Auch als politisches Signal gewertet
Bundeswehr will mit UMTS-Betreibern zusammenarbeiten

Die sechs deutschen UMTS-Mobilfunkbetreiber begrüßen das Angebot von Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping, ihnen für den teuren Netzaufbau Sendemasten der Bundeswehr zur Verfügung zu stellen. Man sei grundsätzlich offen für eine Zusammenarbeit, sagten Sprecher der Unternehmen am Montag. Scharping hatte in der "Welt am Sonntag" erklärt, die Bundeswehr könne den Betreibern "zig Tausende" Funkmasten anbieten, die alle Voraussetzungen für UMTS erfüllten. Nach Brachenangaben sind bis Ende 2003 bundesweit 10 000 bis 15 000 neue Sendeanlagen nötig. Für Aufbau und Betrieb der Infrastruktur fallen über Jahre Milliardenkosten an.

vwd DÜSSELDORF. Ein Sprecher der Telekom-Tochter T-Mobil sagte, die Nutzung von Masten der Bundeswehr hänge von den speziellen Anforderungen und den lokalen Gegebenheiten ab. Prinzipiell sei man offen für jeden Standort und nehme "eine Kaserne genauso gerne wie einen Kirchturm". Man werde und müsse jedes Angebot im Einzelnen prüfen. Die Deutsche Telekom AG veranschlagt für den Aufbau der UMTS-Mobilfunknetze in Deutschland und Großbritannien 7 Mrd. bis 9 Mrd. ?. Durch die Netzkooperation mit British Telecom, die in Deutschland in eine Zusammenarbeit von Marktführer T-Mobil mit Viag Interkom mündet, rechnet der Bonner Konzern bis 2001 mit Einsparungen von 30 %.

Auch Deutschlands zweitgrößter Mobilfunkbetreiber D2 Vodafone zeigte sich offen für eine Mitbenutzung von Sendeanlagen der Bundeswehr. Bereits jetzt nutze man Militärstandorte für die GSM-Technik, sagte eine Sprecherin des Düsseldorfer Unternehmens. Für den Auf- und Ausbau des UMTS-Netzes werden bei D2 3 Mrd. bis 5 Mrd. ? veranschlagt. Bei E-Plus, dem drittgrößten Betreiber, hieß es ebenfalls, grundsätzlich stehe man jedem Angebot aufgeschlossen gegenüber, das die vor allem in Ballungsräumen schwierige Suche nach Standorten erleichtere. Die Düsseldorfer Gesellschaft rechnet bis 2005 für den Aufbau der UMTS-Infrastruktur mit Kosten von rund 1,5 Mrd. ?.

Scharpings Angebot "eine gute Sache"

Durch die Zusammenarbeit mit der Group 3G - einem voriges Jahr gegründeten Joint Venture der ausländischen Konzerne Telefonica und Sonera - werden aber Einsparungen von mehr als 0,5 Mrd. ? erwartet. Ein Sprecher der Group 3G sagte, das Angebot Scharpings sei eine "gute Sache". Das Münchner Unternehmen hat seine Netzaufbaukosten nicht beziffert, veranschlagt aber Gesamtinvestitionen von 6,2 Mrd. ? bis 2010. Die Kooperation mit E-Plus soll Einsparungen von 40 % bringen. Bei Viag Interkom, der Nummer Vier der deutschen Netzbetreiber, hieß es, auch angesichts des Widerstandes gegen UMTS-Anlagen in vielen Kommunen sei man über die Hilfe des Bundes dankbar.

Es komme sehr auf die Lage der Bundeswehrmasten an: In militärischem Sperrgebiete wäre an eine Nutzung nicht zu denken, wohl aber zum Beispiel bei Kreiswehrersatzämtern in Ballungsräumen. "Wenn der Standort gut ist, dann gehen wir da natürlich auch drauf", sagte ein Firmensprecher. Die Mobilcom AG betonte, es sei positiv, dass "Signale von der Bundesregierung" an die Adresse der Unternehmen kämen, die bereits hohe Investitionen in UMTS getätigt hätten. Allein die Lizenzen für den neuen Mobilfunkstandard UMTS haben die sechs Inhaber bei der Versteigerung im August vorigen Jahres jeweils rund 8,5 Mrd. ? gekostet.

Für die Errichtung der Anlagen - insgesamt sind nach Branchenberechnungen 40 000 nötig - und ihren Betrieb fallen nun weitere Milliardensummen an. Angesichts dessen waren schon Forderungen nach einer Änderung der Lizenzbedingungen und etwa einer Abschwächung der Auflagen für die Versorgung der Bevölkerung mit UMTS laut geworden. Scharping sagte, die Überlassung militärischer Infrastruktur könne der Bundeswehr beim Start nach vorsichtigen Berechnungen mehr als 0,5 Mrd. ? einbringen und zusätzlich jährliche Einnahmen von bis zu 30 Mill. ?. "Wir werden offensiv verhandeln", kündigte der SPD-Politiker an.

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