der betrieblichen Altersvorsorge dennoch einen vorderen Platz. Mit dem ehemaligen Gerling-Mann Kolvenbach wollen die Düsseldorfer ihr fehlendes Industrieversicherungs-Image offenbar wettmachen.

Dabei mag Ergo zu Gute kommen, dass die traditionellen Industrieversicherer ihre Beziehung zu den Unternehmen zurzeit mächtig strapazieren. Im Firmengeschäft knirscht es im Gebälk, seitdem die Verlust geplagten Sachversicherer mehr Geld und weniger Risiko wollen.

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