Auch Bonds von namhaften Unternehmen bieten hohe Verzinsung – Experten warnen vor Risiken: Hochzinsanleihen sind ein heißes Eisen

Auch Bonds von namhaften Unternehmen bieten hohe Verzinsung – Experten warnen vor Risiken
Hochzinsanleihen sind ein heißes Eisen

Die Herabstufungen durch Ratingagenturen treffen mitunter auch einst solide Anleihen. Jüngst traf es mit Thyssen-Krupp und Ahold wieder zwei namhafte Unternehmen. Nun bieten die Papiere eine hohe Verzinsung. Doch Experten raten zur Vorsicht: Beide Fälle sind nicht vergleichbar.

DÜSSELDORF. Beim Einzelhandelskonzern Ahold fehlt jede Grundlage zur Beurteilung, nachdem die Niederländer Bilanzfälschungen zugegeben haben. Bei Thyssen-Krupp hingegen hat Standard & Poor?s (S & P) die offenen Pensionsverpflichtungen als Grund für die Herabstufung der Anleihen genannt - und die sind seit langem bekannt. Hier löst daher eher das Verhalten von S & P bei den Analysten Erstaunen aus. So schreibt Bernhard Jeggle von der LBBW: "Marktteilnehmer, die dem Rating der Agentur für Thyssen-Krupp von BBB mit stabilem Ausblick vertraut haben, müssen sich getäuscht vorkommen". Er befürchtet, dass unmotivierte Herabstufungen selbst zum "Event-Risiko" für Unternehmensanleihen werden.

Auch Fondsmanager haben ihre Mühe damit, dass die Ratingagenturen ihre Urteile schneller ändern und der Übergang vom "Investment-Grad" (z.B. die Note BBB) zu "spekulativen" und "hochverzinslichen" Graden (etwa BB) durchlässiger geworden ist. Ist ein Unternehmen über diese Grenze nach unten gestuft worden, dann gilt es als "gefallener Engel". Häufig haben die Vermögensverwalter genaue Vorgaben, nur in einem der beiden Bereiche zu investieren. Wechselt ein Papier, dann müssten sie es also bei strenger Auslegung der Regeln sofort verkaufen - zu jedem Preis. "Manchmal ist man mehr damit beschäftigt, diese Grenze einzuhalten, als mit der aktiven Auswahl von Papieren", klagt zum Beispiel Uwe Fuiten von der WestAM.

Doch die mittlerweile große Schar der gefallenen Engel hat auch ihre Vorteile. Denn die Klasse der hochverzinslichen Unternehmensanleihen, die noch vor zwei Jahren ein sehr kleiner Markt war, ist mittlerweile durch Papiere großer Gesellschaften wie Alcatel, Ericsson, Xerox, ABB und Fiat bereichert worden und weist daher eine ganz andere Tiefe auf. Außerdem sei er dadurch von der Branchenstruktur her "exzellent diversifiziert", meint Henning Lenz von der WestAM. Er glaubt zudem, dass bei Herabstufungen und Ausfällen der Höhepunkt überschritten worden ist.

Für den gesamten Markt der Unternehmensanleihen zeigen die Experten vorsichtigen Optimismus. Marion Stommel-Hatzidimoulas von der WestAM hofft auf eine positive Entwicklung für den Investment-Bereich, wenn die Konjunktur einigermaßen mitspielt. Die Anleihen hätten sich vom schwachen Aktienmarkt abgekoppelt, sagt sie. Außerdem sei kein zu großes Volumen an Neuemissionen zu befürchten. Die großen Themen der Vergangenheit, die zur Verschuldung geführt hätten - UMTS und Fusionen - seien weitgehend vorbei, jetzt gehe es bei neuen Papieren mehr um die Refinanzierung bestehender Schulden. Nach ihrer Ansicht ist vor allem der Telekomsektor attraktiv - wichtig sei hier die Aussage der France Télécom, in diesem Jahr sei keine weitere Emission geplant.

Den Automobilsektor sieht Stommel-Hatzidimoulas dagegen skeptischer, vor allem die großen amerikanischen Adressen Ford und General Motors mit ihren gewaltigen Pensionsverpflichtungen. Auch die Versorger hat sie insgesamt untergewichtet. Dieser Markt sei sehr heterogen, Probleme sieht sie bei einigen Unternehmen vor allem wegen des Preisverfalls in Großbritannien und wegen Risiken in Lateinamerika.

Holger Kammel von der LBBW ist in seiner Gesamteinschätzung etwas zurückhaltender. Die Renditeabstände der Unternehmensanleihen zu Staatspapieren seien seit dem vergangenen Oktober beim Rating BBB bereits von 280 Basispunkten (2,8 Prozentpunkte) auf etwa 200 Basispunkte geschrumpft, sagt er. Dabei gebe es eine gewisse Verzerrung dadurch, dass einzelne Papiere aus diesem Segment herausgestuft wurden. Seit Ende November habe sich der Anleihenmarkt von den Aktien abgekoppelt.

"Die Anleger sind offenbar bereit, bei Anleihen Risiken zu übernehmen, die sie bei Aktien nicht mehr haben wollen", sagt Kammel. Der Fall Ahold habe den Aufschwung der Anleihen allerdings ausgebremst. Nach seiner Einschätzung haben vor allem niedriger geratete Papiere noch etwas Potenzial - aber sehr viel Luft nach oben sieht er in den Bewertungen nicht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%