Auch Auslaufen der Bundesmarine steht bevor
Bundeswehr marschbereit für Einsatz in Afghanistan

Die Bundeswehr ist zum Abmarsch nach Afghanistan bereit. Eine Erkundungsmission fliegt nach Angaben des Verteidigungsministeriums am Samstag nach Kabul, um die Versorgung und Unterbringung der Schutztruppe sicher zu stellen.

ap BERLIN. Sprecher Heinz-Joachim Cholin wies Angaben zurück, wonach die Bundeswehr für den Afghanistan-Einsatz ihre Balkanmissionen personell und materiell ausdünnen müsse. Am 2. Januar laufe die Bundesmarine im Rahmen der Antiterrorkoalition in Richtung Horn von Afrika aus. Die Vorausabteilung, die etwa 250 Fallschirmjäger umfassen soll, soll zunächst auch die Landungsmöglichkeiten bei Kabul prüfen. Die endgültige Größe des bis zu 1 200 Mann starken deutschen Kontingents innerhalb der von Großbritannien geführten Schutztruppe sollte im Laufe des Freitags auf einer Konferenz nahe London festgelegt werden.

Cholin unterstrich, dass die Truppe mit allen für ihre Sicherheit und den Transport notwendigen Fahrzeugen ausgestattet sein werde. Dazu gehöre auch das nach dem australischen Wildhund Dingo benannte neuartige Allschutz-Transport-Fahrzeug der Firma Krauss-Maffei-Wegmann, das bereits auf dem Balkan eingesetzt ist. Auch der luftlandefähige Waffenträger Wiesel und der achträdrige Panzerspähwagen Luchs sollen eingesetzt werden. Zuvor hatte der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, Ausrüstungsmängel bei der Truppe kritisiert. Cholin sagte, Gertz sei für den Aufgabenbereich der als eine Art Soldatengewerkschaft tätigen Organisation zuständig. Gertz solle sich mit Äußerungen zu operativen Dingen, von denen er nichts wissen könne, "tunlichst zurückhalten".

Der Sprecher des in Potsdam ansässigen Kommandos, Karl-Henning Kröger, sagte im ZDF: "Das Kontingent, das nach Afghanistan gehen wird, ist optimal vorbereitet." Kröger wies auch die Kritik von Gertz zurück, wonach Schutzwesten und Zelte für den bevorstehenden zehnten Auslandseinsatz der Bundeswehr kurzfristig vom Balkan zurückgeholt werden müssten. Die Amtsübernahme der Interimsregierung in Kabul verlief nach Einschätzung des Auswärtigen Amtes erfolgreich. Nunmehr würden die Ministerien von den Vereinten Nationen mit Büromaterial ausgestattet, damit die Arbeit beginnen könne. Die humanitäre Hilfe verbesserte sich nach Angaben von Außenamtssprecher Andreas Michaelis deutlich. Mängel gebe es aber noch in den Regionen von Jalalabad, Masar-i-Scharif und Kandahar.

Abwendung einer humanitären Katastrophe möglich

Die Lage wird nach Regierungsangaben durch versprengte Taliban, Banditen, Plünderer sowie Minen und Blindgänger gefährlich. Die Vereinten Nationen und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) sind den Angaben zufolge jedoch inzwischen zuversichtlich, dass der Winter ohne eine humanitäre Katastrophe überstanden werden könne. Das Welternährungsprogramm lieferte den Angaben zufolge in der ersten Dezemberhälfte 55 000 Tonnen Lebensmittel. Damit sei das Soll um 3 000 Tonnen überschritten worden. Das Rote Kreuz, das die globalen Angaben der Vereinten Nationen mit Skepsis betrachte, wolle in den kommenden Wochen zusätzlich mit eigenen Konvois über das nördliche Turkmenien bis zu 20 000 Tonnen an mehr als eine halbe Million Bedürftige in die Provinzen Herat, Ghor, Bamian, Masar-i-Scharif und Kundus liefern.

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