Auch Auswirkungen auf deutsche Pharmabranche
Pfizer-Deal erhöht Druck auf die Konkurrenten

Pharmaexperten rechnen mit zunehmendem Konsolidierungsdruck in der Branche nach der Ankündigung von Pfizer , den kleineren Wettbewerber Pharmacia in einem 51 Mrd. Dollar schweren Aktientausch übernehmen zu wollen.

rtr FRANKFURT. "Die Übernahme von Pharmacia Corp durch Pfizer könnte eine neue Runde der Konsolidierung innerhalb der Pharmabranche auslösen", schätzt das Investmenthaus Sal Oppenheim in einer ersten Reaktion. Mit der von Pfizer am Montag angekündigten Übernahme des amerikanisch-schwedischen Konkurrenten entstünde ein Pharmagigant mit einem Weltmarktanteil von rund elf Prozent und einer Vertriebsmannschaft von annähernd 13 000 Personen im lukrativsten Pharmamarkt USA. Zudem würde der in New York ansässige Pfizer-Konzern seine ohnehin schon starke Position als Nummer Eins dort weiter ausbauen und in Europa, Japan und Lateinamerika in die Führungsriege der Pharmabranche aufsteigen. Bei dem geplanten Zusammenschluss der beiden Konzerne handelt es sich um die größte derartige Transaktion seit Jahresbeginn.

Die Pharmabranche mit einem weltweiten Jahresumsatz von rund 400 Mrd. Dollar ist derzeit in einer eher schwierigen Phase. Bei vielen großen Pharmakonzernen ist die Forschungspipeline mit vor der Marktreife stehenden Produkten nicht gerade gut gefüllt. Dazu belastet die zunehmende generische Konkurrenz durch kostengünstige Nachahmerprodukte, die die Umsätze bei vielen Blockbuster-Präparaten mit Jahresumsätzen von mehr als einer Milliarde Dollar haben einbrechen lassen. Das AstraZeneca-Magenmittel Losec ist hier nur das bekannteste Beispiel. Nach jüngsten Schätzungen werden bis zum Jahre 2005 Arzneimittel mit einem Umsatz von etwa 35 Mrd. ? den Patentschutz verlieren. An der Börse hatte der Pharmasektor zuletzt gegenüber dem Gesamtmarkt eingebüßt.

Bei einer weiteren Konsolidierungswelle seit der letzten in den späten 90iger Jahren stünden vor allem die schweizerischen Firmen Roche , Novartis sowie Sanofi-Synthelabo und die US-Konzerne Merck & Co sowie Bristol-Myers Squibb (BMS)im Blickpunkt, heißt es bei den Pharmaexperten von Sal Oppenheim. Nach Einschätzung von Philippe Guy, zuständig für den Health-Care-Sektor bei der Boston Consulting Group in Paris, würden derzeit unter den Unternehmen vielerorts Gespräche geführt. "Und dies (die Pfizer-Ankündigung) dürfte einige Gespräche beschleunigen", merkte er an. Unterdessen gaben die Aktien von Konkurrenten wie GlaxoSmithKline oder Novartis im Zuge der Mitteilung erheblich nach angesichts von Befürchtungen, sie könnten nach der Pharmacia-Übernahme noch stärker unter Druck geraten. "Dies wird für andere eine sehr ernste Bedrohung im Wettbewerb", sagte Martin Hall, Pharma-Analyst bei der HSBC Securities in London. Die schweizerische Novartis sieht nach der Übernahme-Ankündigung von Pfizer unterdessen Raum für strategische Partnerschaften. Konzernchef Daniel Vasella sagte Reuters zudem, das Unternehmen stehe aber nicht unter Handlungsdruck.

Auch Auswirkungen auf deutsche Pharmabranche

Nach Einschätzung der DZ Bank hat die Transaktion möglicherweise auch Auswirkungen auf deutsche Pharmakonzerne wie Bayer. "Die Kluft zwischen Bayer und den Top-Adressen wächst weiter", heißt es in einer Kurzmitteilung der Bank. Die Bayer-Aktie werde möglicherweise wegen der Fusions-Fantasie profitieren. "Die Frage ist, soll Bayer eine Pharmafirma zukaufen oder wird es selbst ausgekauft", schreiben die Analysten. Unterdessen erklärte Bayer in einer Reaktion auf die Pfizer-Ankündigung, das Unternehmen verfolge weiter die Strategie, in seinem Gesundheitsbereich Partnerschaften zu suchen. Dies gelte nach wie vor, sagte ein Sprecher. Andere Analysten wie etwa Karl-Heinz Scheunemann vom Bankhaus Metzler sehen eher indirekte Auswirkungen für die deutsche Pharmabranche. "Bei einigen Pharmaunternehmen wie Schering könnten bei Investoren möglicherweise die Fusionsfantasien zunehmen", schätzt der Analyst. Dies gelte eingeschränkt auch für Bayer. Die Vorgabe, bei möglichen Partnerschaften im Gesundhetisbereich die strategische Mehrheit behalten zu wollen, ließe Bayer hier nur eingeschränkt im Blickfeld stehen. Andere Firmen würden dagegen schon aufgrund ihrer Aktionärsstruktur mit hohem Familienanteil hier nicht in Frage kommen. Dazu zählten etwa Schwarz Pharma, Merck KGaA aber auch Altana.

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