Auch Bewerbungen aus Leipzig und Stuttgart angekündigt
Streit um NRW-Olympiabewerbung spitzt sich zu

dpa DÜSSELDORF/KÖLN. Die Bewerberfrage um Olympische Spiele 2012 an Rhein und Ruhr wird zum Streitfall. Nachdem sich Dortmund und Essen mit der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf im Grundsatz offenbar auf eine gemeinsame Bewerbung des Ruhrgebiets und die Gründung eines Olympia-Zweckverbandes mit Sitz in Essen geeinigt haben, will sich Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma nicht geschlagen geben. "Notfalls werde ich mit Aachen, Bonn und Leverkusen eine eigene Bewerbung des Rheinlands initiieren", sagte Schramma am späten Sonntag in Köln. Bisher hatte der Kölner CDU - Oberbürgermeister mit seinem Düsseldorfer Amtskollegen und Parteifreund Joachim Erwin immer Wert auf ein gemeinsames Vorgehen in der Bewerberfrage gelegt.

NRW-Sportminister Michael Vesper reagierte verärgert und mahnte ein gemeinsames Vorgehen aller Beteiligten an. Der Grünen-Politiker sagte, Düsseldorf und Köln erwiesen der Bewerbung mit ihrer Auseinandersetzung einen Bärendienst. "Es darf kein Gezänk geben. Der einzige aussichtsreiche Weg ist der gemeinsame Weg, wenn man Olympia wirklich an Rhein und Ruhr holen will", sagte der gebürtige Kölner Vesper. Dortmunds OB Gerhard Langemeyer (SPD) sieht der von Schramma angekündigten eigenen Bewerbung gelassen entgegen. "Ich bedauere, dass Herr Schramma aus der Vergangenheit nichts gelernt hat. Er macht es uns nicht einfach, mit ihm zusammen zu arbeiten, ich hätte eine kooperativere Haltung erwartet", so Langemeyer.

Mit einer eigenständigen Bewerbung Kölns dürften die Chancen auf Olympische Spiele an Rhein und Ruhr insgesamt sinken, denn dem Nationalen Olympischen Komitee (NOK) für Deutschland wurden bereits Bewerbungen aus Leipzig und Stuttgart angekündigt. NOK-Präsident Walther Tröger sagte am Montag, er beurteile die Diskussion völlig neutral, "das ist ganz allein Sache der Politik. Wir werden uns da nicht einmischen". Das NOK werde jeden potenziellen Bewerber beraten und unterstützen. Einen Vorteil für Leipzig oder Stuttgart durch den Streit zwischen Ruhrgebiet/Düsseldorf und Köln kann Tröger nicht erkennen.

Gespräch mit Ministerpräsident Clement

"Ich will mich zwar nicht in einen Schmollwinkel zurückziehen, aber wenn für Köln keine glanzvollen Sportveranstaltungen übrig bleiben, werden wir uns das wohl kaum gefallen lassen", sagte Schramma. Am Aschermittwoch will er mit Ministerpräsident Wolfgang Clement ein Gespräch führen. Der Kommunalverband Ruhrgebiet (KVR) wollte nicht kommentieren, ob Köln durch das Vorpreschen des Ruhrgebiets schon jetzt Verlierer ist. KVR-Sprecher Frank Levermann äußerte sich zurückhaltend: "Zu der Frage Köln können wir im Moment nichts sagen. Das koordiniert Ministerpräsident Clement." Ende März soll eine vom NRW-Ministerium für Sport erstellte Analyse der Sportstätten vorliegen, auf deren Grundlage man sich bewerben wolle. Danach soll es nach Äußerungen Vespers Anfang April "ein weiteres Gespräch mit allen" geben.

Der KVR hatte bereits Ende Oktober vergangenen Jahres die Entwicklung eines neuen Strukturplans für Olympia 2012 angekündigt, nachdem der Kommunalverband schon Mitte der 80er und 90er Jahre an derartigen Projekten gearbeitet hatte. Laut KVR-Angaben hatte das NOK einer damaligen Konzeption die Bewertung "olympiareif" gegeben. Zu Gunsten Berlins war unter anderem das Ruhrgebiet bei der deutschen Bewerbung um die Spiele 2000 zurückgetreten.

Das NOK will bei seiner Mitgliederversammlung im November eine Grundsatzentscheidung für oder gegen eine Olympia-Bewerbung fällen. Als Alternative für eine deutsche Kandidatur kommen auch Winterspiele 2010 oder 2014 in Frage. Hierfür stünde offenbar München als Kandidat bereit.

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