Auch der DFB kassierte diskret vom Kirch-Konzern
„Historisch bedingter Vertrag“

Dass Leo Kirch dem DFB Millionen für Videorechte zahlte, obwohl er diese offenbar längst besaß, verwundert die Bundesliga. Borussia Dortmund fordert bereits seinen Anteil.

DÜSSELDORF. Die Liste wird länger. Nach dem FC Bayern München, Fedor Radmann (Vizepräsident des WM-OK für 2006) und Schalke-Aufsichtsrat Jürgen Möllemann hatte offenbar auch der Deutsche Fußball-Bund einen "Geheimvertrag" mit der Kirch-Gruppe geschlossen. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete, dass Wilfried Straub als damaliger Geschäftsführer der DFB-Wirtschaftsdienste GmbH im Mai 1992 einen Vertrag in Höhe von zehn Millionen Mark mit der Rechteagentur ISPR abgeschlossen hat. Ähnlich wie der FC Bayern soll der Verband hinter dem Rücken der Liga Zahlungen erhalten haben. Der frühere DFB-Direktor Straub, inzwischen Vorsitzender der Geschäftsführung bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL), bestätigte diese Vereinbarung. "Sie war rechtens", sagte der 63-Jährige. "Es bestand aber keine Pflicht zur Offenlegung."

Beim FC Bayern dürfte man sich diebisch gefreut haben. Der Rekordmeister war für heimlich kassierte 42 Millionen Mark - angeblich für Pay-TV-Rechte, parallel gezahlt von Kirch zu den offiziellen Fernsehverträgen mit allen 36 deutschen Profi-Vereinen - scharf kritisiert worden. Auch die DFL hatte eine Aufklärung eingefordert. Dass sie nun mit Straub über das Verhalten der Bayern urteilen soll, ist mehr als pikant. Michael Meier, Manager von Borussia Dortmund, sprach von einem "unglaublichen Vorgang" und meinte: "Sollte es so sein, dass der Vertrag an der Liga vorbei gemacht wurde, dann gehört das Geld zurück in den Geldkreislauf der Liga."

Die Wirtschaftsdienste GmbH des Verbandes hatte unter der Leitung von Straub der Agentur ISPR, die damals zu 49 Prozent dem Axel Springer Verlag und zu 51 Prozent dem Medien-Imperium von Leo Kirch gehörte, von 1992 bis Saisonende 1997 die Videorechte an der Bundesliga verkauft. Es sei "historisch bedingt" gewesen, erklärte Straub, dass die DFB-Tochter die Videorechte an der Liga gesondert verkauft habe. Dass die Zahlung von zehn Millionen Mark über eine Schein-Konstruktion eine Gefälligkeit des Kirch-Konzerns gegenüber dem DFB gewesen sei, wurde zurückgewiesen. Das Seltsame an dem Vorgang: Die Videorechte mussten nicht extra erworben werden. Alle Verträge über bewegte Bilder der Bundesliga waren immer allumfassend und nicht aufgegliedert nach den verschiedenen Gliedern der Verwertungskette. Wie möglicherweise beim FC Bayern, zahlte Kirch offenbar auch an den DFB für Vertragsrechte, die er schon besaß. Ein Fall von Schmiergeld? Weitere Enthüllungen, bisher stets über verschiedene Medien lanciert, scheinen nicht ausgeschlossen.

Straub hatte einen Monat vor dem Sondervertrag als Unterhändler der Profiklubs mit der ISPR den bis dahin größten Fernsehvertrag in der Geschichte des deutschen Fußballs ausgehandelt. Für 700 Millionen Mark hatte Kirch sämtliche Verwertungsrechte an der Liga für das Free-TV bis zum Saisonende 1997 und damit auch die Videorechte gekauft. Das erledigte Straub in seiner Eigenschaft als DFB-Direktor unter Aufsicht des damaligen Liga-Vorsitzenden Gerhard Mayer-Vorfelder. Aber Straub hatte damals eine "Zwitterstellung", da zu seinem Direktorium zugleich die Wirtschaftsdienste des DFB gehörten, die mit der Liga wenig zu tun hatten. Allerdings profitierte die GmbH von der Attraktivität der Liga. Straub bestreitet nicht, dass er die Vereine damals nicht über die Vereinbarung mit der ISPR informiert habe, betont aber, dass es "teilweise einen Rückfluss an die Vereine" gegeben habe.

Laut Spiegel soll sich die Sondervereinbarung stillschweigend verlängert haben, als der TV-Vertrag für 540 Millionen Mark um weitere drei Jahre bis 2000 verlängert wurde. Damit gingen weitere sechs Millionen Mark an den DFB. Der Verband kündigte an, zu Wochenbeginn ausführlich Stellung zu beziehen.

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