AT&T und Telstra bereits im Geschäft
Chinas Telekommarkt vor der Wende

Auf dem weltgrößten Markt für Mobilfunk setzt die Regierung jetzt auf den Ausbau des Festnetzes. Die Aufspaltung des bisherigen Monopolisten sowie ausländische Konkurrenz sollen das Geschäft beleben.

HB/olm HONGKONG. Milliardenschwere Börsengänge, harter Wettbewerb und schwindelerregendes Wachstum haben China binnen weniger Jahre zum größten Mobilfunkmarkt der Welt gemacht. Nun wendet Peking seine Aufmerksamkeit dem vernachlässigten Festnetz zu. Der für Oktober geplante Börsengang von China Telecom in New York und Hongkong soll in der rückständigen Branche eine ähnliche Dynamik wie im Mobilfunk in Gang setzen. Marktbeobachter rechnen mit weitreichenden Folgen: "Der Regulierungstrend dreht sich", sagt UBS Warburg Analyst Dylan Tinker. In Zukunft werde er den Festnetzbereich favorisieren.

Die Sorge, dass mit Börsengängen der beiden großen Festnetz-Anbieter China Telecom und China Netcom die Vorzugsbehandlung der beiden lange gehätschelten Mobilfunk-Riesen China Mobile und China Unicom endet, belastet die Kurse beider Unternehmen seit Tagen. Duopolmargen und exponentielles Wachstum hatten Mobile und Unicom Milliarden von Dollar bei Börsengang, Zweitplatzierungen und Anleihe-Emmissionen eingebracht.

Festnetz-Reform drängt

Nun drängt die Reform des Festnetzbereichs so sehr, dass Peking China Telecom trotz massiver Turbulenzen an den Kapitalmärkten an die Börse treibt. Denn ohne Privatisierung und Wettbewerb kann die schleppende Verkabelung des Landes keine dem Mobilfunkbereich vergleichbare Dynamik entwickeln.

China zählt 176 Millionen Handybesitzer und rund 200 Millionen Festnetzanschlüsse. Im ersten Halbjahr ist die Zahl der Mobilfunker in China um 31,4 Millionen gestiegen, die der Hausanschlüsse nur um 20 Millionen. Hält dieser Trend an, telefonieren im kommenden Jahr mehr Chinesen mobil als übers Festnetz. Viele greifen jedoch nur als Notlösung zum Handy, da sie auf einen Festanschluss lange warten müssen.

China Telecom Beine machen

Um dem behördenartigen Koloss China Telecom Beine zu machen, wurde der Monopolist im Frühjahr in eine nördliche und eine südliche Gesellschaft aufgespalten. Der Nordteil wurde mit dem kleineren Anbieter Netcom verschmolzen und übernahm dessen Namen; der Südteil heißt weiter China Telecom. Beide sollen künftig nicht nur landesweit im Festnetz konkurrieren sondern als Anbieter von Datendiensten und Mobilfunk auch gegen China Mobile und Unicom antreten. Denn ohne mehr Wettbewerb und niedrigere Preise dürfte der Schwung im Mobilfunk nachlassen, warnen Analysten.

Globale Telekom-Ausrüster wie Nokia, Ericsson und Siemens hoffen, dass neue Mobilfunklizenzen und mehr Festnetz-Anbieter dem wichtigen China-Geschäft schon bald neues Leben einhauchen. Denn Mobile, Unicom, Netcom und Telecom haben im ersten Halbjahr ihre Investitionen drastisch gekürzt. Die Anlageinvestitionen in Chinas Telekom-Branche sind seit Januar um 37% geschrumpft. Nokia machte gar das unerwartet schlechte China-Geschäft für die schwachen Zahlen im zweiten Quartal mit verantwortlich.

Echter Wettbewerb braucht Zeit

Mit der Vergabe von zwei neuen Mobilfunklizenzen an Netcom und Telecom und dem Netzaufbau rechnen viele Marktbeobachter allerdings erst 2004. Auch bis im Festnetz echter Wettbewerb in Gang kommt wird es dauern. Derzeit bekriegen sich Festnetzanbieter bevorzugt, indem sie Kabel der Wettbewerber aus dem Boden reißen lassen. Darunter leidet besonders der Start-up Railcom. Telecom und Netcom dürften zunächst allenfalls darauf zielen, Rivalen Geschäftskunden abzuluchsen. Das werden zunehmend auch internationale Anbieter versuchen. Ihnen öffnet Chinas WTO-Beitritt erstmals die Tür. AT&T und Australiens Telstra sind bereits Joint-Ventures eingegangen.

Für diese Konkurrenz soll der Börsengang China Telecom fit machen. Nicht nur, indem er 2,5 bis 3,5 Milliarden Dollar Kapital beschafft, sondern auch, indem er das Unternehmen der Disziplin der Börse unterwirft und effizienter macht. Denn die Hälfte der 21 Provinzen, in denen Kabel von China-Telecom liegen, gelten als Verlustbringer, vor allem im armen Westen des Landes. Deshalb werden zunächst nur die vier profitabelsten Provinzen an der boomenden Ostküste gelistet. In Jiangsu, Zhejiang, Guangdong und Schanghai liegen 52 Millionen Hausanschlüsse. Die Region breingt deutlich mehr als 50 % der Einnahmen des Gesamtkonzerns, den 120 Millionen Kunden zum größten Festnetzanbieter Asiens außerhalb Japans machen. Detaillierte Zahlen hat Telecom noch nie vorgelegt. Analysten schätzen den Umsatz auf 13 Milliarden Dollar.

Quelle: Handelsblatt

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