Atléticos Aufstieg perfekt
Europas verrücktester Club erstklassig

Zwei Jahre lang musste Spaniens drittgrößter Fußballclub Atlético Madrid in der Hölle der Zweitklassigkeit schmoren. Nach 721 Tagen hat für die Fans die Zeit der Leiden ein Ende.

dpa MADRID. Vier Spieltage vor Saisonschluss steht der neunmalige spanische Meister als Aufsteiger in die Primera División fest. 20 000 Anhänger strömten in der Nacht zum Montag am Madrider Neptun-Brunnen zusammen und ließen die Rotweißen hochleben.

"Atleti" bildet in Spaniens Hauptstadt den Gegenpol zum Nobelclub Real. Die "Königlichen" haben ihre Heimstätte im reichen Norden und stehen für Seriosität und Erhabenheit. Atlético dagegen hat seine Anhänger vor allem in den Arbeitervorstädten Madrids. Aber auch Schauspieler, Künstler oder Rockmusiker schwärmen für die Rotweißen. Kein anderer Club in Spanien hat so treue und so leidenschaftliche Fans. "Man kann seinen Ehepartner, die politische Partei oder sogar die Staatsangehörigkeit wechseln, aber niemals die Sympathien für einen Fußballclub", umschreibt das Sportblatt "As" das Credo der Atlético-Anhänger.

Mit neun Meistertiteln, neun Pokalsiegen, einem Europacupgewinn und 42 000 Mitgliedern steht der Club in der Bedeutung gleich hinter den beiden "Großen" Real und dem FC Barcelona. Als Atlético vor zwei Jahren abstieg, gab Clubchef Jesus Gil y Gil die Devise aus: "Jetzt gehen wir gemeinsam durch die Hölle und steigen sofort wieder auf." Die Zahl der verkauften Dauerkarten stieg von 27 000 auf fast 40 000, aber die "Hölle" erwies sich als heißer als erwartet. Der Wiederaufstieg gelang erst im zweiten Anlauf.

Auch jetzt geriet er zum Kuriosum. Schon am Samstag war im Calderón-Stadion alles für die große Feier vorbereitet. Niemand zweifelte am nötigen Heimsieg des Spitzenreiters über Tarragona. Aber dann gelang dem Tabellenletzten kurz vor dem Abpfiff das 3:3. Keine 24 Stunden später durfte aber doch gejubelt werden. Aufstiegs-Rivale Recreativo Huelva verlor am Sonntag sein Spiel gegen CD Leganés 1:2. "Willkommen im Himmel!", titelte Madrids Sportpresse am Montag. Für die nächste Saison schmiedet Atlético hochtrabende Pläne. Das Ziel ist nicht der Klassenverbleib, sondern die Qualifikation für die Champions League. Als mögliche Neuverpflichtungen sind Stars wie Juan Román Riquelme (Boca Juniors), Javi Moreno (AC Mailand), Claudio López oder Gaizka Mendieta (beide Lazio Rom) im Gespräch.

Mit Atlético kehrt ein Club auf die große Fußball-Bühne zurück, der als der "verrückteste" in Europa gilt. Kein anderer Fußballverein verfügt über ein Stadion, unter dessen Haupttribüne eine Stadt- Autobahn verläuft. Präsident Gil, der den Club Ende der 80er Jahre vor der Pleite bewahrte, wechselte die Trainer zeitweise wie seine Hemden. Einige Spiele konnte der eigenwillige Bauunternehmer wegen krummer Geschäfte nur in der Haftzelle am Fernseher verfolgen. Und monatelang wurde der Club von einem - per Gerichtsbeschluss eingesetzten - Verwalter geführt.

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