Auch Books on Demand haben Bestseller
Immer mehr Verlage drucken Bücher erst auf Bestellung

Beim Bedarfsdruck - neudeutsch "Books on Demand" - wird vor allem Geschriebenes publiziert, für das sich bislang noch kein Verleger interessiert hat.

FRANKFURT. Sie nennt sich Thera Blind und hat mit "Tot im Boot" ihrer Schriftsteller-Kollegin Hera Lind mit ihrem Roman "Mord an Bord" einiges voraus. Thera Blind, Erfinderin von Bibi Bloxberg und Benjamin Blümchen - besser bekannt unter ihrem richtigen Namen Elfie Donnelly - belegt zur Zeit Platz 1 der Bestseller-Liste. Aber nicht bei Spiegel oder Focus, sondern bei Libri, denn "Tot im Boot" ist der zu Zeit meistverkaufte Titel unter den Büchern, die erst bei Bestellung aus der Druck- und Bindemaschine laufen.

"Books on Demand" nennt sich diese Technik des Bedarfsdrucks. Publiziert wird so vor allem Geschriebenes, für das bislang kein Verleger Interesse zeigte. Aber auch für Dissertationen und Habilitationen wird der Buchdruck ab Auflage 1 genutzt. Die technischen Voraussetzungen für ein eigenes Buch sind vergleichsweise bescheiden. Es reicht eine Computerdatei mit dem komplett formatierten Text samt Bildern. Mit rund 500 DM für ein 200seitiges Taschenbuch muss der Autor auch nicht all zu tief in die Tasche greifen. Soll der gedruckte Beweis eigener literarischer Tätigkeit zudem eine ISB-Nummer erhalten und in das Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) aufgenommen werden, kommen noch 120 DM im Jahr hinzu. Mit einem Verkaufspreis von 20 DM pro Buch ist das Ganze dann kostendeckend kalkuliert.

Aber nicht nur Privatpersonen mit dem Hang zum Schreiben und Publizieren nutzen Books on Demand. So verweist beispielsweise Sortimenter Libri auf seiner Website auf renommierte Partner aus dem traditionellen Verlagswesen, die den Druck per Mausklick für einige Titel nutzen - darunter die Verlagsgruppe Beltz und der Haffmans Verlag. Ex-dtv- und-Ullstein-Verleger Wolfram Göbel gründete über die Buch & medi@ GmbH mit Criminale sogar einen Verlag, der über Libri ausschließlich Krimis auf Bestellung liefert.

Den rund 20 von ihm verlegten Kriminalromanen soll nun auch Schöngeistiges folgen. Zur Buchmesse ist die Premiere der "Lyrikedition 2000" geplant, in der zusammen mit dem Göttinger Literaturkritiker Heinz Ludwig Arnold renommierte Lyriker der Gegenwart mit vergriffenen Gedichtbänden in der Demand-Technik neu aufgelegt werden sollen.

Mit 18 Titeln will man starten. Neben Libri tummeln sich auf dem Markt der Buchproduzent auf Zuruf zahlreiche kleinere Anbieter. Die Digital GmbH-Druck etwa bietet Hard- und Softcover ab einer Auflage von 30 Exemplaren. Im Sächsischen Digitaldruck Zentrum werden Bücher ab einer Auflage von 30 Exemplaren produziert. Der Berliner Schaltungsdienst Lange will den Verlagsbuchhandel ansprechen und bietet Kleinstauflagen mit Umschlägen in klassischer Offset-Qualität.

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