Attas Prag-Reisen werfen brisante Fragen auf
Attentäter trifft Agent

Wie eine russische Holzpuppe sei dieser Atta, stöhnte ein Mitarbeiter des tschechischen Innenministeriums vor Tagen: "Wenn wir eine Sache über ihn aufdecken, steckt gleich das nächste Problem drin." Mohammed el Amir Atta, mutmaßlicher Flugzeug-Attentäter vom 11. September, war mehrfach in Prag, wissen die Behörden. "Aber er hat so viele Spuren hinterlassen, dass er uns entweder viel mitteilen oder viel verheimlichen wollte", meint der Beamte kopfschüttelnd.

dpa PRAG. Erstmals gab Tschechiens Innenminister Stanislav Gross Details über Attas Prag-Aufenthalte bekannt. Danach kam der Ägypter am 2. Juni 2000 mit einem Fernlinien-Bus aus Deutschland und flog am nächsten Tag in die USA. Zu Berichten, nach denen Atta zwei Tage zuvor wegen fehlender Dokumente am Flughafen die Einreise verwehrt worden sei, konnte Gross nichts sagen. Stattdessen bestätigte der Sozialdemokrat, dass Atta sich im Frühjahr in Prag mit dem irakischen Konsul Al-Ani traf, einem Agenten des Bagdader Geheimdienstes.

Diese Mitteilung ist brisant, denn sie kratzt am Image von Atta als biederem "Schläfer", dessen Maske erst am 11. September fiel. Es ist unbestritten, dass Al-Ani bei dem Treffen am Prager Flughafen beschattet wurde. Dann muss auch Atta dem Geheimdienst aufgefallen sein, denn immerhin traf sich da ein angeblich normaler Hamburger Student mit einem irakischen Agenten. Der Ägypter bewegte sich danach aber offenbar ein halbes Jahr ungehindert und steuerte dann wohl die erste Maschine ins World Trade Center. Eine Informationspanne der Geheimdienste? Oder ist die heiße "irakische Spur" in Wirklichkeit kalt?

Der Hinweis auf Bagdad ist wichtig, da der ehemalige Leiter des UN-Inspektorenteams im Irak, Richard Butler, vermutet, ein irakischer Agent könnte Atta Anthrax-Sporen übergeben haben. Sollte Bagdad hinter den Milzbrandfällen in den USA stecken, wären militärische Folgen nicht auszuschließen. Al-Ani übrigens wurde kurz nach dem Atta-Treffen ausgewiesen. Man habe dem Konsul die Akkreditierung wegen Tätigkeiten entzogen, die seinem Status widersprachen, sagt ein Gross-Mitarbeiter: "Darunter kann man sich vorstellen, was man will."

Warum Atta so oft nach Prag kam, bleibt unklar. Aber die bemüht exakte Formulierung des Ministers, Atta habe sicher keine Anthrax- Sporen "von Tschechien" erhalten, widerspricht nicht dem Verdacht, der Ägypter könne diese "in Tschechien" erhalten haben. Eine Prager Zeitung spekuliert anhand von verdächtigen Eintragungen im Prager Handelsregister, Atta könne in Tschechien Geschäfte zu Gunsten der Terror-Organisation El Kaida betrieben haben. Die Äußerungen von Gross jedenfalls haben mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet.

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