Auch Bundesaufsichtsamt wird Ermittlungen einleiten
Staatsanwalt besucht Zentrale von EM-TV

Die Münchener Staatsanwaltschaft hat im Zuge ihrer Ermittlungen wegen Insiderhandels das angeschlagene Entertainmentunternehmen EM.TV & Merchandising AG am Firmensitz in Unterföhring besucht.

DÜSSELDORF. Der Filmrechtehändler, bei dem der Kirch-Konzern einsteigen wird, übergab dem ermittelnden Staatsanwalt Unterlagen wie Aufsichtsrats- und Vorstandsprotokolle, wie aus Branchenkreisen dem Handelsblatt bekannt wurde. Auch soll ein Gespräch des Staatsanwaltes mit Vorstandsvorsitzenden Thomas Haffa statt gefunden haben. Wann die Untersuchungen abgeschlossen sind, ist offen. Die Staatsanwaltschaft war am Freitag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Wegen der komplizierten Firmenstruktur und den internationalen Abrechungsmodi werden sich die Ermittlungen vermutlich über mehrere Wochen erstrecken. Unterdessen hat das Bundesaufsichtsamt für Wertpapierhandel (BAWe) die Analyse von möglichen Insider-Geschäften im Vorfeld der Gewinnwarnung von EM.TV abgeschlossen. Es lägen einige Anhaltspunkte für auffällige Kursbewegungen vor, sagte BAWe-Sprecher Christian Pawlik gegenüber dem Handelsblatt. Aller Vorraussicht nach wird eine Untersuchung bis spätestens Anfang Januar eingeleitet.

Das Verfahren werde auf Grund des regen Handels mit EM-TV-Aktien "mehrere Monate" dauern. Mit der Münchner Staatsanwaltschaft werden die Erkenntnisse ausgetauscht. Das Bundesaufsichamt hat in den letzten drei Quartalen diesen Jahres rund drei Dutzend Untersuchungen gegen börsennotierte Unternehmen eingeleitet.

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt gegen EM.TV-Chef und Großaktionäre Thomas Haffa, seinen Bruder und Ex-Finanzvorstand Florian und andere Beteiligte. Der einstige Börsenliebling EM.TV hatte Anfang Dezember seine Gewinnprognosen drastisch nach unten korrigiert. Jedoch hatten Spekulationen um ein finanzielles Chaos den Aktienkurs schon zuvor auf Jahrestiefststände fallen lassen.

Die am Neuen Markt gehandelte EM.TV-Aktie pendelte am Freitag im Laufe des Handels um 6 Euro. Im März wurde die Papiere des Medienunternehmens noch für 120 Euro gehandelt.



Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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