Attraktiver Markt
Rechtsexperten drängen in Vermögensberatung

An sich war die junge Frau zu Ingrid Groß in die Kanzlei gekommen, um sich scheiden zu lassen. Doch den Ehemann loszuwerden ist eine Sache - die finanziellen Folgen eine ganz andere: Ein paar Hunderttausend Euro Zugewinnausgleich wird der künftige Ex zahlen müssen - was tun mit dem vielen Geld?

DÜSSELDORF. Wie sieht es mit der Absicherung der Kinder aus? Und wenn der Versorgungsausgleich einmal geklärt ist - reicht es dann für ein sorgenfreies Alter? Oder muss man etwas tun?

Ingrid Groß ist auf diese Fragen vorbereitet. Mit bloßer Rechtsberatung im engeren Sinne können Familien- und Erbrechts-Anwälte heute keinen Blumentopf mehr gewinnen, ist die Augsburger Rechtsanwältin und Vorsitzende des Familien- und Erbrechtsausschusses des Deutschen Anwaltvereins (DAV) überzeugt. "In der Altersvorsorgeberatung liegt die Zukunft der Familien- und Erbrechts-Anwälte". Wachsendes Problembewusstsein in der Bevölkerung treffe auf große Marktintransparenz - Stichwort: Riester-Rente. Jeder weiß, dass es sie gibt, aber kaum jemand kennt sich aus. "Der Bedarf liegt offen vor uns."

Auch die Steuerberater setzen zunehmend auf die Beratung ihrer Mandanten in Vermögensdingen: "In den nächsten Jahren wird uns einiges aus dem Stammgeschäft wegbrechen", unkt Steuerberater Gerhard Busch. Einige der bisherigen Tätigkeiten - vor allem die Buchhaltung - übernehme der Mandant heute selbst. Zudem steige der Konkurrenzdruck: "Da muss man sich nach neuen Geschäftsfeldern umsehen."

Und warum gerade die Vermögens- und Vorsorgeberatung? "Wir kennen die Vermögensverhältnisse des Mandanten doch am besten", sagt Wolfgang Wawro vom Deutschen Steuerberaterverband (DStV). Auch die Risikofreude des Mandanten wisse der Steuerberater besser einzuschätzen als die Bank. So habe eine Kundin mit einem Luxemburger Vermögensfonds in einem Jahr 80 000 DM verloren, weil sie auf dem Fragebogen der Bank die (höchste) Risikoklasse 5 angekreuzt hatte. "Ich kenne die Dame seit 25 Jahren. Das hat die nur getan, weil diese Risikoklasse mit dem Begriff ,Premium? bezeichnet war."

Beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat man vom Vordringen der Rechts- und Steuerberater noch nichts bemerkt: "Uns ist das noch nicht aufgefallen", sagt Stephan Gelhausen, Pressereferent für Lebensversicherungen. "Wir können nur hoffen, dass auch die nötige Qualifikation vorhanden ist."

Gegenüber den Finanzberatern stoßen die Anwälte und Steuerberater in der Tat an Grenzen: Wenn sie bestimmte Produkte empfehlen, geraten sie in erhebliche Haftungsrisiken. Denn die Berufshaftpflichtversicherung deckt in der Regel keine Schäden durch falsche Anlagetipps. Dem Vertrieb von Finanzprodukten gegen Provision steht schon das Berufs- und Standesrecht entgegen, fügt Carola Fischer von der Bundessteuerberaterkammer hinzu.

Das wiederum empfinden die Anwälte und Steuerberater als ihren Trumpf: Ihre Unabhängigkeit macht sie vertrauenswürdig. "Auf dem Vermögensberatungsmarkt tummeln sich viele Leute, die mit Anlageempfehlungen viel Geld verdienen", so Steuerberater Busch. "Wir sind nicht abhängig von Provisionen. Wir müssen nichts verkaufen."

Quelle: Handelsblatt

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