"Attraktive Möglichkeit"
Voicestream und Cingular erwägen Fusion

Das "Wall Street Journal" berichtete am Dienstag unter Berufung auf verhandlungsnahe Kreise, Voicestream habe dabei seinem Konkurrenten die Position des Mehrheits-Gesellschafters angeboten. Die Verhandlungen befänden sich aber noch in der Anfangsphase.

Reuters NEW YORK/FRANKFURT. Ein Sprecher der Mobilfunksparte der Telekom T-Mobil wollte keine Stellungnahme zu dem Bericht abgeben. Er sagte jedoch, prinzipiell könne Voicestream allein überleben, interessante Gelegenheiten werde sich die Telekom aber dennoch anschauen. Analysten bezeichneten einen Zusammenschluss von Voicestream mit einem anderen Anbieter als attraktive Möglichkeit, sehen eine völlige Trennung aber als falsch an.

Ein Zusammenschluss von Cingular und Voicestream dürfte sowohl bei den Wettbewerbsbehörden als auch bei den Mehrheitsaktionären von Cingular, SBC Communications und BellSouth, auf Widerstand stoßen. Cingular war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. In der US-Mobilfunkbranche wird eine Fusion zwischen Cingular mit VoiceStream als wahrscheinlichster Zusammenschluss gesehen.

Vor einigen Wochen habe die Telekom-Tochter bereits mit dem US-Mitbewerber und Branchendritten AT&T Wireless über eine Fusion gesprochen, ohne bislang zu einem Ergebnis gelangt zu sein, hieß es in dem Zeitungsbericht weiter. Die Gespräche hielten aber weiter an. Derzeit gebe es Zeichen der US-Regierung, die bevorstehende Konsolidierung des US-Mobilfunkmarktes zu unterstützen.

Die Deutsche Telekom will am Mittwoch ihre Quartalszahlen vorlegen. In einer Fusion der US-Tochter Voicestream mit einem anderem Unternehmen sehen viele Analysten für die Telekom eine Möglichkeit, ihren derzeitigen Schuldenberg abzubauen. Die Telekom will ihre Schulden bis Ende 2003 auf 50 Mrd. von derzeit 67 Mrd. Euro reduzieren. Analysten warnten allerdings auch vor einer überhasteten Fusion in den USA, da die derzeitige Verhandlungsposition der Telekom schlecht sei. Nach Angaben aus unternehmensnahen Kreisen sucht die Telekom aktiv nach einer Fusion oder einem Verkauf von Voicestream im hart umkämpften US-Markt.

"Eine Fusion zwischen Voicestream und Cingular würde sicherlich Sinn machen", sagte der Fondsmanager Kurt Müller von Commerz Asset Managers. Beide Unternehmen könnten Synergien nutzen, indem sie ein gemeinsames Netzwerk aufbauten. "Cingular wäre der attraktivere Partner als AT&T", sagte Müller. Der Analyst Hannes Wittig von Dresdner Kleinwort Wasserstein sagte, wenn die Telekom bei VoiceStream nur noch ein Minderheitsinvestor sei, werde sie so viel Schulden los, wie sie in das fusionierte Unternehmen einbringen könne. Dies sei natürlich Verhandlungssache. "Ein Verkauf hätte den Nachteil, dass die Telekom die derzeit niedrige Bewertung von Voicestream festschreibt, was schwer zu akzeptieren wäre."

Ilona Hasselbring von der Berenberg Bank zufolge ist ein Zusammenschluss von Voicestream mit einem anderen Anbieter eine attraktive Möglichkeit. Dies hänge aber stark von den Konditionen des Zuammenschlusses ab. Generell wäre es nach Einschätzung Hasselbrings aber nicht richtig, wenn sich die Telekom komplett von VoiceStream trennen würde, da sie die Tochter derzeit wohl unter Wert verkaufen würde.

Ralf Hallmann von der Bankgesellschaft Berlin erwartet durch eine Trennung von Voicestream nur eine kurzfristige Verbesserung für die Telekom. Negativ sei, dass das Unternehmen damit seinen gesamten strategischen Vorteil an zwei größere Partner verliere. Zudem fehle der Telekom dann das Wachstum auf Gruppenebene, das nach Ansicht Hallmanns eindeutig aus dem US-Markt kommt. "Übrig bleibt dann eigentlich nur das gesättigte Geschäft." Grundsätzlich sollte die Telekom an VoiceStream festhalten, weil es eine klare Aussage wäre und die Strategie des Konzerns untermauere, sagte Hallmann.

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