Astrium zeigt sich nach Fehlstart kämpferisch
Mission impossible - der Flug ist gescheitert

Gespannte Erwartung, dann etwas Erleichterung, schließlich betretene Gesichter: Beim Bremer Raumfahrtunternehmen Astrium wollten knapp 200 Mitarbeiter in der Nacht zum Donnerstag eigentlich "ihre" Raketen-Oberstufe im All bewundern.

HB/dpa BREMEN. Die ersten Fernsehbilder vom französischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana sehen noch gut aus. In einem sprühenden Feuerwerk verschwindet die mächtige Ariane 5-Plus-Trägerrakete im tiefschwarzen Himmel über dem Äquator. Doch nur wenige Minuten kommt die Hiobsbotschaft: Mission impossible - der Flug ist gescheitert.

"Das kann doch nicht wahr sein", stöhnt ein Techniker. Zusammen mit 600 Bremer Kollegen entwickelte und baute er an der Oberstufe der Ariane 5-Plus, die eine Rekordlast von zehn Tonnen in den Orbit befördern sollte. Zwei Satelliten waren an Bord - zwei Totalverluste, von denen wohl nur einer versichert war.

Schon beim ersten Startversuch am 28. November waren die Bremer enttäuscht nach Hause gegangen: In letzter Sekunde gingen damals die Startlichter auf Rot, die Rakete blieb nach Ablauf des Countdowns auf dem Boden. Die Ursache kam schnell heraus: Ein Klebstoff auf einem Mikrochip hatte nicht richtig gehaftet. Durch den Fehlkontakt blieb eine wichtige Rückmeldung aus.

Wie schnell diesmal die Pannenursache ans Licht kommt, ist für Astrium-Vorstandsmitglied Josef Kind nicht abzusehen: "Die Trümmer liegen verteilt im Atlantik, da finden Sie nichts mehr." Kind hofft jetzt auf die Auswertung der Flugdaten, die bis zur Sprengung in rund 100 Kilometern jeden Steuerimpuls aufgezeichnet haben.

Astrium hatte große Hoffnungen auf einen Erfolg gesetzt: Der Start sollte neues Vertrauen der Kunden in die derzeit leistungsfähigste Trägerrakete wecken. "Auch die Wettbewerber erleiden Rückschläge", tröstet sich Kind ohne Schadenfreude über die amerikanische und russische Konkurrenz. Wenn auch die Ursache des Fehlstarts nicht bei der in Bremen produzierten Oberstufe zu suchen ist, bleibt es doch beim Schaden für das gesamte europäische Weltraumunternehmen mit deutscher, französischer und britischer Beteiligung.

"Da kommt man ins Grübeln", bemerkt Kind vor dem Abflug zur Krisensitzung in Paris und zeigt schon wieder Kampfeslust: "Wir werden eine Lösung finden und wieder antreten - den Kopf oben, wie beim Schwimmen."

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