Athen sucht Käufer für angeschlagene Fluggesellschaft
Investoren zeigen Interesse an Olympic Airways

Auf potenzielle Investoren kommen erhebliche Risiken zu: Der Staat will keine harte Sanierung, die EU fordert Subventionen zurück.

ghö ATHEN. Die griechische Regierung nimmt einen neuen Anlauf zur Privatisierung der chronisch defizitären staatlichen Fluggesellschaft Olympic Airways (OA). Mindestens 51 % der Olympic-Anteile sind zur Übernahme ausgeschrieben. Bei Ablauf der Angebotsfrist am vergangenen Freitag hatten sechs Investorengruppen Interesse angemeldet, unter ihnen die mit dem Staatscarrier konkurrierende private griechische Fluggesellschaft Aegean Airlines. Weitere Angebote kamen nach Informationen aus Athener Regierungskreisen von dem US-Lufttaxi-Unternehmen Chrysler Aviation des griechischstämmigen Stelios Raptis, dem Konsortium New Wings unter Führung des griechischen Unternehmers Pavlos Vardinojannis, dem Reeder Stylianos Restis, die von US-Geschäftsleuten griechischer Abstammung getragene Gruppe Olympic Investors und die US-Gruppe Wexford. Über die Höhe der Angebote, mit deren Prüfung diese Woche begonnen wird, gab es zunächst keine zuverlässigen Informationen. Nach Angaben des griechischen Verkehrsministers Christos Verelis benötigt die schwer angeschlagene Fluggesellschaft eine Kapitalspritze von "mehr als 150 Mill. $", wenn sie eine Überlebenschance haben soll.

Interesse an einer Beteiligung bei Olympic in einer Größenordnung von 5 bis 7 % der Anteile hat auch die Athener Flughafengesellschaft AIA geäußert, deren größter Kunde Olympic ist. Die AIA gehört zu 65 % dem griechischen Staat, 45 % werden von einem Konsortium unter Führung der Essener Hochtief AG gehalten.

Die Mitte der 50er Jahre vom legendären "Tankerkönig" Aristoteles Onassis gegründete Olympic hat seit ihrer Verstaatlichung 1975 im operativen Geschäft nur Verluste eingeflogen. 1999 standen 76 Mill. Euro Miese in der Bilanz, in 2000 waren es 93 Mill. Für das vergangene Jahr hat das Unternehmen noch keinen Abschluss vorgelegt. In den zurückliegenden zehn Jahren verschlang Olympic staatliche Subventionen in Höhe von rund 3 Mrd. Euro. Trotz Abschreibung aller Altschulden im Jahr 1994 steht die Gesellschaft nach Schätzung von Branchenkennern bereits wieder mit rund 350 Mill. Euro in der Kreide, die Verluste aus den Geschäftsjahren 2001 und 2002 noch gar nicht mitgerechnet.

Zwei Anläufe, die Fluggesellschaft zu privatisieren, sind bereits gescheitert. Ein Sanierungskonzept, das von drei griechischen Banken ausgearbeitet wurde, die als Privatisierungsberater fungieren, sieht die Einstellung nicht rentabler Langstrecken, eine drastische Verkleinerung der Flotte und die Halbierung des Personalbestandes vor. Verkehrsminister Verelis beteuert allerdings bisher öffentlich, es werde keine Entlassungen geben.

In dieser Woche will die Regierung Verhandlungen mit den Kaufinteressenten aufnehmen. Aber ob die Fluggesellschaft noch vor dem Bankrott zu retten ist, wird immer fraglicher. EU-Kommissarin Loyola de Palacio beanstandet, dass Olympic die Vorgaben eines 1998 mit Brüssel abgestimmten Sanierungskonzeptes nicht eingehalten hat. Voraussichtlich Mitte Dezember will die EU-Kommission entscheiden, ob die Fluggesellschaft deshalb 117 Mill. Euro staatlicher Hilfen, die ihr damals mit Billigung der Kommission zuflossen, zurückzahlen muss. Das könnte das Ende der Airline bedeuten. Athens Verkehrsminister Verelis kündigte allerdings bereits an, er werde sich gegen einen Zahlungsbescheid aus Brüssel vor dem Europäischen Gerichtshof wehren.

Quelle: Handelsblatt

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