Auch Bauer Verlag, Rewe-Gruppe und WCM an Partnerschaft interessiert
Konsortium will neue Kirch-Media zur AG machen

Die Commerzbank will gemeinsam mit der Essener WAZ-Gruppe und dem US-Filmstudio Columbia TriStar große Teile des ehemaligen Kerngeschäfts der Kirch-Gruppe in eine Aktiengesellschaft überführen und damit einen späteren Börsengang der neuen Kirch-Media ermöglichen.

rtr FRANKFURT. "Wir werden die Transaktion federführend begleiten. Grundvoraussetzung ist dabei die Gründung des neuen Unternehmens als Aktiengesellschaft", sagte Commerzbank-Kreditvorstand Wolfgang Hartmann am Mittwoch in einem Reuters-Interview.

Zunächst sollten Commerzbank und WAZ-Gruppe je 40 % und die US-Studios zwanzig Prozent an der neuen Kirch-Media halten, die im Kern den Film- und Sportrechtehandel sowie die 52-prozentige Beteiligung an der Senderfamilie ProSiebenSat.1 Media umfassen werde. "Dabei sind wir offen für weitere Partner und nicht zwingend auf die WAZ-Gruppe angewiesen", sagte Hartmann. Die Commerzbank will auf mittlere Sicht ihren Anteil an der neuen Gesellschaft auf rund 25 % reduzieren, betonte er. Das Essener Verlagshaus habe zwar ebenso wie die anderen zwei Parteien formell ihr Interesse bekundet, aber noch keine endgültige Entscheidung getroffen.

Hartmann: Neue Kirch-Media 1,8 bis 2,5 Milliarden Euro wert

Aus heutiger Sicht liegt der Wert der neuen Kirch-Media Hartmann zufolge bei 1,8 bis 2,5 Mrd. ?. Den Schuldenstand inklusive der jetzt absehbaren Eventualverbindlichkeiten der insolventen KirchMedia bezifferte der Kreditvorstand des Frankfurter Instituts auf "mehr als drei Mrd. ?". Beim Insolvenzantrag Anfang April wurde Schuldenstand von rund zwei Mrd. ? angegeben.

"Wir wollen jetzt zügig den Bieterprozess einleiten und im Rahmen der Due-Dilligence die Lage genau prüfen", sagte Hartmann. Die endgültige Entscheidung über die Zukunft des ehemaligen Kirch-Kerngeschäfts werde die Gläubigerversammlung frühestens Ende Juli treffen. "Der Commerzbank-Vorstand hat Dienstag entschieden, im Übernahmekonsortium sowohl den Eigen- als auch den Fremdkapitalanteil federführend zu strukturieren."

Konsortium offen für weitere Partner

Die Commerzbank sei offen für weitere Partner, wolle aber möglichst nicht mehr als fünf Gesellschafter an Bord nehmen. "Wir haben schon weitere Interessenten, wie etwa den Bauer Verlag oder Finanzinvestoren wie die Rewe-Gruppe oder WCM."

Angestrebt werde eine partnerschaftliche Kooperation mit klaren Entscheidungswegen und rechtlichen Bestimmungen einer Aktiengesellschaft. "Das Unternehmen muss eine AG werden, damit den Investoren der so genannte "Exit" zu Marktpreisen ermöglicht wird und auch ein IPO ins Auge gefasst werden kann." Bislang habe die WAZ-Gruppe eher die Rechtsform einer GmbH favorisiert.

Kirch-Media hatte als erste Gesellschaft des Medienimperiums von Leo Kirch am 8. April einen Insolvenzantrag gestellt. Eine Eröffnung des Insolvenzverfahrens erwartet Hartmann für die nächste Woche.

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