Auch Axel-Springer-Verlag auf der Gewinnerseite
Murdoch profitiert von Kirch-Krise

Kippt Kirch oder kippt er nicht? Diese Frage treibt derzeit nicht nur Politikern und Gläubigern der Mediengruppe den Schweiß auf die Stirn. Sorgen machen sich auch Aktionäre einiger Firmen, die mit Leo Kirchs Imperium verbunden sind. Andere dagegen könnten von einer Kirch-Pleite profitieren, sagen Fondsmanager und Analysten.

HB DÜSSELDORF/FRANKFURT/M. Die akute Existenzbedrohung der Kirchgruppe bewegt die Aktienmärkte. Zahlreiche börsennotierte Firmen sind mit dem weit verzweigten Netzwerk des Münchner Medienmachers verbunden. Für deren Aktionäre gibt es aber nicht nur negative Nachrichten: So sehen einige Fondsmanager und Analysten die Kirchprobleme als Befreiungsschlag für den Axel Springer Verlag. Als Kirch-Krisengewinnler gilt auch der australische Medienzar Rupert Murdoch. Er kontrolliert den Konzern News Corp, der wiederum am britische Bezahlfernsehsender BSkyB beteiligt ist. Beide Firmen arbeiten bereits mit Kirch zusammen. Murdoch interessiert sich besonders für Kirchs riesiges Filmarchiv.

Widersprüchlich sind die Aussagen zur Aktie der Senderfamilie Pro Sieben Sat 1 Media AG, an der die Kirchgruppe mehrheitlich beteiligt ist. "Kirch droht Pro Sieben mit in den Abgrund zu ziehen", orakelt ein Experte einer großen deutschen Fondsgesellschaft, der namentlich nicht genannt werden will. Andererseits erwarten Analysten, dass eine stärkere Unabhängigkeit von Kirch die Aktie stützt.

Schlecht sind die Aussichten für EM.TV und Constantin Film, die beide mit Kirch verbandelt sind. Ein Fondsmanager warnt, bei einer Pleite Kirchs drohten dessen Beteiligungen "verramscht" zu werden. Das würde den Kurs der Constantin Film drücken, die zu 21,2 % zum Kirchimperium zählt. Auch die Filmrechtefirma EM.TV - gemeinsam mit Kirch an der Jugendfilmbibliothek Junior.TV und an der Formel-1-Holding Speed beteiligt - würde unter einem Kirch-Ausverkauf leiden.

EM.TV-Chef und Hauptgesellschafter Werner Klatten hat die Gefahr erkannt. Er will die Querverbindung zu Kirch los werden und verhandelt derzeit mit der Taurus-Holding über eine Entflechtung. Der Vorschlag: EM.TV bietet sein Speed-Paket zum Tausch gegen Kirchs Anteile an Junior.TV und Constantin Film. Doch die Gespräche sind kompliziert. Die Bewertung des Formel-Eins-Rennzirkus und der Filmrechte zieht sich hin. Mit 22 000 halben Stunden Programm ist Junior eine der größten Rechtebibliotheken dieser Art weltweit.

"Die Formel 1 ist der Knackpunkt", sagt Marc Röhder, Medienanalyst bei der Düsseldorfer Bank HSBC Trinkaus & Burkhardt in Düsseldorf. Er rechnet damit, dass EM.TV-Chef Werner Klatten der Tausch der Anteile mit Kirch gelingt. Am Markt genießt das Papier der EM.TV kein Vertrauen mehr. HSBC Trinkaus & Burkhardt rät zum Verkauf der Aktie.

Die Constantin Film AG ist mit zahlreichen Vewertungsverträgen eng mit der Kirch-Beteiligung Pro Sieben Sat 1 Media verbunden. So wertet die Münchner Medienfirma alle Kirch-Filme für Video und Kino aus. Im Gegenzug gewährt das von Bernd Eichinger geführte Unternehmen bei allen Filmen dem langjährigen Partner Leo Kirch die Fernsehrechte. Entsprechende Verträge laufen noch bis Ende Juni 2004. "Ich sehe die Constantin-Aktie fundamental unterbewertet", sagt Marc Koebernick von der Düsseldorfer West LB Panmure. Sein Anlageurteil lautet "Outperformer" (überdurchschnittlich).

Positive Folgen erhoffen sich Analysten vom Ausstieg Kirchs beim Axel- Springer-Verlag (Bild, Welt). Derzeit plant die Hypo-Vereinsbank mit der Dresdner Bank und anderen Gläubigern, Kirchs Springer-Paket zu kaufen. "Die Aktie sieht günstig aus", sagt Fondsmanager Anko Belsnijder vom Vermögensverwalter Griffin. Gekauft hat er sie aber nicht. Denn der Konzern sei schwer zu bewerten, und Beldsnijder beobachtet in jüngster Zeit hohe Aktienverkäufe. "Vielleicht weiß da jemand mehr als ich", warnt er. Derzeit fährt Europas größter Zeitungskonzern einen rigiden Sparkurs. Erstmals in der Firmengeschichte schreibt Springer rote Zahlen.

Ein mächtiger Nebenakteur der Kirchkrise ist zudem der italienische Medienzar und Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Sein Konzern Mediaset ist wie News Corp an der Kirchgruppe beteiligt. Die Aktie gilt bei einigen Analysten als günstig bewertet. Bei einer Zerschlagung des Kirchimperiums könnte auch Berlusconi zugreifen. Fondsmanager Beldsnijder kritisiert aber die Undurchschaubarkeit von Mediaset.

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