Atmosphäre auf Demokraten-Parteitag frostig
Clinton gegen Obama: Gezerre hinter den Kulissen

Während des langen und harten Vorwahlkampfes hatten viele Beobachter bereits davor gewarnt, dass die Gräben zwischen den Lagern von Barack Obama und Hillary Clinton nicht so leicht zu überbrücken sein würden. Und schon zu Beginn des Parteitages der Demokraten in Denver zeigt sich, dass diese mit ihren Warnungen Recht behalten sollten. Hinter den Kulissen knirscht es mächtig – auch wenn nach außen hin Einigkeit demonstriert wird.

DENVER. Das Potenzial an Enttäuschungen, an Empfindlichkeiten und an noch lange nicht vernarbten Verletzungen ist groß und zeigt sich oft an Kleinigkeiten. So berichtet die Zeitung und Internetplattform Politico von frischem Ärger im Clinton-Lager, weil dem Ex-Präsidenten Bill Clinton direkte Vorgaben gemacht wurden, worüber dieser bei seiner Rede am Mittwoch sprechen soll. Statt über die Pläne zur Reform der Wirtschaft zu reden, will die vom Obama-Lager gesteuerte Parteitagsregie, dass Clinton Obamas Eignung als neuen amerikanischen Oberkommandieren preist. „Amerikas Zukunft sichern“ lautet Clintons Thema – sehr zum Verdruss des Ex-Präsidenten.

Im Clinton-Lager reißt dies nur wieder alte Wunden auf. Denn dort ist man schon lange enttäuscht über die Tatsache, dass Obama die Leistungen der Clinton-Präsidentschaft bislang kaum gewürdigt hat. Mehr noch glaubt man bei den Clintons, dass Obama das in den 90er Jahren Erreichte sogar schlecht redet. Immer wieder gehen dabei unschöne Worte hin und her. Aus der Obama-Ecke wird beklagt, dass die Anhänger von Hillary auch bald zwei Monate nach ihrer Niederlage diese einfach nicht akzeptieren wollten. „Die benehmen sich wie japanische Soldaten im Südpazifik, die den Krieg weiterführen obwohl er schon längst vorbei ist“, zitiert Politico einen Obama-Funktionär.

Umgekehrt wuchs im Clinton-Camp offenbar die Frustration noch einmal durch die Tatsache, dass Obama Hillary angeblich nie ernsthaft als Kandidatin für das Amt des Vizepräsidenten in Betracht gezogen hat. Als die Wahl von Joe Biden am Samstag öffentlich wurde, reagierte Hillary lediglich mit einer dürren schriftlichen Stellungnahme, die aus zwei Sätzen bestand. Wer wollte, konnte in diese paar Worte viel hineininterpretieren.

Die Clinton-Gefolgschaft beschwert sich schon lange darüber, dass Obama nicht genügend auf sie zugehe. Ihm seien die Anliegen der Frauen nicht wichtig, heißt es dort. Er wolle die Wahlen so weit wie möglich ohne die Unterstützung der Clinton-Demokraten gewinnen – um später ohne Verpflichtungen regieren zu können. Allerdings stellt sich immer mehr die Frage, ob er ohne diese wichtige Gruppe überhaupt ins Weiße Haus einziehen kann. Nach einer jüngsten Umfrage des Wall Street Journals und NBC gaben nur 52 Prozent der Hillary-Wähler an, am 4. November für Barack Obama stimmen zu wollen. Eine Umfrage der „Washington Post“ etwa um die gleiche Zeit im August kam allerdings mit 70 Prozent zu einem höheren Ergebnis. In jedem Fall jedoch zeigen die Resultate, dass Obama die Stimmen der Clinton-Gefolgschaft alles andere als sicher hat.

Um zu siegen muss Obama allerdings auch einige der sogenannten „Swingstates“ holen, die von knappen Mehrheiten regiert werden. Einer davon ist Virginia, das 13 Delegierte zu jenem Wahlmännergremium beisteuert, das schließlich den Präsidenten kürt. In Virginia hat Obama zuletzt immer wieder Wahlkampfreden gehalten. Und für einige Zeit hat er auch überlegt, gemeinsam mit dem dortigen Gouverneur Tim Kaine in den Wahlkampf zu ziehen. Virginia hat seit 1964 stets republikanisch gewählt. Dies soll sich 2008 erstmals wieder ändern.

Für den heutigen Dienstag hat zudem der frühere Gouverneur von Virginia, Mark Warner, die prominente Rolle des „Keynote-Speakers“. Nur vier Jahre zuvor war es Obama selbst, der durch seine Rede an gleicher Stelle im Parteitagsprogramm erstmals nationale Aufmerksamkeit auf sich zog. Der Auftritt Warners wird deshalb mit ganz besonders viel Interesse verfolgt werden. Warner, der mit Investments in der Mobiltelefonbranche ein Vermögen verdient hat, galt schon seit längerem als aufsteigender Stern. Doch überraschend hatte er 2006 seine Ambitionen, selbst in das Rennen um die Präsidentschaft einzusteigen, nach kurzem wieder aufgegeben. Nun will er Senator von Virginia werden.

Allerdings: Überstrahlt werden dürfte Warner heute von Hillary Clinton. Die Rede der Senatorin aus New York zu den tausenden Delegierten im Pepsi-Center in Denver wird hinterher auf jede Nuance, jeden Zungenschlag untersucht werden. Für die Formulierung der wichtigen Ansprache hat Hillary noch einmal ihre besten Redenschreiber aus dem Vorwahlkampf reaktiviert. Es wird damit gerechnet, dass sie an ihre Erfolge im Wahlkampf erinnert – um dann aber ihre Unterstützung hinter Obama zu werfen. Doch wie sie das tut bleibt die spannende Frage.

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