Auch CDU-Arbeitnehmerflügel gegen entsprechenden Vorschlag
Regierung lehnt Rente mit 67 ab

Eine neuerliche Initiative von Arbeitgeberseite zur baldigen, schrittweisen Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre ist sowohl von der Bundesregierung als auch vom CDU-Arbeitnehmerflügel zurückgewiesen worden.

dpa BERLIN. Der Hauptgeschäftsführer des deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), Martin Wansleben, hatte über Ostern erklärt, mit durchschnittlich 60 Jahren in den Ruhestand zu gehen und über 25 Jahre Rente zu kassieren, sei nicht länger zu finanzieren. Er schlug in der Chemnitzer "Freien Presse" vor, angesichts einer stark schrumpfenden Zahl von Erwerbstätigen das Rentenalter von derzeit 65 Jahren von 2004 an in vier aufeinander folgenden Schritten auf 67 anzuheben. Zugleich müssten die Abschläge für einen früheren Renteneintritt deutlich erhöht werden, da Frührentner noch immer von den Sozialkassen subventioniert würden.

Eine Sprecherin von Arbeitsminister Walter Riester (SPD) sagte dazu: "Herr Wansleben sollte besser auf seine Mitgliedsunternehmen einwirken, ihre Mitarbeiter länger in den Betrieben zu halten, bevor er solche Forderungen erhebt. Wir lehnen das ab."

Auch beim Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels Hermann-Josef Arentz stieß der Vorschlag des DIHK auf Kritik. Es sei an Schizophrenie nicht zu überbieten, einerseits den Älteren auf dem Arbeitsmarkt "die Tür vor der Nase zuzuknallen", andererseits aber zu verlangen, dass länger gearbeitet werden müsse, sagte er der "Freien Presse" (Dienstag). Arentz bezeichnete den Vorstoß als "zutiefst unsozial".

Nach den Unterlagen der Rentenversicherer sind die Deutschen im Durchschnitt 60,2 Jahre alt, wenn sie Rentner werden. Für jedes Jahr, das jemand vor dem 65. Lebensjahr in Rente geht, werden 3,6 Prozent von der Rente abgezogen. Männer beziehen im Durchschnitt etwa 13 Jahre lang Rente, Frauen 16 bis 17 Jahre.

In der Vergangenheit hatten sich bereits der Vorsitzende des Sozialbeirats der Bundesregierung, Bert Rürup, und der Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage, Jürgen Donges, für ein höheres Renteneintrittsalter ausgesprochen. Rürup schlug vor, von 2010 an das Eintrittsalter in Stufen von einem Monat pro Jahr auf 67 anzuheben. Andernfalls würden die in der Rentenreform festgeschriebenen Ziele von einem Höchstbeitrag von 22 Prozent und einem Mindestrentenniveau von 67 Prozent miteinander kollidieren, warnte der Wirtschafsweise.

Derzeit liegt der Beitragssatz bei 19,1 Prozent. Die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte erwartet jedoch, dass der Rentenbeitrag 2003 trotz Rentenreform und Zuschüssen aus der Ökosteuer auf 19,3 Prozent erhöht werden muss. Die Renten in Deutschland steigen zum 1. Juli um 2,16 Prozent im Westen und um 2,89 Prozent im Osten.

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