Atomkraftgegner blockieren die Gleise
Proteste begleiten Atommülltransport nach Frankreich

Begleitet von Protesten sind in der Nacht zum Mittwoch zwei Transporte mit radioaktivem Atommüll aus den norddeutschen Atomkraftwerken Stade und Brunsbüttel zur Wiederaufarbeitung nach La Hague in Frankreich gerollt.

Reuters BREMEN. Bei Bremen wurde der Zug mit den Atommüllbehältern nach Angaben des Bundesgrenzschutzes am frühen Morgen von 30 Atomkraftgegnern für rund 20 Minuten gestoppt. Die Demonstranten hätten sich auf die Gleise gesetzt, seien dann aber von der Polizei vorübergehend in Gewahrsam genommen worden, sagte ein Sprecher des Grenzschutzes in Hamburg. Danach sei der Transport ohne weitere Zwischenfälle durch Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen nach Rheinland-Pfalz weiter gefahren. Am Abend sollte er bei Wörth die französische Grenze passieren.

In der Nacht hatten Mitglieder der Umweltschutzorganisation Greenpeace die Abfahrt des Transports in Brunsbüttel über eine Stunde lang verzögert. Dort musste die Polizei zunächst mehrere Demonstranten von den Gleisen tragen, bevor der Zug losfahren konnte. Zwei Atomkraftgegner hatten sich zudem mit einem Transparent mit der Aufschrift "Bitte jetzt keine Atomtransporte durch das Land schicken" an einer Rohrleitungsbrücke über den Gleisen angeseilt. In Brunsbüttel seien insgesamt 13 Demonstranten von der Polizei vorübergehend festgesetzt worden, sagte der Sprecher des Bundesgrenzschutzes.

Am frühen Morgen trafen die Züge aus Stade und Brunsbüttel im Güterbahnhof Maschen südlich von Hamburg ein, wo sie zur Weiterfahrt ins französische La Hague zusammengekoppelt wurden. Im weiteren Streckenverlauf versuchten einzelne Atomkraftgegner bei Buchholz mit Sitzblockaden, den Transport aufzuhalten. Die Polizei räumte die Gleise. Auch Hubschrauber und Polizeihunde waren im Einsatz.

Bei Neuwied blockierten in den Mittagsstunden nach Angaben der Polizei acht Atomkraftgegner für eine Viertelstunde die Bahngleise. Sie wurden in Gewahrsam genommen. Kurz darauf wurden in Koblenz zwei Castoren aus dem Kraftwerk Mülheim-Kärlich an den Zug gehängt, der sich dann Richtung Wörth in Bewegung setzte.

"Doppelt wahnsinnig"

Umweltschützer hatten Protestaktionen entlang der gesamten Strecke angekündigt. Gerade in der momentan sehr angespannten Sicherheitssituation sei es doppelt wahnsinnig, Atommüll auf die Schienen zu bringen, hatte ein Greenpeace-Sprecher gesagt. Aus Sorge vor Anschlägen nach den US-Angriffen auf Ziele in Afghanistan hat die Polizei bundesweit ihre Kontrollen und den Schutz öffentlicher Gebäude und ausländischer Einrichtungen verstärkt.

Die Atommülltransporte zur Wiederaufarbeitung ins Ausland waren im April nach dreijähriger Unterbrechung wieder aufgenommen worden. Voraussetzung dafür war der Atomkonsens zwischen Bundesregierung und Stromwirtschaft über den Ausstieg aus der Atomkraft. Darin ist die Aufarbeitung abgebrannter Atombrennstäbe im Ausland bis zum Jahr 2005 erlaubt. Im Gegenzug nimmt Deutschland den Restmüll aus der Wiederaufarbeitung ins Zwischenlager im niedersächsischen Gorleben zurück.

Ein Transport von sechs Castor-Behältern mit Rückständen aus der Wiederaufarbeitung in der Anlage in La Hague ist in der zweiten Novemberwoche vorgesehen. Das niedersächsische Innenministerium erwartet für den Transport ähnlichen Widerstand wie im März, als erstmals nach längerer Unterbrechung wieder Atommüll nach Gorleben gebracht wurde. Damals hatten sich mehr als 10 000 Menschen an Protestaktionen beteiligt. Bundesweit waren 29 000 Polizisten mehrere Tage entlang der Strecke im Einsatz, um den Atommülltransport quer durch die Bundesrepublik zu schützen.

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