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Assistent wird Nachfolger von Camacho in Madrid

Nach nur dreimonatiger Amtszeit hat Real Madrids Trainer José Antonio Camacho das Handtuch geworfen. Unter dem Eindruck der 0:3-Blamage des spanischen Rekordmeisters in der Champions League bei Bayer Leverkusen erklärte der 49-jährige Coach seinen Rücktritt.

dpa MADRID. Nach nur dreimonatiger Amtszeit hat Real Madrids Trainer José Antonio Camacho das Handtuch geworfen. Unter dem Eindruck der 0:3-Blamage des spanischen Rekordmeisters in der Champions League bei Bayer Leverkusen erklärte der 49-jährige Coach seinen Rücktritt.

Real-Präsident Florentino Pérez nahm das Rücktrittsgesuch an und gab die Verpflichtung des bisherigen Assistenten Mariano García Remón als Nachfolger bekannt. Der 53-jährige Remón hatte in den 70er Jahren bei Real im Tor gestanden. Vor acht Jahren war er für einen Monat als Übergangstrainer eingesprungen.

Die "Königlichen" hoffen darauf, dass er sich als ein ähnlicher Glücksgriff erweist wie Vicente del Bosque, der vor fünf Jahren ebenfalls als Notnagel verpflichtet worden war und dann mit Real sieben Titel holte. In der Presse waren als Kandidaten für die Camacho-Nachfolge unter anderem der englische Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson und Ex-Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld gehandelt worden.

Der für seine Temperamentsausbrüche bekannte Camacho ist der einzige Trainer, der in den letzten 25 Jahren seinen Posten bei Real freiwillig räumte - und dies bereits zum zweiten Mal. 1998 hatte er nach nur 21 Tagen seinen Rücktritt erklärt, weil er sich mit dem damaligen Vereinschef Lorenzo Sanz zerstritten hatte. Auch als spanischer Nationaltrainer räumte er nach der Weltmeisterschaft 2002 freiwillig sein Amt.

Sein jetziger Rücktritt bei den "Königlichen", für die er 16 Jahre lang als Verteidiger gespielt hatte, stieß in Spanien auf wenig Verständnis. "Der Trainer hätte wissen müssen, worauf er sich in Madrid einließ", hielt die Sportzeitung "As" Camacho vor. Das Konkurrenzblatt "Marca" ergänzte: "Der Trainer fügte dem Verein, den er über alles liebt, einen irreparablen Schaden zu."

Camacho selbst begründete seinen Rücktritt so: "Die Leistungen der Mannschaft waren nicht angemessen. Und mit mir war keine Besserung absehbar." Mit seiner hemdsärmligen Art war der Coach mit den Superstars nicht zurecht gekommen. Ronaldo und Luis Figo hatten sich in Leverkusen nach ihren Auswechslungen schmollend in den Mannschaftsbus zurückgezogen. Roberto Carlos übte öffentlich Kritik an den Methoden des Trainers.

Camacho hatte schon seit Wochen das Gefühl, dass ein Teil des Kaders gegen ihn war. "Präsi, meine Methoden ziehen hier nicht", klagte er dem Clubchef sein Leid. "Ich werde damit nicht fertig." Auf Stars wie Zinedine Zidane wirkte der Trainer wie ein "Kulturschock". "Die in die Jahre gekommenen Stars lieben ein langsames Spiel mit wenig Aufwand", schreibt "As". Camacho steht mit seiner rustikalen und kampfbetonten Art des Fußballs genau für das Gegenteil.

Auch dürfte es den millionenschweren Stars kaum gefallen haben, dass der Coach sie anbrüllte und zusammenstauchte. Schon bei der Verpflichtung Camachos hatte ein Witzbold in einer Radiosendung prophezeit: "Bei Real wird es zwischen dem Trainer und den Spielern mehr Reibungen geben als in einem Porno-Film."

Mit dem Rücktritt erhielt das glänzende Image des Clubchefs Pérez neue Kratzer. Der Real-Präsident hatte bereits zugeben müssen, dass er sich vor gut einem Jahr mit der Verpflichtung des Portugiesen Carlos Queiroz geirrt hatte. Und nun zeigte es sich, dass er auch mit Camacho aufs falsche Pferd gesetzt hatte.

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