Atomstreit zwischen USA und Iran
Teheran will sich gegen Angriffe verteidigen

Iran ist nach den Worten von Außenamtssprecher Hamid-Resa Assefi bereit, sich gegen einen möglichen Angriff zu verteidigen. Assefi reagierte damit auf Äußerungen von US-Staatssekretär John Bolton, der am Wochenende in einem BBC-Interview militärische Schritte als "eine Option" im Umgang mit dem umstrittenen iranischen Atomprogramm bezeichnet hatte.

HB/dpa TEHERAN/PARIS. "Iran ist bereit, sich gegen einen möglichen militärischen Angriff zu verteidigen", sagte Assefi weiter. Die "Drohungen" aus Washington seien "abenteuerlich" und diplomatisch "unannehmbar" und entstammten der amerikanischen "Feindseligkeit" gegenüber Iran. Washington solle erst einmal seine Vorwürfe gegen den Irak beweisen.

Die Regierung in Teheran ist wegen des Atomprogramms zunehmend in die internationale Kritik geraten. US-Präsident George W. Bush hatte in der vergangenen Woche die iranische Regierung erstmals mit scharfen Worten vor der Entwicklung von Atomwaffen gewarnt. Die Weltgemeinschaft müsse es gegenüber Teheran ganz klar machen, dass "wir den Bau einer Atomwaffe in Iran nicht tolerieren". Teheran hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen und wiederholt die friedliche Ausrichtung seines Atomprogramms betont.

Vor dem Hintergrund des Streits hatte die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) Teheran vor kurzem zur "lückenlosen Zusammenarbeit mit der Atombehörde" aufgefordert. Die IAEO forderte Iran gleichzeitig zur Unterzeichnung eines Zusatzprotokolls zum Atomwaffensperrvertrag auf, das umfassende und unangemeldete Kontrollen der iranischen Atomanlagen erlauben würde.

Die iranische Regierung verhandelt nach Assefis Angaben mit Frankreich über die Auslieferung der dort verhafteten Mitglieder der Volksmudschahedin, was allerdings von der französischen Regierung entschieden dementiert wurde. Assefi bestritt am Montag zugleich, dass es geheime Absprachen mit Paris vor der Razzia gegen die iranische Oppositionsgruppe in der vergangenen Woche gegeben habe. Frankreich habe in dieser Sache völlig unabhängig gehandelt. Der Außenamtssprecher wies auch Spekulationen zurück, Iran werde als Gegenleistung für die Festnahme der Volksmudschahedin politische Zugeständnisse in der Nahost-Politik machen.

Ein Sprecher des französischen Außenministeriums erklärte, weder seien Verhandlungen mit Teheran über die Auslieferung der oppositionellen Volksmudschahedin im Gange, noch würden sie ins Auge gefasst. Bereits am Samstag hatte die Pariser Staatsanwaltschaft betont, im Falle der Verhafteten sei keine Abschiebung vorgesehen. Die französische Polizei hatte am Dienstag voriger Woche 165 Mitglieder der islamisch-marxistischen Oppositionsgruppe festgenommen. Elf Exil-Iraner, darunter die Leiterin des Nationalen Widerstandsrates der Volksmudschahedin Mariam Radschawi, kamen in Untersuchungshaft. Ihnen wird Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Finanzierung terroristischer Handlungen vorgeworfen.

In Teheran bestätigte das Bildungsministerium nach Angaben der studentischen Nachrichtenagentur ISNA die Festnahme von 25 Studenten. Den Angaben nach seien bereits vier der Festgenommenen wieder freigelassen worden. Familienangehörige hatten am Samstag einen Sitzstreik in der Teheraner Universität begonnen, um die Freilassung der Studenten zu erreichen.

Im Zusammenhang mit den jüngsten Unruhen hatte die Regierung zuvor angegeben, unter den 520 Festgenommenen hätten sich nur zehn Studenten befunden. Bei tagelagen Protesten in Teheran und anderen Orten in der islamischen Republik hatten Demonstranten in der vergangenen Woche unter anderem den Rücktritt von Präsident Mohammed Chatami gefordert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%