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Atommülltransport erreicht Kohlekraftwerk Walheim

Erstmals seit Mai 1998 ist am Dienstagmorgen wieder ein Zug mit atomaren Abfällen aus Deutschland zur Wiederaufarbeitungsanlage ins britische Sellafield gestartet. Gegen den geplanten Transport demonstrierten am Morgen rund hundert Atomkraftgegner.

dpa NECKARWESTHEIM. Begleitet von einem massiven Polizeiaufgebot hat der Atommülltransport aus Neckarwestheim am Dienstagmorgen sein erstes Etappenziel auf dem Weg in die britische Wiederaufbereitungsanlage Sellafield problemlos erreicht. Die Lastwagen mit den drei Behältern vom Typ Excellox 6 kamen am Morgen nur leicht verzögert und nach 45 minütiger Fahrt am Kohlekraftwerk im fünf Kilometer entfernten Walheim an. Dort soll der Transport nach Angaben von Polizei und Bundesgrenzschutz voraussichtlich am Mittwochnachmittag auf Eisenbahnwaggons in Richtung Sellafield fortgesetzt werden.

Atomkraftgegner hatten zunächst im Morgengrauen die Straße vor dem Gemeinschaftskernkraftwerk Neckarwestheim (GKN) blockiert. Rund 60 Demonstranten wurden in Polizeigewahrsam genommen. Sie leisteten nur geringen Widerstand. Ihnen droht nun eine so genannte Wegtragegebühr, die Baden-Württemberg als bisher einziges Bundesland eingeführt hat.

Atomgegener mit Blockaden zufrieden

Eine Sprecherin des "Aktionsbündnis Castor-Widerstand Neckarwestheim" sagte, man sei mit dem Verlauf der Proteste «sehr zufrieden". Es sei trotz eines massiven Polizeiaufgebots gelungen, die Straße vor dem GKN zu blockieren. Ein Polizeisprecher erklärte, der Transport des Atommülls sei in "Rekordzeit" abgeschlossen worden. Beobachter schätzen die Anzahl der eingesetzten Beamten auf mehr als 2000.

Die Behälter mit insgesamt 21 verbrauchten Brennelementen aus Neckarwestheim sind der erste Transport von Atommüll aus Deutschland nach Sellafield seit 1998. Der Transport wurde durchgesetzt, obwohl das baden-württembergische Atomkraftwerk vor zwei Wochen erstmals eine atomrechtliche Genehmigung für ein internes Zwischenlager erhalten hatte.

Atomtransport noch bis 2005 möglich

Laut dem Atomkonsens zwischen rot-grüner Bundesregierung und Energiewirtschaft sind die meist vertraglich geregelte Transporte in ausländische Wiederaufbereitungsanlagen allerdings noch fünf Jahre lang möglich. "Wir können noch bis 2005 Transporte machen und tun das auch", sage ein Sprecher des GKN.

Nach Abschluss der strahlentechnischen Untersuchungen sollen die Behälter von Walheim nach Wörth (Rheinland-Pfalz) nahe der französischen Grenze transportiert werden. Dort werden sie an einen Zug mit zwei Atommüllbehältern aus dem hessischen Atomkraftwerk Biblis angekoppelt.

Ende März war es beim ersten "Castor"-Transport seit vier Jahren aus dem französischen La Hague in das niedersächsische Zwischenlager Gorleben zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Atomkraftgegnern gekommen. Beim umgekehrten Transport aus den Kernkraftwerken Philippsburg (Baden-Württemberg), Grafenrheinfeld (Bayern) und Biblis nach La Hague vor zwei Wochen waren die Proteste weit schwächer ausgefallen.

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