„Attraktives Ergebnis“ erst ab dem Jahr 2003
Aktionäre von Daimler-Chrysler müssen sich gedulden

Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp hält trotz der aktuellen Probleme im Konzern an seinen Visionen fest: Der Automobilkonzern soll zur Welt AG und zur Nummer eins der Branche aufrücken. Allerdings rechnet er mit einem Zeitraum von zehn Jahren für die Umsetzung der weltweiten Expansion.

DÜSSELDORF. Die Aktionäre des Automobilkonzerns Daimler-Chrysler müssen sich gedulden: Konzernchef Jürgen Schrempp rechnet erst ab 2003 mit einem "attraktiven Ergebnis". Bis dahin soll das Betriebsergebnis eine Relation zum Umsatz haben, die die Aktionäre zufrieden stelle. Noch länger, rund zehn Jahre, wird es dauern, bis das ausgereifte Produktprogramm der Welt AG steht, sagte Schrempp in einem Redaktionsgespräch mit dem Handelsblatt.

Trotz der aktuellen Probleme ist sich der Daimler-Chef sicher, dass der Stuttgarter Konzern zu den fünf bis zehn Automobilherstellern gehört, die langfristig erfolgreich sein werden. Auch an seinem ehrgeizigen Vorhaben halte er fest, die Branchenführung zu übernehmen.

So sollen die US-Sparte Chrysler und die japanische Beteiligung Mitsubishi Motors (MMC) künftig eng in der Pkw-Entwicklung zusammenarbeiten. Zudem will Daimler-Chrysler die Technologie der Premiummarke Mercedes-Benz für die anderen Konzernmarken nutzen. Ziel ist es, dadurch die hohen Entwicklungskosten von Mercedes auf mehr Fahrzeuge zu verteilen. Dies sei für Mercedes-Benz sehr gut und auch eines der Ziele der Fusion mit Chrysler. "Die Fusion ist notwendiger denn je", betonte Schrempp. Er räumte allerdings ein, dass er für die Umsetzung der 1998 eingegangenen Fusion aus heutiger Sicht ein bis zwei Jahre mehr hätte einplanen sollen. "Wir haben die Messlatte sehr hoch gesetzt."

Während der nächsten beiden Jahre steht für Schrempp erst einmal die Sanierung der angeschlagenen US-Sparte Chrysler, der amerikanischen Lkw-Tochter Freightliner und des japanischen Automobilbauers Mitsubishi im Vordergrund. An MMC hält Daimler-Chrysler eine Beteiligung von gut 37 %.

Vor allem das nächste Jahr dürfte für Chrysler schwierig werden. Mit großer Sorge beobachtet Schrempp die aktuell aggressive Rabattpolitik der Wettbewerber General Motors und Ford auf dem US-Markt. Chrysler könne sich der Entwicklung nicht entziehen und bietet auf dem US-Markt ebenfalls Autokredite mit 0 % Verzinsung an. Der US-amerikanische Automarkt werde auf diese Weise derzeit "künstlich" hoch gehalten. Klaus Weihermann, Automobilanalyst bei der WGZ-Bank befürchtet, dass die Rabattschlachten wegen des schrumpfenden Marktes sogar noch zunehmen werden. Als Warnsignal bewertet er, dass Chrysler sogar für sein neues Modell Dodge Ram bereits besondere Kaufanreize zur Absatzförderung eingeführt habe.

Wegen der aktuell schwierigen Marktsituation lehnte es der Daimler-Chef ab, Prognosen zur Entwicklung des amerikanischen Automarktes im kommenden Jahr abzugeben. Derzeit versehen Finanzanalysten die für 2002 angekündigte Rückkehr von Chrysler in die Gewinnzone mit Fragezeichen.

Möglichst kurz vor Jahresende will das Daimler-Management die operative Planung für 2002 vornehmen. Im Februar dieses Jahres hat sich Daimler-Chrysler für das kommende Jahr einen Betriebsgewinn zwischen 5,5 Mrd. und 6,5 Mrd. Euro vorgenommen.

Schrempp verteidigte den Einstieg beim hoch verschuldeten Autobauer Mitsubishi Motors. Es sei eine einmalige Chance gewesen, sich in Asien bei einem Hersteller zu beteiligen. "Ein Alleingang in Asien würde zehn bis 20 Jahre dauern", so Schrempp. Er räumte ein, dass es Jahre dauern könne, das durch vertuschte Qualitätsmängel ramponierte Image von MMC wieder aufzupolieren.

Die Übernahme der Mehrheit von MMC - Daimler-Chrysler hat darauf eine Option ab 2003 - hat für Schrempp keine Priorität. Bei einer Mehrheitsbeteiligung müsste Daimler-Chrysler allerdings MMC voll in die Bilanz integrieren - einschließlich des Schuldenbergs, den Schrempp als "sehr hoch" bezeichnete, den er aber nicht beziffern wollte. Für einen Schuldenabbau sieht der Konzernchef nur zwei Wege: Gewinne und den Verkauf von Vermögensteilen.

Für Schrempp ist Asien einer der wichtigsten Wachstumsmärkte der Zukunft. China spiele da eine wichtige Rolle. Seit längerem verhandelt der Konzern mit dem chinesischen Automobilhersteller First Automotive Works (FAW) über ein Joint Venture im Nutzfahrzeugsektor. Daimler-Chrysler besitzt über Chrysler für China eine der begehrten Lizenzen für den Bau von Personenwagen. Auch Indien sei ein sehr interessanter Markt, betonte er. Anpacken will er beide Märkte aber erst in zwei bis drei Jahren, wenn die Sanierung von MMC, Freightliner und Chrysler abgeschlossen ist.

Einen Ausstieg der beiden verbliebenen Großaktionäre von Daimler-Chrysler erwartet Schrempp der zeit nicht: "Ich habe keine Signale, dass die Deutsche Bank oder Kuwait verkaufen wollen." Er ist sich sicher, dass die Großaktionäre die Daimler-Spitze frühzeitig informieren würden, falls sie einen solchen Schritt planten. Bei der Deutschen Bank, die aktuell einen Anteil von rund 12 % hält, sieht er auf Grund der langjährigen gemeinsamen Geschichte eine besondere Verbundenheit. Die Deutsche Bank hat bereits bei der Fusion von Daimler und Benz im Jahre 1926 mitgewirkt.

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