Assekuranzkonzerne benötigen dringend neues Eigenkapital – Massive Abschläge bei Aktienplatzierungen erwartet
Versicherer müssen Aktienmarkt anzapfen

Auf die Aktienmärkte rollt eine milliardenschwere Emissionswelle zu. Vor allem die Versicherer wollen den Investoren an den Geldbeutel, um ihren angegriffenen Kapitalstock wieder aufzufüllen. Angesichts der trüben Börsenstimmung müssen die Konzerne die Anleger mit kräftigen Preisnachlässen ködern.

fs/ef/mm/rl/rob FRANKFURT/M. Die Liste der Versicherer, die neue Aktien an die Börse bringen müssen wird immer länger. Nach Informationen des Handelsblatts plant neben bereits bekannten Kandidaten wie Zurich Financial Services (ZFS) auch die Schweizerische Rentenanstalt eine Platzierung. Der Konzern sei bereits dabei, Investmentbanken für eine Emission im Milliardenbereich auszuwählen, heißt es in Finankreisen. Die Rentenanstalt selbst will zu den Berichten keinen Kommentar abgeben. Bereits am kommenden Mittwoch wird das Unternehmen aber den Investoren neben seinen Halbjahresergebnissen auch eine neue Strategie präsentieren, dazu könnten neben einer Kapitalerhöhung umfangreiche Verkäufe von Konzernteilen gehören. Auch beim Versicherungsriesen Axa halten sich in Bankenkreisen hartnäckig Spekulationen, dass die Franzosen ihre Aktionäre zur Kasse bitten müssen. Der Versicherer weist solche Pläne allerdings weit von sich.

Doch auch ohne diese neuen Kandidaten rollt auf die Börsen in den nächsten Monaten eine enorme Emissionswelle zu. Analysten rechnen bis zum Jahresende mit Kapitalerhöhungen im Wert von weit über 5 Mrd. Euro aus dem Lager der Versicherer. Die Assekuranzbranche hat - nicht zuletzt durch die teuren Terrorschäden des 11. Septembers - einen enormen Bedarf an frischem Geld. Bei den meisten Gesellschaften sind die Sicherheitsmittel deutlich ausgedünnt.

"Betroffen sind vor allem Lebensversicherer und deren Muttergesellschaften", stellt Reiner Will fest, Geschäftsführer der Versicherungs-Ratingagentur Assekurata. Die Lebensversicherer kämpfen mit niedrigen Zinsen und schwachen Kapitalmärkten. Vor allem der Kurssturz an den Aktienbörsen zwang die Konzerne zu massiven Abschreibungen auf die Wertpapierbestände, die nicht nur die Konzernergebnisse massiv belasten. Viele Versicherer mussten bereits die Verzinsung der Kundenguthaben zusammenstreichen. Für 2003 stehen die nächsten Kürzungen an. Um ihren Verpflichtungen nachzukommen, greifen die Gesellschaften daher verstärkt auf Puffer zurück, die ansonsten als gesetzlich vorgeschriebene Sicherheitsmittel (Solvabilität) zur Verfügung stünden. Wenn diese Gelder fehlen, benötigen sie mehr Eigenmittel.

Die Folge: Immer mehr Versicherer sehen sich gezwungen, Verluste aus Investitionen am Kapitalmarkt und ihren schwindenden Börsenwert durch Kapitalerhöhungen auszugleichen. ZFS kündigte bereits eine Platzierung im Wert von 2,5 Mrd. Euro im Oktober an. Die britische Legal & General will ihr Kapital um mehr als 1,2 Mrd. Euro aufstocken. Royal & Sun will bis zum 7. November über eine Emission entscheiden. Die französische Scor möchte den Kauf von Teilen des Rückversicherungsgeschäfts der deutschen Gerling durch neue Aktien finanzieren. Aegon, der zweitgrößte niederländische Versicherer führt Gespräche mit seinem größten Investor, um "finanzielle Flexibilität" zu erhalten.

Eine lange Liste von Bewerbern um die Gunst der Aktionäre. Angesichts dieses Ansturms aus einer einzigen Branche und der nach wie vor miserablen Börsenlage, werden sich die Versicherungsaktien nur mit erheblichen Abschlägen platzieren lassen, vor allem über Bezugsrechtsemissionen. Diese in Deutschland über Jahre hinweg übliche Form der Aktienplatzierung war in den Boomjahren an der Börse außer Mode gekommen und erlebt jetzt eine Renaissance.

Dabei bietet das Unternehmen die neuen Aktien seinen Aktionären im Verhältnis zu ihrem bisherigen Anteil am Kapital an. Die Aktionäre können sich an der Kapitalerhöhung beteiligen, oder das Bezugsrecht für die neuen Papiere verkaufen. Üblicherweise werden die neuen Aktien den Investoren mit einem Abschlag auf den aktuellen Kurs angeboten, um eine möglichst hohe Beteiligung an der Kapitalerhöhung zu sichern. Historisch lagen diese Abschläge in der Regel zwischen 10 und 30 %.

Im Fall der Versicherer dürften die Investoren deutlich höhere Rabatte fordern. "Für viele Unternehmen ist eine Platzierung mit drastischen Abschlägen derzeit die einzige Platzierungsmethode, die noch Erfolg verspricht", schreibt UBS Warburg in einer Studie. "Es handelt sich hier um eine "äußerst teure Form der Kapitalbeschaffung", betont ein Investmentbanker. Im Fall von ZFS soll der Abschlag bei knapp 60 % auf den aktuellen Börsenkurs liegen. Trotzdem sind die Gefahren für die konsortialführenden Banken groß. Wenn Altaktionäre die Bezugsrechte nicht ausüben, müssen die Banken in die Bresche springen und die neuen Aktien aufnehmen. Angesichts der Risiken drängen sie auf eine große Führungsgruppe. Bei ZFS sind es beispielsweise mit Citigroup, CSFB, Goldman Sachs und UBS vier Banken.

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