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AT&S schließt Werk Augsburg und erwartet Gewinn

Der österreichische Leiterplattenhersteller Austria Technologie & Systemtechnik AG (AT&S) erwartet im Geschäftsjahr 2001/02 (31. März) trotz der geplanten Schließung des Werkes Augsburg weiterhin ein positives Ergebnis.

Reuters WIEN/MÜNCHEN. Auch ohne Augsburg werde AT&S einen Konzernumsatz in ungefähr gleicher Höhe wie 2000/01 ausweisen, kündigte AT&S-Chef Willibald Dörflinger am Freitag in Wien an. Angaben zum erwarteten Ergebnis wollten Dörflinger und Finanzvorstand Harald Sommerer nicht machen. Unterdessen versucht die bayerische Landesregierung bis zum Ende des Monats das Werk noch zu retten. Staatskanzleiminister Erwin Huber (CSU) kündigte ein Gespräch am Runden Tisch mit allen Beteiligten an.

Huber macht den 400 Beschäftigten in Augsburg aber nur wenig Hoffnung: "Bei der bekannten Lage auf dem Informations- und Telekommunikationstechnologiemarkt wird eine Lösung nicht leicht sein", erklärte er in München. Ein Termin für das Gespräch werde noch gesucht, sagte ein Sprecher. Ohne Intervention der IG Metall hätte AT&S Augsburg sofort geschlossen, sagte Dörflinger. Bis 31. Oktober solle mit der Staatskanzlei eine wirtschaftlich vertretbare Lösung gefunden werden - mit oder ohne AT&S. "Wir möchten eine mögliche Chance nicht verhindern, auf drei bis vier Wochen kommt es nicht mehr an", sagte der AT&S-Chef.

Im Geschäftsjahr 2000/01 hatte die nach US-GAAP bilanzierende AT&S bei einem Umsatz von 321,2 (Vorjahr 231,4) Mill. Euro ein Betriebsergebnis von 53,9 (30,0) Mill. Euro und einen Jahresüberschuss von 36,6 (27,6) Mill. Euro erzielt. Augsburg habe 2000/01 rund zehn Prozent zum Konzernumsatz beigetragen. Die Schließung des Standortes werde vor Steuern 16 Mill. Euro kosten, seit 1. April habe Augsburg einen Verlust von 8,4 Mill. Euro verursacht, sagte Finanzchef Sommerer. Das Werk habe seit Mitte Juni nicht mehr produziert. Insgesamt habe AT&S durch die vor zweieinhalb Jahren von Siemens übernommene Fabrik, die Leiterplatten für den Telekommunikations-Infrastrukturbereich herstellte, Kosten von 27 Mill. Euro nach Steuern gehabt. Aus den Schließungskosten errechne sich ein Rückgang des Gewinns je Aktie 2001/02 von 0,38 Euro, sagte Sommerer. Die Hälfte davon sei zahlungswirksam.

Abschied aus Infrastrukturbereich

Die Schließung des schwäbischen Standorts bedeute für AT&S den "vorläufigen Abschied" aus dem Infrastrukturbereich, sagte Dörflinger. Wenn das in China in Bau befindliche AT&S-Werk positiv laufe, könnte wieder ein Einstieg überlegt werden. Die Schließung lasse aber keine Rückschlüsse auf die anderen AT&S - Standorte zu, die Leiterplatten für Mobiltelefone herstellen.

"Mit der Schließung fällt ein wesentlicher Hemmschuh in unserer Profitabilität weg", sagte Sommerer. Außerdem würden Managementkapazitäten für die Gruppe frei. Im Handheld-Bereich gebe es im Gegensatz zum Infrastrukturbereich positive Aussichten. "Wenn das Weihnachtsgeschäft der erhoffte Erfolg wird, könnte das der Turnaround sein", so Sommerer. "Wir trauen uns aber nicht zu, exakte Prognosen zu geben."

Es gebe keine Veranlassung, über Kurzarbeit an den anderen AT&S-Standorten nachzudenken, sagte Dörflinger. Die Auslastung der Standorte liege zwischen 75 und über 90 % und garantiere damit Profitabilität. Unter Annahme stabiler Preise wäre ein Standort bei einer ganzjährigen Auslastung von nur 60 % nicht mehr positiv.

Für sein erstes Quartal hatte der Leiterplattenhersteller einen rückläufigen Umsatz von 63,5 (76,4) Mill. Euro ausgewiesen und damit Analystenerwartungen enttäuscht. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) war in diesem Zeitraum auf 2,6 Mill. von 12,29 Mill. Euro gesunken. Analysten kritisierten teilweise die Konzentration von rund 60 % der Umsätze auf zwei Abnehmer (Nokia und Siemens). Sommerer bezeichnete dies hingegen als Teil der Strategie. Das Halbjahresergebnis wird am 14. November vorgelegt.

AT&S notierten am Freitagnachmittag mit 11,45 Euro um 1,1 % fester. Seit Jahresbeginn hatte die Aktie 63 % an Wert verloren, etwas weniger als der Nemax50, der 71 % abgeben musste.

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