„Auch bei Derivaten gilt der alte Grundsatz: Kaufe nur, was Du wirklich verstanden hast.“
Derivate: Neue Tricks und Trends

Zertifikate und Optionsscheine bieten immer mehr Möglichkeiten, den Hebel an der Börse richtig anzusetzen.

DÜSSELDORF. Der Anrufer ist aufgeregt. "Sagen Sie mal, ich hab seit zwei Jahren ein Zertifikat von Ihnen, welche Aktien sind eigentlich da drin, und warum werde ich nie zur Hauptversammlung eingeladen?" Für die Berater in den Call-Centern der produktentwickelnden Banken gehören solche Anrufe zum Alltag. "Der Wissensstand vieler Kunden ist leider ziemlich gering", sagt Zertifikateexperte Markus Koch von UBS Warburg stellvertretend für die meisten Emittenten.

Die Unkenntnis betrifft mitunter nicht nur die Privatanleger. "Selbst so mancher Kundenberater in den Banken kennt sich mit den Produkten nicht genau aus", sagt Dirk Schernikau, Leiter der Marketingabteilung bei Börsenmakler Spütz. Doch ob Beratungsprofi oder Privatinvestor: Klar ist, dass der sinnvolle Einsatz der teilweise recht komplizierten Produkte die eingehende Beschäftigung mit ihnen voraussetzt. Produktentwickler Stephan Kunze von ABN Amro zieht Parallelen zu der klassischen Aktienanlage: "Auch bei Derivaten gilt der alte Grundsatz: Kaufe nur, was Du wirklich verstanden hast."

Turbozertifikate sorgen für Aufsehen

Dabei ist die Beschäftigung mit Zertifikaten & Co. durchaus lohnend: Ermöglichen sie doch eine einfache und zumeist auch kostengünstige Umsetzung von verschiedenen Anlagemotiven. Mit Indexzertifikaten können Anleger mit wenig Aufwand in alle Aktien eines Index investieren und so die Anlagerisiken im Depot breit streuen. Den verbilligten Einstieg in eine Aktie oder einen Index ermöglichen Discountzertifikate. Mit Strategie- und Hedge-Fonds-Zertifikaten können Anleger professionelle Handelssysteme auf das eigene Depot übertragen. Turbozertifikate und Optionsscheine sind die risikoreichste Derivatvariante: Durch ihre Hebelwirkung bieten sie die Möglichkeit, überproportional an Kursbewegungen zu partizipieren. Auch die Spekulation auf einen steigenden Euro ist damit möglich. An diese beiden Produkttypen sollten sich auf jeden Fall nur erfahrene Investoren trauen.

Der deutsche Markt ist mittlerweile hart umkämpft. Kein Wunder, schließlich konnten etwa Zertifikate selbst in Zeiten der Börsenflaute steigende Umsätze verbuchen. Und trotz zurückgehender Geschäfte im Optionsscheinsektor gilt Deutschland immer noch als der wichtigste Markt der Welt. Nicht weniger als 29 Institute aus dem In- und Ausland buhlen um die Gunst der Anleger. Folgen des Wettbewerbs: große Produktauswahl, einfacherer Preisvergleich und sinkende Gebühren. Zunehmend wichtiger wird auch der Serviceaspekt: "Emittenten, die keine umfassende Kursinformation über mehrere Medien, lange Handelszeiten und aktuelle Newsletter anbieten, werden sich am Markt schwer tun", sagt Martin Raab, Experte der Beratungsgesellschaft Custio.

Vom harten Wettbewerb auf dem Derivatemarkt zeugt auch die Innovationsfreude der Anbieter. Größte Neuerung waren zuletzt die von ABN Amro auf den Markt gebrachten Turbo-Zertifikate, die vor allem Anleger anziehen, die bisher mit Optionsscheinen spekuliert hatten. Dank dieser Produkte konnte ABN den Marktanteil im Zertifikatebereich an der Börse Euwax in Stuttgart von einem Prozent im Oktober 2001 auf derzeit rund 40 Prozent steigern. Angelockt durch diesen Erfolg zogen bislang fünf weitere Banken mit ähnlichen Produkten nach. Weitere Emittenten wie J.P. Morgan sind startbereit.

Sind die Turbos in erster Linie etwas für Zocker, eignen sich die klassischen Indexzertifikate vor allem für normale Anleger. Experten erwarten bei Index-Papieren einen weiteren Ausbau der Anlagemöglichkeiten. Schon bald sollen etwa weitere Papiere auf den Markt kommen, mit denen Investoren auf Immobilienpreise setzen können.

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