Assekuranzen erwarten stärkeres Wachstum
Riester-Geschäft enttäuscht die Lebensversicherer

Die Lebensversicherer haben ihre Wachstumsprognose in 2001 deutlich verfehlt. Vor allem das Geschäft mit der staatlich geförderten Privatrente verlief nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft enttäuschend. Für 2002 zeigt sich die Branche verhalten optimistisch.

cd/rl MÜNCHEN. Im Gegensatz zu Bundesarbeitsminister Walter Riester ziehen die Versicherer beim Geschäft mit der staatlich geförderten Privatrente eine negative Bilanz. "Bisher haben erst 1,5 Millionen Arbeitnehmer eine Riester-Police abgeschlossen, nur einer von 20 Förderberechtigten", sagte der Sprecher der Lebensversicherer Gerhard Rupprecht auf einer Tagung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gestern in München.

Dafür machte er die Empfehlungen von Verbraucherschützern mitverantwortlich. "Sie haben wiederholt davor gewarnt, private Verträge abzuschließen, bevor die ebenfalls geförderten betrieblichen Angebote vorliegen", erklärte Rupprecht. Vor dem Hintergrund des schleppenden Geschäfts befürchtet der Allianz-Manager ein Aufflammen der politischen Diskussion um eine Zwangsversicherung.

Die Lebensversicherer haben diese Riester-Problematik schon im vergangenen Jahr zu spüren bekommen, wie die heute veröffentlichten Branchenzahlen zeigen (siehe Tabelle). Die Versicherer haben ihre Wachstumsprognose von 3 % aus November 2001 deutlich verfehlt. Das schwache Wachstum von 1,9 % auf 62 Mrd. Euro Beitragseinnahmen erklärte Rupprecht damit, dass sich die Versicherungsvertreter auf das mit niedrigen Beiträgen verbundene Riester-Geschäft konzentriert hätten. So fließen den Unternehmen bei einer Riester-Police derzeit im Schnitt monatlich 16 Euro zu, normalerweise kassieren sie 108 Euro je Vertrag. Zudem würde sich das Gros der Abschlüsse erst 2002 bemerkbar machen.

Für dieses Jahr prognostiziert die Branche ein Wachstum von 5 %. Die Hälfte aller 32 Millionen Berechtigten werde im laufenden Jahr eine Riester-Rente haben und im Durchschnitt jeweils die Hälfte des förderfähigen Höchstbetrages einzahlen. Damit würden die Beitragseinnahmen um 3,2 Mrd. Euro wachsen.

Weniger optimistisch zeigt sich die Versicherungswirtschaft in anderen Bereichen. Die Schaden- und Unfallversicherer erwarten bis Ende des Jahres nur ein Wachstum wie im Vorjahr, trotz erheblicher Preissteigerungen in der sanierungsbedürftigen Industrieversicherung von im Schnitt 50 %. Zusätzlich trifft die Großkunden der Ausschluss des Terrorrisikos nach den Anschlägen vom 11. September in den USA. Seitdem wollen die Versicherer Terror nur separat über ein Gemeinschaftsunternehmen anbieten. Zudem müsse sich der Staat "zwingend" an der Haftung beteiligen, fordert erneut GDV-Präsident Bernd Michaels. Er zeigte sich zuversichtlich, dass es in Kürze zu einer Einigung mit der Bundesregierung kommen werde. Allerdings bietet die Branche nach wie vor nur 3 Mrd. Euro Deckung und fordert ab dieser Summe eine Staatshaftung.

Nach Berechungen des GDV würde der maximale Einzelschaden in Deutschland durch Terroranschläge eine Summe von 5 bis 6 Mrd. Euro erfordern. Dabei sieht das Bundeskriminalamt in Deutschland weniger die Gefahr eines Großschadens wie in New York, als eine Reihe aufeinander abgestimmter Terroranschläge. Weltweit werden die Versicherer für den Anschlag in den USA 52 Mrd. US-Dollar zahlen müssen, schätzt Allianz-Vorstand Walter Tesarczyk.

Erstmals räumten die Versicherer ein, dass die Terrorattacken sich auf Versicherungen von Privatleuten auswirken werden. Autofahrer müssten ab Sommer damit rechnen, keine unbegrenzten Kfz-Haftpflichtpolicen mehr kaufen zu können, kündigte GDV-Vorstand Bruno Gas an. Die Autoversicherer sind nur noch zu einer Deckung von 50 Mill. Euro für Sach- und Personenschäden bereit. Trotz Prämienerhöhungen haben die Autoversicherer 2001 Verluste in Höhe von 500 Mill. Euro gemacht.

Trotz der Terroranschläge und der fragilen Börsenlage haben die Versicherer bei ihrer Kapitalanlagestrategie Kurs gehalten. Die deutschen Versicherer setzen weiter auf Aktien. Derzeit würden einige Unternehmen das niedrige Kursniveau zu Zukäufen nutzen, sagte Michaels. Knapp jede dritte der in Deutschland gehandelten Aktien gehört einer Versicherung.

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