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AT & T verkauft Breitband-Sparte an Comcast

Der US-Telefonriese kassiert dafür 72 Milliarden Dollar. Noch im Sommer hatte AT & T ein Angebot von Comcast ausgeschlagen.

rtr NEW YORK/PHILADELPHIA. Der amerikanische Kabelfernseh-Anbieter Comcast übernimmt für rund 47 Mrd. Dollar in Aktien (rund 104 Mrd. DM) die Kabelsparte des Telekommunikationskonzerns AT&T. Damit endet nach fünfmonatigen Verhandlungen ein Bieterwettstreit, an dem sich neben Comcast auch der weltgrößte Medienkonzern AOL Time Warner und das Unternehmen Cox Communications beteiligt hatten. Der Software-Konzern Microsoft hatte gegen seinen Internet-Konkurrenten AOL Time Warner die Gebote von Comcast und Cox unterstützt. Der neue Kabelanbieter AT&T Comcast steigt nach Abschluss der Übernahme mit mehr als 22 Mill. Abonnenten zum Branchenprimus in den USA auf. Die Aktien von AT&T zogen in New York kräftig an. Chef von AT&T Comcast wird den Angaben zufolge der bisherige Comcast-Präsident Brian Roberts, der seine Karriere als Kabelinstallateur in der Firma seines Vaters begonnen hatte. Bis zu der nun vereinbarten Übernahme war Comcast die Nummer drei in der US-Kabelindustrie. Den Posten des Chairman solle der bisherige AT&T-Chairman C. Michael Armstrong übernehmen, wie die Unternehmen weiter mitteilten.

AT&T hatte sich im Kabelbereich mit dem Ziel engagiert, Telefonie, Daten- und Filmübertragungen über Fernsehkabel anzubieten. 1999 hatte AT&T noch selbst Comcast beim Gebot um den Kabelbetreiber MediaOne Group aus dem Rennen geworfen. Doch der dafür notwendige Ausbau des Kabelnetzes erwies sich als teurer und langwieriger als von Investoren erwartet. Als AT&T Probleme mit den sich immer höher auftürmenden Schulden und dem immer weiter sinkenden Aktienkurs bekam, fiel die Entscheidung, die Hauptgeschäfte in mehrere Unternehmen aufzuspalten. Im Juli wurde die AT&T-Mobilfunksparte ausgegliedert, und Comcast unterbreitete dem Großkonzern im selben Monat unaufgefordert eine Übernahme-Offerte für das Breitband-Kabelgeschäft.

AT&T und Comcast vereinbarten Angaben vom Donnerstag zufolge eine Klausel, nach der jeder Partner dem anderen 1,5 Mrd. Dollar zahlen muss, wenn er selbst aus dem Deal aussteigen sollte. Der Vereinbarung zufolge übernimmt Comcast zusätzlich zum Kaufpreis von 20 Mrd. Dollar Schulden von AT&T Broadband. Weitere fünf Mrd. Dollar (elf Mrd. DM) will Microsoft beisteuern. Dazu soll Microsoft wandelbare Wertpapiere der AT&T-Tochter in diesem Volumen in Aktien des neuen Unternehmens umwandeln.

Das erste Comcast-Gebot im Juli von 44,5 Mrd. Dollar in Aktien und der Übernahme von 13,5 Mrd. Dollar Schulden hatte AT&T als unangemessen ausgeschlagen und war in Verhandlungen mit anderen Interessenten getreten. AOL Time Warner hatte nach Informationen aus Kreisen noch einmal in der letzten Minute ein Angebot zur Fusion des Kabelgeschäfts von Time Warner mit AT&T Broadband vorgelegt. AT&T habe allerdings gefürchtet, die wettbewerbsrechtliche Prüfung einer Vereinbarung zwischen den beiden Großkonzernen könnte den Abschluss hinauszögern oder sogar verhindern.

Mit dem nun vorliegenden Comcast-Angebot werde die Schuldenlast des Konzerns, die Ende September 38,5 Mrd. Dollar betragen hatte, um mehr als die Hälfte reduziert, hieß es. AT&T sieht eigenen Angaben zufolge auch seine ursprünglichen Bedenken zur künftigen Abstimmungsstruktur ausgeräumt. Der Vereinbarung zufolge werden die AT&T-Aktionäre 56 % des Kapitals und 66 % der Stimmrechte an dem neuen Unternehmen halten. Die Familie des künftigen Konzernchefs Roberts soll ein Drittel der Stimmanteile kontrollieren. Nach dem ursprünglichen Angebot hätte Comcast einen Minderheitsanteil am Kapital der AT&T Comcast bekommen, aber mehrheitlich die Stimmrechte ausgeübt.

AT&T wird sich künftig auf das Geschäft mit Ferngesprächen und Datenübertragungen konzentrieren, das allerdings rückläufig ist. Gartner-Group-Analyst Ken McGee sagte, die Kombination von AT&T Broadband mit Comcast sei für AT&T ein eleganter Start in das Geschäft mit Kommunikationsmitteln der Zukunft.

Die Aktien von AT&T Broadband legten bei Börsenstart in den USA mehr als zehn Prozent zu und notierten bei 18,55 Dollar. Auch die Verlierer des Rennens um AT&T Broadband gewannen. Cox-Anteile stiegen um 1,61 Dollar auf rund 40 und AOL Time Warner um 85 Cents auf 33,88 Dollar. Die Anteile von Comcast gaben dagegen fast neun Prozent ab und notierten bei 34,70 Dollar.

In Deutschland hat die ebenfalls hoch verschuldete Deutsche Telekom einen Großteil ihres regionalen Kabelnetzes für 5,5 Mrd. ? an den US-Kabelnetzbetreiber Liberty Media verkauft. Vorbehaltlich einer Genehmigung durch die Kartellbehörden will Liberty das Kabelnetz ebenfalls ausbauen, um über digitale Breitbandkabel eine Vielzahl von Fernsehprogrammen und Multimedia-Dienste anbieten zu können.

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