Athens Olympia-Planer sind knapp bei Kasse
Die schlaflosen Nächte der Organisations-Chefin

Die Organisatoren der Olympischen Sommerspiele 2004 in Athen geraten offenbar immer mehr in Geldnot. Weil viele Bauvorhaben erheblich teurer werden als geplant, musste die griechische Regierung jetzt einen Kredit von 1,5 Milliarden Euro bei der Europäischen Investitionsbank aufnehmen.

ghö ATHEN. Als Athen 1997 den Zuschlag für die Spiele bekam, setzte die Regierung für die Infrastrukturprojekte 2,5 Mrd. Euro an. Daraus sind nun 4,4 Milliarden geworden. Hinzu kommt der Etat des Organisationskomitees (Athoc). Daraus ergeben sich Gesamtkosten von knapp 6,4 Mrd. Euro. Doch diese Zahl muss wohl erneut korrigiert werden. "Vorsichtige Schätzungen gehen in eine Größenordnung von 7,3 Milliarden", sagt der konservative Oppositionspolitiker Manolis Kefalojannis.

Dabei werden viele Projekte, die in der Athener Bewerbung noch groß herausgestellt wurden, gar nicht verwirklicht. Eine U-Bahn-Verbindung zum Olympiastadion wird es nicht geben, mehrere kreuzungsfreie Verkehrsknoten wurden gestrichen. Mehrere Sportplätze werden doch nicht gebaut, Hallen verkleinert, auch bei den Grünanlagen und den öffentlichen Toiletten Abstriche gemacht. Dies soll 300 Mill. Euro sparen.

Viel zu wenig. Denn eine Reihe von Bauvorhaben verschlingt viel mehr Geld als veranschlagt. So sollte das im Bau befindliche Rundfunk- und Fernsehzentrum 29 Mill. Euro kosten. Tatsächlich werden es mindestens 182 Millionen sein, rechnet die Oppositionspolitikerin Fani Palli-Petralia vor. Die Renovierung und Überdachung des 20 Jahre alten Olympiastadions wird 120 Mill. Euro teurer als vorgesehen. Einziger Trost: Auf Grund der knappen Zeit wird man eventuell auf die kühne Dachkonstruktion des spanischen Star-Architekten Santiago Calatrava verzichten. Die Zuschauer wären schutzlos der Sonne ausgesetzt.

Auch die Kosten für die Sicherheit laufen den Athenern davon. Statt 212 Millionen wird nun das Doppelte angesetzt. "Ich wundere mich selbst über diese Kostensteigerung", staunt Gianna Angelopoulos-Daskalaki, die Präsidentin des Athener Organisationskomitees. Dessen Budget wurde in einem Nachtragshaushalt bereits um 120 Mill. Euro aufgestockt. Gerüchte, dass sich bereits wieder eine Deckungslücke von fast 600 Millionen aufgetan hat, dementiert die Athoc-Chefin: "Ich kann versichern, dass wird im Rahmen unseres Budgets bleiben."

Dass alle Sportstätten rechtzeitig für die ab Sommer geplanten Test-Events fertig werden, kann sie aber nicht garantieren. Mehrere Veranstaltungen müssen verschoben oder abgesagt werden, weil Bauvorhaben im Verzug sind. So entzog der Weltringer-Verband jetzt den Griechen die für Juli angesetzte Junioren-WM.

Die Verzögerungen machen auch Angelopoulos-Daskalaki Sorgen: "Ich gebe zu, dass ich nicht ruhig schlafe".

Quelle: Handelsblatt

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