Astra-Betreiber kommt in den USA voran – Vorstoß im Markt für Bezahlfernsehen
SES kommt mit Echostar ins Geschäft

Jahrelang vom Erfolg verwöhnt, hat der weltgrößte Satellitenkonzern SES Global keine leichten Wochen hinter sich. Insofern können die Luxemburger ihrer US-Tochter danken: Sie hat mit dem Bezahlsender Echostar einen Vertrag geschlossen, der mehrere Hundert Millionen Dollar wert sein dürfte.

cha DÜSSELDORF. Der weltgrößte Satellitenbetreiber, die Luxemburger SES Global, ist auf dem US-Markt einen großen Schritt vorangekommen. Am Donnerstag gab SES bekannt, dass ihre amerikanische Tochter Americom einen langjährigen Vertrag mit Echostar abgeschlossen hat. Das Unternehmen, zweitgrößter Anbieter von Satellitenfernsehen in den USA, mietet für bis zu 15 Jahre einen SES-Satelliten. Heute versorgt Echostars Dish-Network 8,18 Millionen US-Haushalte.

"Für uns ist das im US-Markt ein Durchbruch", sagte der Vorstandsvorsitzende der SES, Romain Bausch, dem Handelsblatt. Der Vertrag bedeute das bisher größte Geschäft, das die neue SES-Global in den USA habe abschließen können; es sei zudem ein wichtiger Schritt auf den amerikanischen Pay-TV-Markt. Branchenkreise gehen davon aus, dass der Vertrag mit Echostar mehrere Hundert Mill. $ wert ist. SES, Betreiber der europäischen Astra-Satellitenflotte, hatte die US-Tochter Americom vor anderthalb Jahren für 4,3 Mrd. $ übernommen und war damit Marktführer geworden. Auf dem Höhepunkt der Interneteuphorie vereinbart, stand das Geschäft jedoch auch wegen des Preises in der Kritik, die lange Jahre stabile SES-Aktie hat seither 60 Prozent an Wert verloren.

Überdies hat SES keine leichten Monate hinter sich. Auch die 15 Jahre von Erfolg verwöhnten Luxemburger bekommen die Folgen der schlechten Werbekonjunktur im Fernsehmarkt zu spüren, seit mehr als einem Jahr schrumpfen die Umsätze. So haben wichtige Kunden wie Premiere Verträge neu verhandelt. Überdies scheiterte im Dezember der Start des größten je gebauten privaten Satelliten Astra 1k.

Obwohl ihr mit dem TV-Anbieter Primestar ein wichtiger Kunde verloren ging, ist die US-Tochter SES Americom 2002 vergleichsweise glimpflich davon gekommen. Das lag vor allem daran, dass Americom stark in Datenübertragung und Internetdiensten engagiert ist, die als Wachstumssegmente der Satellitenbranche gelten. Echostar mietet jetzt die gesamten Fernseh- und Breitband-Kapazitäten eines neuen SESAmericom-Satelliten. Er heißt AMC 15, wird von Lockheed-Martin in Amerika gebaut und soll im Herbst kommenden Jahres auf einer Ariane-Rakete starten. Bis dahin bekommt Echostar Kapazität auf einem anderen Americom-Satelliten.

Echostar ist unter Gründer und CEO Charly Ergen zum zweitgrößten Sat-TV-Anbieter der USA gewachsen. Im vorigen Jahr scheiterte Ergen mit dem Versuch, den Marktführer Direc-TV zu übernehmen, an der US-Wettbewerbsbehörde FCC. Sat-TV gilt in den USA weiterhin als Wachstumsmarkt, Echostar stößt aber jetzt an Kapazitätsgrenzen.

Denn anders als in Europa ist Satelliten-TV in Amerika ein Geschäft komplett aus einer Hand. So betreibt Echostar eine Flotte von acht eigenen Satelliten, bietet fast 500 Programme und liefert auch die Empfangstechnik ins Haus - bis zur Fernbedienung. Zum weiteren Wachstum braucht Echostar neue Übertragungskapazität, darf aber keine weiteren Satelliten mehr im All stationieren. Darum kommt die SES ins Spiel, sie bietet eine eigene Position. Auf diese - 105 Grad West - werden die neuen Echostar-Kunden ihre Schüsseln dann ausrichten.

"Wir übertragen unser Prinzip Astra jetzt auf den US-Fernsehmarkt, sagte ein SES-Sprecher in Luxemburg. Denn in Europa hat die SES ihr Geschäft ausschließlich als Anbieter von Übertragungsleistung auf Astra gemacht. Sie schließt ihre Verträge mit den Programmanbietern, während die Kunden ihre Empfangsgeräte selbst frei auf dem Markt wählen können. Mit diesem Prinzip will SES jetzt auch in Amerika wachsen. Bei James Healey, Analyst von Dresdner Kleinwort Wasserstein, rennt SES offene Türen ein. "Es ist besser, mit einem etablierten Anbieter ins Geschäft zu gehen als mit einer neuen Plattform bei Null anzufangen."

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