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Atlético-Chef Gil y Gil tot

Madrid (dpa) - Er wechselte die Trainer beinahe wie seine Hemden, er hielt die Gerichte in Atem, aber er rieb sich auch selbst auf. Jesús Gil y Gil, Ex-Präsident des Traditionsclubs Atlético Madrid, ist im Alter von 71 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben.

Mehr als 15 000 Menschen erwiesen ihm am Wochenende im Vicente-Calderón-Stadion die letzte Ehre. Im Nobelbadeort Marbella, dessen Bürgermeister Gil elf Jahre lang war, wurde eine offizielle Trauer von drei Tagen angeordnet.

16 Jahre lang hatte der schwergewichtige Bauunternehmer an der Spitze des drittgrößten Vereins in Spanien gestanden und sich in dieser Zeit den Ruf des «schrägsten Clubchefs des Weltfußballs» erworben. Bei seinem Rücktritt vor einem Jahr sagte er verbittert: «Ich habe für diesem Verein alles geopfert, mein Vermögen, meine Gesundheit und meine Freiheit. Aber als Lohn habe ich nichts als Beschimpfungen und Kritik geerntet.»

Gil selbst war allerdings im Umgang mit anderen auch nicht zimperlich. Er zerschliss in seiner Amtszeit 40 Trainer. Den Manager eines gegnerischen Clubs streckte er mit einem Faustschlag nieder. Seine Spieler beschimpfte er nach Niederlagen zuweilen als «Hurensöhne» und Staatsanwälte, die gegen ihn ermittelten, als «schwule Böcke». Der größte sportliche Erfolg seiner Amtszeit war 1996 der Gewinn des Doubles von Meisterschaft und Pokal.

Als Gil 1987 bei «Atleti» die Führung übernahm, stand der Club am Rand der Pleite. Vom Fußball verstand der neue Vereinsboss damals wenig, aber er versprach sich von dem Posten soziale Anerkennung. Anfang der 70er Jahre hatte er im Gefängnis gesessen, weil ein von ihm errichtetes Gebäude wegen Pfuscherei eingestürzt war und 58 Menschen in den Tod gerissen hatte. Nach 18 Monaten wurde Gil vom Diktator Francisco Franco begnadigt.

Aber auch später kam der hemdsärmlige Selfmademan mit dem Gesetz immer wieder in Konflikt, denn er verstrickte sich in ein dunkles Gestrüpp zweifelhafter Geschäfte. Zeitweilig waren gegen ihn bei den Gerichten über 80 Verfahren anhängig. Der Vereinschef, eine «Mischung von Caligula und Sancho Pansa», herrschte teils im Stile eines Diktators und teils mit schelmischer Naivität über drei «Reiche» zugleich: Er war der Chef des neunmaligen spanischen Meisters, er regierte als Bürgermeister über den mondänen Badeort Marbella, und er führte ein Imperium von Bau- und Immobilienfirmen.

In den 90er Jahren sorgte Gil auch in der Politik für Furore. Er gründete eine Partei, die so wie er selbst GIL hieß. Das stand für Unabgängige Liberale Gruppe. Damit eroberte er immer mehr Rathäuser an der Costa del Sol. Sein Erfolgsrezept bestand darin, dass er Kleinkriminelle mit rüden Methoden vertrieb und Bauherren anlockte. Da Gil es mit Bebauungsplänen nicht immer genau nahm, musste er schließlich sein Amt als Bürgermeister abtreten. Damit zerfiel auch seine Partei. Vor einem Jahr trat er obendrein als Atlético-Präsident zurück, blieb aber Mehrheitsaktionär des Vereins.

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