Auch bei der Anlage in Zinstiteln das Timing entscheidend für den Anlageerfolg
Rentenmarkt steht am Scheideweg

Kommt es nach dem Desaster am Aktienmarkt demnächst auch am Anleihenmarkt zu einer "Bubble"? Einige Analysten zeichnen für den Rentenmarkt jedenfalls das Szenario einer platzenden Blase auf.

FRANKFURT/M. Dieses basiert auf der These, dass Anleiherenditen rasch steigen (die Anleihenkurse im Gegenzug also fallen) können, wenn Signale einer nachhaltigen konjunkturellen Erholung sichtbar werden. Dann, so die Argumente, könnten die auf Rekordtief von 3,3 % (Dollar) bis 3,6 % (Euro) befindlichen Anleihezinsen rasch wieder an die langfristigen Durchschnittswerte zwischen 6 % und 7 % heranreichen. Anleihen könnten dann ihren Ruf als "sichere Geldanlage" verlieren.

Wie kann der Anleger eine bevorstehende Zinswende erkennen? Bei der Beantwortung dieser Frage hilft ein Blick in die Vergangenheit. "Immer dann, wenn die Anleger der Auffassung sind, dass die Notenbanken die Leitzinsen nicht weiter senken werden, drehen die langfristigen Zinsen bereits nach oben", sagt Marius Gero Daheim von der WestLB. Diese Zinswende am Rentenmarkt vollziehe sich in der Regel bereits lange vor der ersten Leitzinsanhebung durch die Notenbanken. Ein Beispiel: Als die kurzfristigen Zinsen in Deutschland im Februar 1988 ihr Tief markierten, hatten sich die Kapitalmarktrenditen bereits ein gutes Stück von den bereits im Mai 1987 erreichten Tiefständen nach oben abgesetzt.

Die Erwartung, dass niedrige Zinsen die Konjunktur und die Unternehmensgewinne beflügeln dürften, führt traditionell zu einer höheren Risikobereitschaft und zu einem Umlenken der Kapitalströme aus Anleihen in Aktien. Einen ähnlich langen zeitlichen Vorlauf wie 1987/88 erwarten Experten heute nicht. Der Grund: die Gefahr einer kommenden deflationären Entwicklung. "Wenn klar ist, dass die Notenbanken die Leitzinsen weiter senken werden, wird das lange Ende des Marktes mit weiteren Kurssteigerungen reagieren", sagt Lothar Hessler von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Seine Prognose: "EZB und Fed werden den Leitzins bis Jahresende auf 1,5 % bzw. 0,75 % senken."

Im laufenden Zyklus seien modernere Analysemethoden und Denkansätze notwendig, sagen Experten. Daheim glaubt, es werde in nächster Zeit schwierig zu erkennen sein, wann der geldpolitische Spielraum der Notenbanken erschöpft sei. Selbst bei einem Nullzins könnten Notenbanken die Zinsschraube betätigen, sagen die Fachleute der ING Bank. -BHF Fed-Gouverneur Ben Bernanke habe zuletzt dargelegt, welche Strategien die Fed verfolgen könne, um im Notfall (sprich: einem Null-Leitzins) Deflationsgefahren von den USA abzuwenden. Die zuletzt auf Rekordniveau gestiegenen Anleihenkurse seien Ausdruck der nach Bernankes Äußerungen aufgekommenen Spekulationen, dass die Fed im Notfall die Anleiherenditen durch den Ankauf von Staatspapieren nach unten treiben könnte.

Einen solchen Notfall erwarten die meisten Analysten nicht. "Wir sehen das Tief der Leitzinsen bei 1 %", sagt Daheim. Selbst wenn ein Ende der lockeren Notenbankpolitik erkennbar sei, müsse der Anleger in diesem Zyklus nicht zwangsläufig mit starken Kursverlusten seines Anleihedepots rechnen. Nach derzeitigem Stand der Dinge müsse für längere Zeit mit einem unterproportionalen Wirtschaftswachstum und mit einer anhaltenden Niedrigzinsphase gerechnet werden.

Wie bei allen Kapitalanlagen, so ist auch bei der Anlage in Zinstiteln das Timing entscheidend für den Anlageerfolg. Wer mit japanischen Verhältnissen an den Finanzmärkten in den USA und Europa rechnet, findet in Anleihen heute gute Investmentchancen. In Japan sind die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen rezessions- und deflationsbedingt auf das Rekordtief von unter 0,5 % gefallen. Anleger, die für die nächste Zeit mit einem Konjunkturaufschwung rechnen, sollten Investments in länger laufenden Anleihen wegen der Gefahr von Kursverlusten allerdings meiden.

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