Auch bei der Berlinwasser Holding wollen die Franzosen die Zügel anziehen
Vivendi greift in Babelsberg durch

Der französische Mischkonzern Vivendi Universal S.A. greift hinter den Kulissen der Studios Babelsberg durch: Wenige Tage vor den groß angekündigten Feiern zum 90jährigen Bestehen der Traditionsstudios verlässt Gabriela Bacher, Geschäftsführerin von Studio Babelsberg Motion Pictures GmbH, ihren Posten.

"Das gegenseitige Vertrauen für eine weitere Zusammenarbeit ist zerstört", teilte Thierry Potok als Geschäftsführer der Konzern-Tochter Vivendi Deutschland GmbH mit. Er übernimmt bis auf weiteres Bachers Aufgaben. Offiziell hält Vivendi an dem Engagement zu dem Filmstandort fest, doch mehren sich mit dem Rauswurf Bachers die Zweifel daran. Denn per Vertrag sind die Franzosen bis Ende des Jahres dem Standort zur Treue verpflichtet. Sie hatten sich in Babelsberg vor zehn Jahren eingekauft haben. "Wir sind extrem besorgt um den Filmstandort", sagte ein langjähriger Berliner Film-Manager.

Die gebürtige Wienerin Bacher war erst vor einem Jahr angetreten, um den Standort flott zu machen. Zwar werben die Studios damit, den 90 Mill. Dollar-Film teuren Stalingrad-Epos "Enemy at the Gates" produziert zu haben, ebenso wie "The Pianist" von Roman Polanski". Auch verkündete Bacher im Mai den Abschluss eines "Multi-Millionen-Dollar-Vertrags" mit einer US-Produktionsfirma. Dennoch schreibt Babelsberg rote Zahlen und tut sich im Standort-Wettbewerb schwer.

Mehrere Geschäftsführer sind bereits an der Aufgabe gescheitert, die Immobilie und den Filmstandort Babelsberg aufzupolieren. Bacher sollte - mit mehr Verantwortung als ihre Vorgänger ausgestattet - dies gelingen. Aus Kreisen der Studios war zu hören, auch frühere Immobilien-Manager in Babelsberg seien an Meinungsverschiedenheiten mit dem Vivendi-Mann Potok gescheitert. Als Immobilie macht Babelsberg in dem völlig am Boden liegenden Markt in der Region den Franzosen ebenfalls wenig Freude.

Andere Immobilienaktivitäten - auch in Berlin selbst - hat der Konzern bereits reduziert. Insider vermuten heute, dass in den nächsten fünf Jahren noch Abschreibungen von rund 100 Mill. Euro bei Berliner Objekten möglich sind.

Zur Zeit stehen besonders die Medienaktivitäten des Mischkonzerns auf dem Prüfstand. Insgesamt muss er Schulden von rund 19 Mrd. Euro abbauen. Nach einem Bericht der Tageszeitung "Libération" verkauft Vivendi für 200 Mill. Euro seine Tochter Canal Plus Technologies an die französische Gruppe Thomson Multimedia. Den Bericht wollten die Unternehmen nicht kommentieren. Auch für den Kauf der französischen Teile vonVivendi Universal Publishing gibt es einen neuen Bieter: Der Pariser Verlag Le Serpent à Plume will Vivendi gemeinsam mit der Union d?études d?investissement - einer Tochter der Genossenschaftsbank Credit Agricole S.A. - ein Angebot machen.

In Berlin-Brandenburg ist Vivendi auch über seine Tochter Vivendi Environment im Wassergeschäft aktiv. Sie hält 24,95 % an der Berlinwasser Holding. Hier will Frankreich ebenfalls durchgreifen: Mit den anderen Eigentümern - der Essener RWE und dem Land Berlin : "sprechen wir zur Zeit darüber, das Unternehmen neu zu strukturieren", sagte ein Sprecher. An dem Engagement halte man fest. Wie aus Kreisen von Vivendi zu hören ist, geht es dabei darum, die Durchgriffsmöglichkeiten der privaten Investoren an dem bisher intransparenten und obendrein defizitären Betrieb zu verbessern.

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