Athlethen schwärmen von "Gänsehaut-Atmosphäre"
Goldmedaille für das Publikum

Die Zuschauer bei der Leichtathletik- Europameisterschaft haben sich bereits vor dem Abschlusswochenende Gold verdient. "Diese Stimmung bereitet einem Gänsehaut, wenn man nur dran denkt", lobte die 400-m-Zweite Grit Breuer das Publikum.

HB/dpa MÜNCHEN. Erstmals blieben am Donnerstagabend die 48 500 in der ausverkauften Arena trocken - und sorgten mit der Anfeuerung aller Athleten für eine tolle Stimmung. München versprühte olympischen Geist, der auch den fünf deutschen Bewerberstädten für 2012 - Düsseldorf, Frankfurt/Main, Hamburg, Leipzig und Stuttgart - Auftrieb verleihen wird.

Was die Olympia-Macher freute, rührte die Sportler. "Als ich in die Arena kam, hatte ich fast Tränen in den Augen", sagte der Dreisprung-Zweite Charles Friedek. Ähnliches fühlte Steffi Nerius, die Silber im Speerwurf gewann: "Die Atmosphäre war gigantisch, da habe ich weiche Knie bekommen. Ich musste erstmal wieder Pepp in die Beine kriegen." Beeindruckt war auch Rüdiger Nickel, Vize-Präsident Leistungssport im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV). "Ich habe nicht geglaubt, dass die Zuschauer so viel ausmachen können. Jetzt bin ich überzeugt, dass sie den letzten Kick geben können."

Kampf mit den Regenschirmen

Die Fans hatten es wirklich nicht leicht: Immer wieder wurden sie in den ersten EM-Tagen von wolkenbruchartigen Regengüssen überschüttet. Der Applaus wurde nicht selten im Ansatz erstickt, weil die Besucher ihre Regenschirme festhalten mussten. Wenigstens haben die Organisatoren inzwischen die Akustikprobleme behoben. Bei der Eröffnungsfeier waren die Reden kaum zu verstehen. Inzwischen sind auch die Innenrauminterviews mit den deutschen Stars für alle zu hören.

"Die Stimmung ist sogar aus dem Stadion auf die Strecke geschwappt", staunte Geher Andre Höhne, der wegen der Regenfluten auf Anfeuerungen auf dem Zwei-Kilometer-Rundkurs verzichten musste. Die Weitsprung-Achte Sofia Schulte und 400-m-Shooting-Star Ingo Schultz schwärmten wie Breuer von der "Gänsehaut-Atmosphäre". Grit Breuer wollte gar ein Stück von ihrer Silbermedaille an die Zuschauer abgeben.

"Symbiose mit dem Publikum"

Jeder deutsche Teilnehmer wird mit einem lauten Aufschrei begrüßt. Selbst Altmeister Dieter Baumann, der normalerweise in einem "Tunnel" läuft, spürte "eine Symbiose" mit dem Publikum. "500 m vor Schluss meines Rennens war so ein Donnergrollen in meinen Ohren", sagte der Vize-Europameister über 10 000 m.

Immer wieder rollt "La Ola" durch die bei der EM 48 500 Personen fassende Arena. Viele Experten sind sich einig: Das Publikum kann es durchaus mit den Fans bei der Weltmeisterschaft 1993 in Stuttgart aufnehmen, die in der Szene als Maßstab gelten und später dafür von der UNESCO einen Fairnesspreis bekamen.

Zum Wochenende rechnet das Münchner Organisationskomitee um den Vorsitzenden Helmut Digel wieder mit einem ausverkauften Haus. Bis zum Donnerstagabend waren nach offiziellen Angaben schon über 154 000 Besucher gekommen. "Insgesamt habe ich auf 200 000 Besucher gehofft", erklärte Wilfrid Spronk, Chef der Olympiapark München GmbH, "wenn wir ehrlich sind, hat niemand mit einem derartigen Erfolg gerechnet."

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